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SPE und IO-Link – gemeinsam stärker

»Die Vorteile von IO-Link für SPE nutzen«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

»SPE ... die letzten Meter bis zum Sensor?«

Das heißt, dann könnten IO-Link und SPE sich vielleicht sogar gegenseitig befruchten. Bei welchen Aspekten wäre dies eventuell sonst noch möglich, dass sie so voneinander profitieren?

Ich sehe die Zukunft so, dass es vielleicht Kombi-Master geben wird, sprich: IO-Link-Master, die sowohl IO-Link Classic als auch IO-Link Plus beherrschen werden und nach oben hin – man spricht ja auch neudeutsch von Northbound, also in Richtung SPS, IoT oder Server – die Daten einheitlich abbilden können, egal von welcher IO-Link-Variante sie kommen. Zudem kann ich mir vorstellen, dass die neuen Master Webprotokolle direkt in den Sensor durchleiten, dass ein Sensor ein zusätzliches Gesicht bekommt, also nicht nur ein IO-Link-Gesicht, sondern auch ein Web-Gesicht. Es stünde beispielsweise ein integrierter Webserver zur Verfügung, den ich dann entsprechend über einen Standard-Browser aufrufen könnte. In diesem Fall bräuchte ich dann zur Sensor-Konfiguration keine spezielle Software mehr, sondern könnte das, wie es heutzutage üblich ist, mit meinem Tablet, meinem Smartphone oder einem anderen elektronischen, mit einem Webserver ausgestatteten Gerät bewerkstelligen.

Welche Hindernisse muss SPE noch überwinden, um den „letzten Meter“ bis zum Sensor übernehmen zu können?

Es gibt bei SPE zwei Partnernetzwerke, die sich um diverse Standards kümmern. Momentan gibt es also noch nicht den einen Standard. Es gibt verschiedene Stecker- und Kommunikationsstandards, also 10 Mbit, 100 Mbit, verschiedene Kabellängen sowie die Variante APL, die den Ex-Bereich abdecken soll. All diese Varianten sind nur teilweise zu gebrauchen für IO-Link. Das heißt, wir benötigen für IO-Link einen neuen Standard, der genauso einfach zu handhaben ist und Vorteile bei der Performance schafft – im Raum stehen Übertragungsraten, die um den Faktor 10 größer sind als diejenigen, die wir heute bei IO-Link haben. Zudem wollen wir die Leitungslänge vergrößern: aktuell sind es 20 Meter, angestrebt sind mehr als 40 Meter. Aber das wird man sehen.

Entscheidend ist für uns auch, ein möglichst einfaches Kabel zu verwenden. Je spezieller das Kabel wird, desto mehr entfernen wir uns von dem Anspruch, die Automatisierungstechnik einfach zu halten. Insofern gibt es sicherlich noch Einiges zu tun, und einer der nächsten in der IO-Link-Firmengemeinschaft geplanten Schritte ist, eine technische Working Group aufzusetzen, die sich genau mit diesen Themen beschäftigt. Für uns ist es beispielsweise auch wichtig, dass wir in der Automatisierung zum Sensor hin weiterhin einen M12-Stecker haben. Generell würden wir gerne das weiterverwenden, was sich bewährt hat; in der Verbindungstechnik ist es der M12-Stecker, gegebenenfalls mit hoher Schutzart von mindestens IP67. Zu ihm gibt es, glaube ich, derzeit keine wirkliche Alternative.

Inwieweit verfolgt die Arbeitsgruppe im IO-Link-Konsortium das Ziel, die Bemühungen in den beiden SPE-Standardisierungsgremien in diese Richtung zu bringen?

Wir als ifm electronic mischen uns in diese Standardisierungen nicht ein. Es geht dabei eher um die erwähnte Northbound-Übertragung, also um die Anbindung in Richtung IT und Netzwerke, was eigentlich nicht unser Hauptthema ist. Unser Hauptthema ist momentan: Wie kann ich die unübersehbaren Vorteile von IO-Link Classic in die neue performante IO-Link-Welt hinüberretten? Und weil sich das unterhalb des IO-Link Masters abspielt, gehe ich davon aus, dass wir in Zukunft einen weiteren Standard haben werden. Was die beiden SPE-Konsortien auf dem IO-Link Master in Richtung Northbound machen, das können wir, glaube ich, nicht beeinflussen – und wollen es auch nicht. Wir müssen nur eines für unsere Kunden sicherstellen: dass sie weiterhin Feldmodule mit gut handhabbaren Steckverbindern in hoher Schutzart bekommen, die auch im Lebensmittelbereich tauglich sind.

Können Sie schon eine Prognose wagen, ab wann es in der Industrie voraussichtlich IO-Link-over-SPE-Anwendungen geben wird?

In der Marketing Working Group sind aktuell etwa 30 Unternehmen tätig. Wir arbeiten in der Gruppe derzeit geeignete Use Cases heraus. Es gibt interessante Use Cases, aber wir bewegen uns von der Performance her immer zwischen dem einfach- bis mittelperformanten IO-Link Classic und dem Feldbus. Und da zeigt sich natürlich immer wieder, welche Vorteile eine IO-Link-Performance-Erhöhung über eine SPE-Leitung letztlich brächte.

Ein ganz wichtiger Vorteil wäre, weiterhin feldbusunabhängig zu sein. Das bedeutet für unsere Endkunden, sie hätten wieder nur ein Gerät und könnten es über einen neu zu entwickelnden IO-Link Master an alle Feldbusse und Steuerungen dieser Welt ankoppeln. Das heißt, sie bräuchten nicht wieder jeden einzelnen Sensor für jeden einzelnen Feldbus zu adaptieren. Ich denke, das wäre ein riesiger Vorteil, den gerade Ausrüster zu schätzen wissen, die für unterschiedliche Märkte unterschiedliche Steuerungen einbauen müssen, wenn sie dann wenigstens sagen könnten: Die komplette Peripherie auf Basis von IO-Link ist immer gleich.

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