Für eine zukunfts-orientierte Mobilität

Fahren per Teleoperation

8. August 2022, 11:37 Uhr | Kathrin Veigel
Mira Rheinmetall Teleoperation
Der Düsseldorfer Technologiekonzern Rheinmetall tritt mit Mira im Bereich der Mobilität der Zukunft mit teleoperiertem Fahren an.
© Mira

Mira, das neugegründete Tochterunternehmen des Rheinmetall-Konzerns, ebnet den Weg zur einer automatisierten, fahrerlosen Mobilität. Möglich machen will das Düsseldorfer Start-up dies mittels Teleoperation – der Remote-Steuerung von Fahrzeugen im öffentlichen Straßenverkehr.

Mobilitätsanbindung im ländlichen Raum, hohe Verkehrsdichte in Innenstädten, nachhaltige Gütertransporte und effiziente Lieferketten stehen derzeit im öffentlichen Diskurs ganz oben. Für viele dieser akuten Herausforderungen versprechen fahrerlose Mobilitätskonzepte effektive Lösungen.

Der aktuelle technische Stand des autonomen Fahrens erfordert in zahlreichen Grenzsituationen weiterhin menschliche Interaktion. Solche sogenannten »Edge Cases« lassen sich voraussichtlich auch langfristig nur mit einer Kombination aus menschlicher und künstlicher Intelligenz lösen. Teleoperation liefert hierzu die technische Basis und ermöglicht es bereits heute, neue nachhaltige Mobilitätslösungen Wirklichkeit werden zu lassen.

Mit Teleoperation zu mehr Nachhaltigkeit, Effizienz und Produktivität

Mira will nun die räumliche Entkoppelung von Fahrer und Fahrzeug mittels Teleoperation ermöglich. Damit lässt sich ein Fahrzeug über einen Fahrstand von einem beliebigen Ort aus steuern. Visuelle Informationen der aktuellen Verkehrslage, übertragen über ein 4G/5G-Mobilfunk-Netz, erlauben es dem Fahrzeugführer, dieses Fahrzeug sicher zu operieren.

Die Teleoperations-Technik des Start-ups besteht aus einem modular aufgebauten, skalierbaren Gesamtsystem aus zertifizierter Hard- und Software, die laut Unternehmen den höchsten Anforderungen an funktionaler Sicherheit und Cyber-Security genügt.

Die Mira-Technik ist für solche Branchen und Unternehmen geeignet, die ihre Logistik- und Transportprozesse effizient und sicher optimieren wollen. Angefangen bei der Steuerung von On-Demand-Shuttles, der bedarfsgerechten Zu- und Rückführung von Sharing-Fahrzeugen bis hin zur Überwachung und Steuerung fahrerloser Fahrzeuge im Betrieb großer Flotten. Auch Betreibern kritischer Infrastruktur und öffentlichen Nahverkehrsanbietern bekommen dadurch die Grundlage für die effiziente Neugestaltung ihrer Logistik- und Mobilitätskonzepte.

Insbesondere bei zwei Anwendungsfällen bietet sich Teleoperation im öffentlichen und industriellen Verkehrsraum an:

  • Teleoperation bei selbstfahrenden (autonomen) Fahrzeugen: Der Teleoperator unterstützt ein selbstfahrendes, fahrerloses Fahrzeug im Falle eines Problems wie beispielsweise einem Systemausfall oder bei einer nicht lösbaren Fahraufgabe mittels Übernahme der Fahrzeugführungsaufgabe. Dies kann indirekt durch die Beurteilung und Freigabe einer vom Fahrzeug vorgeschlagenen Ausweichroute oder durch eine entsprechende Vorgabe durch den Teleoperator erfolgen. Falls erforderlich kann darüber hinaus auch die direkte Übernahme der Fahrzeugführung wie Lenken, Bremsen und Beschleunigen durch den Teleoperator mit anschließender Rückgabe in den automatisierten Fahrbetrieb erfolgen. Mit Teleoperation lässt sich so der gesetzlichen Forderung nach einer Technischen Aufsicht für autonom fahrende Fahrzeuge entsprechen.
  • Teleoperation von nicht-selbstfahrenden Fahrzeugen: Der Teleoperator führt ein fahrerloses Fahrzeug kontinuierlich und direkt aus einem Fahrstand heraus. Durch diese räumliche Entkoppelung von Fahrer und Fahrzeug lässt sich die Effizienz des eingesetzten Fahrpersonals bei nicht-selbstfahrenden Fahrzeugen deutlich steigern und Fahrzeuge können insbesondere über größere Entfernungen optimiert gefahren (Logistik, First-/Last-Mile) oder zugestellt werden (Mietwagen, Car-Sharing Fahrzeuge).

Pilot-Projekt im öffentlichen Straßenverkehr

Mira bietet schon heute StVZO-konforme Teleoperations-Technologie für den Einsatz in Pkw, Nutzkraftfahrzeugen und Spezialfahrzeugen an. Die Ersterprobung zur Demonstration und Evaluierung von realitätsnahen Kundengeschäftsmodellen erfolgt dabei im Düsseldorfer Industriehafen. Dieses Pilot-Projekt wird unterstützt von den Genehmigungsbehörden der Bezirksregierung, der Stadt Düsseldorf und dem TÜV Rheinland als technischem Sachverständigen. Weitere Betriebsbereiche sind bereits in Vorbereitung.


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