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Auftragsfertigung

Bedrohung für die Autoindustrie?

23. März 2021, 17:00 Uhr   |  Heinz Arnold

Bedrohung für die Autoindustrie?
© Foxtron

Die MIH-Plattform von Foxtron.

Die Geschäftseinbußen während der COVID-19-Pandemie könnten neue Plattformen von Drittanbietern beflügeln. Den OEMs erwächst neue Konkurrenz.

Dass liegt laut Strategy Analytics an den hohen Kosten, die mit der Entwicklung neuer Plattformen verbunden sind, auf deren Basis vernetzte, autonome, elektrische und über Shared-Modelle genutzte Fahrzeuge entwickelt werden könnten. Das könne dazu führen, dass sowohl traditionelle OEMs wie BMW, Mercedes und VW als auch aufstrebende Akteure Aufragfertigung und Plattformen von Drittanbietern akzeptieren. Die aktuelle Studie »Foxconn, Magna und REE Banking on Electrification to Spur Demand for Automotive Contract Manufacturing« von Strategy Analytics aus dem Bereich Powertrain, Body, Safety & Chassis Service (PBCS) untersucht sowohl die Vorteile als auch die Nachteile, die die Auftragsfertigung mit sich bringt. Der Bericht analysiert auch, wie sich die traditionelle Automobil-OEM-Landschaft durch Fusionen und Kooperationen an die zukünftigen Bedürfnisse des Marktes anpasst, die diese Entwicklung hin zur Auftragsfertigung mit sich bringen werde.

Foxconn, Magna und REE Automotive haben bereits Plattformen für Elektrofahrzeuge auf den Markt gebracht, die es den OEMs durch Skaleneffekte erlauben, Doppelkosten zu vermeiden. Sie können aber auch für EV-Startups interessant sein, denen das Kapital fehlt, um selbst Produktionskapazitäten aufzubauen.

Foxconn, vor allem als Auftragsfertiger vom iPhone von Apple bekannt, hat im November 2020 die Tochtergesellschaft Foxtron gegründet, über die das Unternehmen in die Fertigung von Elektrofahrzeugen einsteigen will. Foctron hat »MIH EV Open Platform« entwickelt und Partnerschaften mit über 200 Automobilzulieferern geschlossen, um MIH weiterzuentwickeln. Das israelische Start-up REE Automotive hat sich mit Mahindra zusammengeschlossen, um eine modulare, skalierbare Plattform zu entwickeln. Magna International hat vor kurzem das EtelligentReach-System auf den Markt gebracht, das mit den von OEMs entwickelten Plug-in-Hybrid-Antriebssträngen konkurrieren soll und eine Reduzierung der Emissionen um 38 Prozent bietet. Die Auftragsfertigungstochter von Magna International, Magna Steyr, hat das Konzeptauto »Vision-S« von Sony gebaut und auch Fisker setzt für die Produktion der »Ocean«-Elektrofahrzeuge auf Magna Steyr.

»Weil Foxconn bereits eine Partnerschaft mit FCA und Fisker eingegangen ist und auch REE und Magna Wege zu einer gemeinsamen Plattform anbieten, öffnen sich für die Automobilhersteller über die Auftragsfertigung neue Wege zur Elektrifizierung«, sagt Kevin Mak, Principal Analyst des PBCS von Strategy Analytics. »Technologieunternehmen wie Apple, Huawei, Sony und ZTE expandieren ebenfalls in den Automobilbereich und bieten damit eine weitere Möglichkeit für Auftragsfertiger.«

Mak warnt jedoch, dass es einige Zeit dauern wird, bis diese Marktteilnehmer Erfahrungen im Automobilbereich sammeln und das Vertrauen der OEMs gewinnen. »Die Kunden werden Zusicherungen brauchen, dass sie die Kontrolle über die Lieferung der Plattformen, die Designanpassung und die Qualität behalten.«

Zu beachten ist auch, dass die etablierten OEMs bereits seit einigen Jahren strategisch auf CASE (Connected, Autonomous, Shared and Electric) hin planen.

»Die deutsche Automobilindustrie zum Beispiel investiert stark in die Elektrifizierung. Außerdem ist nicht zu erwarten, dass die Auftragsfertiger ihre Größe und Expertise derart erweitern, dass sie prognostizierte Nachfrage nach xEVs in den nächsten fünf bis zehn Jahren nachkommen könnten«, sagt Hakan Gustafsson, Direktor der Strategy Analytics GmbH. »Auftragsfertiger werden auch mit den verfügbaren Plattformen der großen Autokonzerne konkurrieren, wie Volkswagen mit seinen MEB-, PPE- und den kommenden SSP-Plattformen und Mercedes mit seinen EVA- und MMA-Plattformen.«

Darüber hinaus würden die aktuellen Probleme in der Lieferkette nur unterstreichen, wie wichtig es ist, lokale Kompetenzzentren einzurichten und zu erhalten, um die Versorgungssicherheit mit skalierbaren Plattformen zu gewährleisten, die das gesamte Portfolio eines OEMs unterstützen können.«

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