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EU-Verkehrspolitik

Klimafreundliche Mobilität muss ihren Preis haben

02. Oktober 2020, 09:09 Uhr   |  Irina Hübner

Klimafreundliche Mobilität muss ihren Preis haben
© Shutterstock.com

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat ein Positionspapier zur EU-Strategie für nachhaltige und intelligente Mobilität vorgelegt. Darin setzt sich der Verband für Preise und Wettbewerbsbedingungen ein, die die externen Umweltkosten der einzelnen Verkehrsträger realistisch aufzeigen.

VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff betont: »Man muss mit Blick auf die EU sehen: Bisherige Ansätze, Treibhausgasemissionen im Verkehr zu mindern, zeigen kaum Fortschritte. Die Maßnahmen müssen wirksamer sein und sich aller drei Hebel bedienen: Verkehr vermeiden, verlagern, verbessern. Ziel muss es sein, dass bis 2030 und in einem nächsten Schritt bis 2050 signifikant mehr Verkehr als heute auf den Umweltverbund, also Bahn, Bus, Fahrrad und den Fußverkehr entfällt. Um das zu erreichen müssen wir uns bei den tatsächlichen Umweltkosten der Verkehrsträger ehrlich machen.«

Die Überarbeitung der Energiesteuerrichtlinie biete dafür eine erste Gelegenheit. Die Kosten für fossile Brennstoffe sollten dabei steigen, während der öffentliche Verkehr steuerlich entlastet werden müsse, so das VDV-Positionspapier. Denn der ÖPNV müsse für die Kunden bei Preis und Qualität noch attraktiver werden.

Covid-Krise birgt auch Chancen für die Branche

Die COVID-19-Pandemie stelle die Branche weiter vor große Herausforderungen. Der bisherige deutsche Weg der Krisenbewältigung sei jedoch erfolgreich gewesen. »Wir sehen nun auch Chancen für einen grünen, wirtschaftlichen Aufschwung und eine nachhaltigere und saubere Mobilität im Sinne des ‚Green Deals‘ der EU«, meint Wolff.

Priorität habe es zunächst, das Vertrauen der Fahrgäste in Bus und Bahn zurückzugewinnen. Die Forschungsergebnisse stimmen den Verband positiv, denn sie haben ergeben, dass der ÖPNV kein besonderer Ansteckungsort ist. Doch parallel müsse auch am Umsetzen der Verkehrswende weitergearbeitet werden, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Digitalisierung kann die nächste Krise lindern

Das VDV-Positionspapier unterstreicht, dass Innovationen – wie intelligente Verkehrssteuerung, datenbasierte Prozessoptimierung und digitaler Kundenservice – den ÖPNV und Schienengüterverkehr attraktiver und umweltverträglicher machen können. Die digitalen Möglichkeiten sollten dabei zu nachhaltigerem Nutzer- und Kundenverhalten führen. Dabei bedürfe es allerdings einer politischen Steuerung bereits auf Kommunalebene, damit der Verkehr nicht zunimmt, sondern effizienter wird.

Auch mit den Erfahrungen aus der Pandemie steigt der Druck auf eine schnellere Digitalisierung: So dürfe es nicht erneut passieren, dass der Fahrscheinverkauf geschlossen werden muss, nur weil der Vordereinstieg beim Bus gesperrt werden muss. Das Ziel müsse sein, dass der Fahrscheinverkauf flächendeckend digital funktioniert.

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