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Deloitte-Studie

Alternative Antriebe erst 2032 bei 50 Prozent Absatz

16. November 2020, 10:33 Uhr   |  Irina Hübner

Alternative Antriebe erst 2032 bei 50 Prozent Absatz
© Shutterstock.com

Der Ausbau der Elektromobilität ist erklärtes Ziel der Bundesregierung: Bis 2030 sollen 10 Mio. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben auf den Markt gebracht werden. Das ist jedoch Illusion. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Deloitte zur Elektromobilität in Deutschland.

Neuzulassungen – insbesondere von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren – werden in den nächsten zehn Jahren deutlich rückläufig sein. Dieser Trend wird durch die Coronakrise verstärkt: Bis zu 3 Millionen weniger Verbrenner werden bis 2030 am Markt nachgefragt werden als im selben Zeitraum vor der Pandemie.

Trotzdem steht schon jetzt fest: Das erklärte Ziel der Bundesregierung, 10 Mio. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben bis 2030 auf die Straße zu bringen, kann nicht erreicht werden.

Corona-Konjunkturpaket beschleunigt Wandel

Laut der Deloitte-Studie werden bis 2030 voraussichtlich lediglich 6,35 Mio. Autos mit Elektroantrieb neu zugelassen werden. Dass diese Zahl trotz Coronakrise erreicht werden kann, ist auf das im Juni 2020 beschlossene Konjunkturpaket der Bundesregierung zurückzuführen.

Für den erwarteten Aufschwung von 650.000 Neuzulassungen sorgen die Anpassung der EEG-Umlage, eine erweiterte Förderung und eine Steuererleichterung für den Kauf von elektrisch betriebenen Dienstfahrzeugen sowie die Förderung von Entwicklungsprojekten in der Elektromobilität und der Batteriezellenfertigung. Sie gleichen den signifikant negativen Einfluss der Pandemie aus, der mit minus 500.000 Fahrzeugen beziffert wird.

Doch auch ohne Covid-19 wäre das Ziel von 10 Mio. Autos um 3,8 Mio. Autos verfehlt worden.

Wendepunkt in der Elektromobilität erst 2032

Frühestens ab 2032 werden die Neuzulassungen der Elektrofahrzeuge die der Verbrenner einholen, so die Deloitte-Studie.

»Die Automobilindustrie wurde von der Corona-Krise heftig getroffen und steht nun vor der Herausforderung, die Auswirkungen der Pandemie und die Transformation zu elektrischen, autonom fahrenden und verknüpften Fahrzeugen gleichzeitig zu erreichen«, erklärt Dr. Harald Proff, Partner und Leiter Automobilindustrie bei Deloitte Deutschland und Global. Dennoch sei sie gefragt, weiter die Weichen für den langfristigen Wandel zur Elektromobilität zu stellen und die sich abzeichnende positive Entwicklung mit Nachdruck zu beschleunigen.

Hybridmotoren spielen langfristig keine Rolle

Insbesondere batteriebetriebene Autos werden den Wandel maßgeblich prägen und im alternativen Segment auch über 2030 hinaus am stärksten nachgefragt werden. Eine entscheidende Rolle werden dabei Klein- und Kleinstwagen einnehmen. Dafür gibt es zwei wesentliche Gründe: ihre niedrigere Preisklasse und die zunehmende Verschärfung der CO2-Regularien.

Stärker ins Spiel könnte auch die Brennstoffzellentechnologie kommen. Ihr Anteil wird voraussichtlich ab 2026 kontinuierlich zunehmen; die Technologie könnte sich langfristig etablieren.

Fahrzeuge mit Hybridmotoren werden hingegen an Bedeutung verlieren. Zwar werden sie in den nächsten fünf Jahren für die Branche noch eine wesentliche Bedeutung haben, da sie die Einhaltung der CO2-Vorgaben erleichtern und bestehende Wertschöpfungsprozesse weiterhin genutzt werden können. Ab 2025 wird ihre Relevanz jedoch zunehmend sinken.

Der Staat ist als entscheidender Akteur gefragt, neben den bereits eingeleiteten Maßnahmen über Stellhebel wie Kaufprämie und Kraftstoffpreis einen Einfluss auf die Entwicklung hin zu mehr Elektromobilität nehmen. Mit gesteigerter Bereitschaft zum Umstieg können außerdem Verbraucher zur Mobilitätswende beitragen. Ziehen Politik, Wirtschaft und Verbraucher an einem Strang, besteht das Potenzial, die bestehende Lücke bis 2030 weitestgehend zu schließen und immerhin 8,5 Mio. Autos mit alternativem Antrieb zuzulassen.

»Deutschland wird künftig auch weltweit einer der wichtigsten Märkte auf dem Weg zu mehr Elektromobilität sein und eine zentrale Rolle innerhalb der Europäischen Union einnehmen«, betont Proff. »Die Industrie sollte nun die aktuelle Situation nutzen, um den Wandel noch stärker voranzutreiben. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung sind enorm – doch langfristig werden sie sich auszahlen.«

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