Nachhaltige Mobilität

Deutschland kommt nicht vom Fleck

26. April 2023, 12:33 Uhr | Irina Hübner
© Leandro Boogalu | Pexels

Auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität tritt Deutschland auf der Stelle. So brachte Corona nur Scheinerfolge. Zu diesem Ergebnis kommt der ADAC in seinem zweiten Mobilitätsindex.

Die deutlichen Verbesserungen in den Jahren 2020 und 2021 waren auf die vorübergehend geringere Verkehrsnachfrage durch die Corona-Pandemie zurückzuführen. Strukturelle Verbesserungen, die von bleibender Wirkung über die Pandemie hinaus sind, wurden leider kaum erreicht. Das zeigt der neue ADAC-Mobilitätsindex, den der ADAC gemeinsam mit dem Analyse- und Beratungsunternehmen Prognos entwickelt hat und heute zum zweiten Mal veröffentlicht.

Damit wächst nach Ansicht des ADAC der Handlungsdruck auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, das Tempo auf dem Weg zu einer nachhaltigen Mobilität zu erhöhen. Das erste Pandemiejahr ließ den Index sprunghaft auf 115 Punkte ansteigen, doch schon im Jahr danach kündigte sich eine Trendwende an, als der Index wieder auf 113 sank. Bei der erstmaligen Veröffentlichung des Mobilitätsindex für das Jahr 2019 lag der Indexwert – wie schon im Basisjahr 2015 – bei 100.

Wissenschaftliche Mobilitäts-Bewertung

Der ADAC-Mobilitätsindex ist eine wissenschaftliche Bewertung der Entwicklungen im Bereich der Mobilität. Dazu werden zahlreiche Indikatoren erfasst und transparent gemacht. Sie berücksichtigen wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Aspekte. Der Mobilitätsindex bildet dies durch fünf Bewertungsdimensionen ab: Verkehrssicherheit, Klima und Umwelt, Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Bezahlbarkeit.

Den höchsten Index-Wert wies die Bewertungsdimension »Klima und Umwelt« aus. Da während Corona die Belastungen durch Luftschadstoffe geringer waren, stieg der Index auf 119. Doch schon 2021 zeichnete sich ein Wiederanstieg von Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen ab. Aufgrund der niedrigeren Verkehrsleistung und des daraus resultierenden geringeren Unfallgeschehens verbesserte sich der Indexwert für die »Verkehrssicherheit« auf 118. Doch auch hier ist mit der Erholung des Straßenverkehrs eine Verschlechterung absehbar.

Weniger Staus während Corona

Der Index für die »Zuverlässigkeit« stieg deutlich auf 113 und zeigt, wie sehr die geringere Verkehrsleistung während der Corona-Jahre auch die Zahl der Staus reduziert hat. Die im vergangenen Jahr erkennbaren Verkehrsspitzen lassen erwarten, dass auch diese positive Entwicklung nicht von Dauer sein wird. Die gekappten Angebote im Luft- und Fernbusverkehr führten schließlich zu einem leichten Rückgang des Indexwertes auf 102 bei der »Verfügbarkeit«.

Spürbare Verteuerung der Mobilität

Inwieweit es den Menschen finanziell möglich ist, ihre Mobilitätsbedürfnisse zu befriedigen, wird bei der Bewertungsdimension »Bezahlbarkeit« gemessen. Hier sorgten die deutlich gestiegenen Energiekosten 2021 für eine spürbare Verteuerung der Mobilität. Es deutet sich an, dass sich die Energiepreise und damit die Kosten der Mobilität künftig auf einem vergleichsweise hohen Niveau einpendeln.

Aus Sicht des ADAC muss nachhaltige Mobilität die negativen Auswirkungen des Verkehrs verringern. Erzwungener Mobilitätsverzicht wie in den beiden Corona-Jahren hat keinen Bestand und ist keine realistische Option, um die Nachhaltigkeit der Mobilität dauerhaft zu verbessern. Das Bedürfnis der Menschen nach Mobilität ist weiterhin groß. Auch wenn Einzelne zu freiwilligem Verzicht bereit sind: Es ist unrealistisch, dass die gesamte Gesellschaft darauf setzen wird.

Der ADAC geht davon aus, dass die Indexwerte für das Jahr 2022 fast wieder auf dem Niveau des Jahres 2019 liegen werden. Das zeigt, dass Deutschland in puncto Nachhaltigkeit auf der Stelle tritt und neue Impulse braucht.


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