Einsatz von Industrierobotern

Roboter lohnen sich auch für KMUs

26. Februar 2021, 10:39 Uhr | Neil Ballinger
 EU Automation
Industrieroboter einzusetzen ist kein Privileg für Großunternehmen mehr.
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Von Industrierobotern profitieren längst nicht mehr nur Großunternehmen: Laut Robotics Industries Association (RIA) bilden Firmen mit weniger als 100 Mitarbeitern und zehn Robotern ein wachsendes Segment im Robotikmarkt. Was ist bei der Implementierung von Robotik in solchen Betrieben zu beachten?

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) bilden in Deutschland und einigen anderen hochindustrialisierten Ländern das wirtschaftliche Rückgrat. Für Roboterhersteller, die ihr Angebot anpassen und ihr Portfolio um flexible, benutzerfreundliche und kosteneffiziente Lösungen erweitern, sind KMUs ein überaus attraktiver Markt. Solche Lösungen können für kleinere Unternehmen eine echte Bereicherung darstellen, doch um sicherzugehen, dass sie auch wirklich das optimale Produkt für ihre Anforderungen und Bedürfnisse auswählen, müssen sie sich im Vorfeld die richtigen Fragen stellen.

Manche Hersteller geben dem Druck zur Digitalisierung ohne eine auf ihre spezielle Situation zugeschnittene Strategie nach. Dabei ist eine Bewertung der tatsächlichen Erfordernisse in einer Produktionsanlage der zentrale Faktor, um die richtigen Werkzeuge auswählen zu können, in die investiert werden soll. Mit welchen Herausforderungen ist ein Unternehmen konfrontiert, und ist es möglich, diese mithilfe von Industrierobotern zu überwinden? Gibt es Probleme bei der Besetzung von Arbeitsplätzen, bei denen es hauptsächlich um repetitive manuelle Aufgaben geht? Gibt es gefährliche Betriebsabläufe, die sich auf die Arbeitssicherheit auswirken? Sollen Nacht- und Wochenendschichten eingeführt werden, ohne viele Mitarbeiter nachts, samstags und sonntags beschäftigen zu müssen?

Für all diese Themen kann Robotik eine erfolgreiche Lösung bieten. Tatsächlich lassen sich Aufgaben, bei denen keine situationsabhängigen Überlegungen, Kreativität oder menschliche Geschicklichkeit erforderlich sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit automatisieren.

Kann ein KMU sich das leisten?

KMUs zeichnen sich üblicherweise durch kleine Produktionsvolumina aus, doch dank der Innovationen in der kollaborativen Robotik ist ein großes Produktionsvolumen nicht mehr Voraussetzung für die wirtschaftliche Rechtfertigung von Investitionen in Robotiklösungen. Laut dem Robotik-Zulieferer RobotWorx belaufen sich die Kosten für einen Industrieroboter üblicherweise auf 55.000 bis 90.000 Euro. Kleine und flexible Alternativen, die sich für die Produktion von Kleinserien eignen, sind jedoch für einen Bruchteil dieser Anschaffungskosten zu haben.

So hat beispielsweise das US-amerikanische Unternehmen Automata kürzlich einen in weniger als 30 Minuten programmierbaren Roboter, genannt Eva, zum Preis von nur 9000 Euro auf den Markt gebracht. Eva eignet sich, um diverse repetitive Aufgaben zu automatisieren, etwa Kommissionieren, Maschinenbeschickung sowie Sortieren und Verteilen.

Eine weitere kostengünstige Option für Kommissionieraufgaben ist der von igus entwickelte Delta Robot. Die Kosten für einen Delta Robot liegen einschließlich Integrationskosten zwischen 11.000 und 17.000 Euro. Der Amortisierungszeitraum für den Roboter liegt üblicherweise bei nur sechs Monaten.

Diese kleinen, flexiblen Roboterarme sind für die meisten Unternehmen leistbar und liefern beachtlichen Mehrwert, weil sie menschliche Mitarbeiter von ermüdenden, repetitiven Aufgaben befreien und es ihnen erlauben, sich auf Tätigkeiten zu konzentrieren, bei denen Entscheidungen getroffen und Probleme gelöst werden müssen.

Sind die nötigen technischen Kompetenzen vorhanden?

Bei KMUs ist die Annahme verbreitet, dass für die Programmierung von Robotern und zur Behebung technischer Probleme Spezialisten angestellt werden müssten. Tatsächlich bieten die meisten Roboterhersteller benutzerfreundliche Optionen an, sodass zur Einrichtung und Programmierung kein spezielles technisches Hintergrundwissen nötig ist. Eva beispielsweise lässt sich in nur 20 Minuten montieren und auf eine Aufgabe vorbereiten. Andere Roboter, wie etwa der Delta Robot, werden bereits vorab montiert geliefert und lassen sich mit nur wenigen einfachen Schritten sofort programmieren.

Darüber hinaus bieten alle Roboterhersteller und -integratoren ihren Kunden entsprechende Schulungen an. Universal Robots (UR) etwa betreibt die Universal Robots Academy, eine kostenlose Plattform für alle Nutzer seiner Cobots, unabhängig von der Unternehmensgröße, auf der die wichtigsten Programmierkompetenzen vermittelt werden.

Der Austausch von Bauteilen zur Reparatur oder maßgeschneiderten Anpassung von Robotern kann sich ebenfalls relativ einfach gestalten. Mit der Unterstützung von Zulieferern für Automatisierungsbauteile wie etwa EU Automation können Hersteller benötigte Teile in nur 24 Stunden beschaffen.

Nach wie vor gehen zu viele Unternehmen davon aus, dass Roboter für sie nicht geeignet sind, und lassen sich so die Vorteile der Automatisierung entgehen. Durch den Einsatz von Robotern können KMUs ihren Betrieb zukunftsfähig machen und profitieren außerdem von einem bedeutenden Wettbewerbsvorteil.

Neil Ballinger ist Leiter der EMEA-Region beim Automatisierungstechnik-Lieferanten EU Automation.


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