Tools für die vernetzte Wartung

Das PLM aus der Hosentasche

3. Juni 2022, 20:21 Uhr | Gerhard Knoch
Visualisierung einer PLM-Anwendung
Visualisierung einer PLM-Anwendung
© Procad

Für Fertiger wahren Product Lifecycle Management (PLM) und Dokumentenmanagement-System (DMS) die Übersicht über immer komplexer werdende Produkte. Die Systeme geben detaillierte Einblicke in jede Lebensphase eines Assets. Der mobile Einsatz steigert den Mehrwert im Zuge der Digitalisierung nochmals.

Besonders Servicetechniker können von mobilen PLM-Systemen und DMS profitieren: Auf einen Blick sieht ein Techniker auf dem Tablet beispielsweise alle Komponenten der Maschine, die gewartet oder repariert werden müssen, sowie Beziehungen und Abhängigkeiten der jeweiligen Teile untereinander. Diese Übersichtlichkeit vereinfacht die Arbeit und hilft dabei, sowohl die Zeit des Kunden als auch des Technikers und damit Kosten zu sparen – soweit die Theorie.

In der Praxis allerdings sind viele PLM- und DMS-Anwendungen nicht für den Einsatz auf mobilen Endgeräten optimiert, ihre Nutzung ist umständlich und kann sogar mehr Zeit in Anspruch nehmen, als sie eigentlich sparen sollte. Worauf kommt es also bei mobilen Anwendungen an?

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

Responsive Systeme

Smartphones und Tablets sind im Laufe der letzten Jahre immer leistungsstärker geworden und bieten sich vor allem in der Industrie für viele Aufgaben an, auch für PLM und DMS. Damit die Arbeit mit mobilen PLM-Produkten wirklich Zeit- und damit Kostenvorteile bringen kann, müssen diese auf die jeweiligen Endgeräte optimiert sein.

Schnelle Reparatur

Beim Wartungs- oder Reparatureinsatz gilt es, schnell die Komponenten zu finden, die gewartet oder ausgetauscht werden müssen. Deshalb sollte eine mobile PLM-Anwendung nicht nur über eine intelligente Suche verfügen, sondern auf einen Blick auch sämtliche Verbindungen und Beziehungen der gesuchten Komponenten und Baugruppen aufzeigen. Über die App lässt sich beispielsweise der Vertrag mit dem Kunden abrufen sowie die Anlagen und Services, die er betrifft.

In einer Hierarchieansicht sieht ein Mitarbeiter alle für die Baugruppen und Komponenten wichtigen Dateien, beispielsweise Dokumente, Bilder oder 3D-Modelle bzw. CAD-Dateien. Dank der leistungsfähigen Hardware, die die meisten Mobilgeräte mittlerweile haben, kann er so das Modell drehen und aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Nutzt er die Suche mithilfe einer Artikelnummer, wird nicht nur das gesuchte Teil der Maschine dargestellt, sondern alle Komponenten und Nummern, die mit ihm in Verbindung stehen.

Offline-Verfügbarkeit

Wartungstechniker mit Tablet-PC an einer Anlage
Wartungstechniker mit Tablet-PC an einer Anlage
© Procad

Bei einigen Aufgaben können Service-Mitarbeiter nicht auf einen flächendeckenden Mobilfunk oder Internetempfang vertrauen, etwa wenn eine Anlage in einem spärlich besiedelten Gebiet gewartet oder repariert werden muss. Deshalb sollten mobile Anwendungen für PLM und DMS auch ohne solche Verbindungen funktionieren können.

Einige Anbieter gewährleisten dies, indem sie in der App eine Offline-Funktion integrieren. Hiermit können Mitarbeiter, bevor sie zu ihrem Außeneinsatz fahren, alle relevanten Dokumente und Informationen offline verfügbar machen und lokal auf dem Gerät spiegeln. Ergeben sich im Laufe des Einsatzes Änderungen an diesen Daten, aktualisiert die Anwendung die älteren Daten automatisch, sobald wieder eine Verbindung zur PLM-Datenbank besteht.

Komfortfunktionen

Besonders die Stift-Unterstützung und Kamerafunktionen von Tablet-Computern bieten sich für mobile PLM-/DMS-Systeme an, um die Arbeit mit ihnen einfacher zu gestalten: Bei einem Wartungsauftrag etwa können Techniker mithilfe der Gerätekamera ein Bild von einer Komponente oder Baugruppe der Maschine machen und in das Dokumentenmanagement einpflegen. Dazu zählen auch Dokumente, die fotografiert, in das PLM eingebunden und danach bearbeitet werden können. Unterstützt das Gerät Stifteingaben, können sie nicht nur handschriftliche Markierungen und Vermerke machen, auch Abnahmeprotokolle, Schadensberichte und andere Dokumente können sie nach Abschluss des Auftrags selbst signieren und vom Kunden unterschreiben lassen.

Konfigurierbarkeit

Die Anforderungen an ein PLM unterscheiden sich von Unternehmen zu Unternehmen teilweise grundlegend. Dies trifft im Besonderen auf die mobile Anwendung zu. Nicht alle Betriebe benötigen beispielsweise ein Tool zur Projekterstellung in einer solchen App oder sie besitzen schon Anwendungen, die gut funktionieren und die beibehalten werden sollen. Deswegen sollte die PLM-/DMS-App konfigurierbar sein, um genau die Funktionen griffbereit zu haben, die im eigenen Arbeitsalltag am häufigsten in Anspruch genommen werden.

Cloud, On Premises oder Hybrid?

Gerhard Knoch, Geschäftsführer von Procad
Gerhard Knoch, Geschäftsführer von Procad
© Procad

Technische Dokumente, CAD-Zeichnungen und Bilder stellen mitunter die wertvollsten Unternehmenswerte dar. Ihr Verlust, sei es durch eine Cyberattacke oder ein Datenleck, kann zu großen finanziellen, wenn nicht gar geschäftsgefährdenden Schäden führen. Deshalb müssen Systeme, die diese Informationen verarbeiten, besondere Anforderungen an ihre Sicherheit erfüllen. Bei mobilen PLM-Anwendungen bedeutet dies beispielsweise die Nutzung der Zwei-Faktor-Authentisierung für die Registrierung und den Login in die App.

Aber auch bei den Speicherorten, an denen die Unternehmensinterna gelagert werden, sollten Entscheider bei der Wahl ihrer mobilen PLM/DMS-Anwendung ein paar Dinge beachten, besonders beim Thema Cloud. Hier sollten Unternehmen nur solche Anbieter in Erwägung ziehen, die Rechenzentren in Europa oder besser noch in Deutschland betreiben. Erfolgt eine Speicherung oder Verarbeitung von Unternehmens-Assets über die Cloud in nichteuropäischen Rechenzentren, laufen Betriebe Gefahr, Opfer von Industriespionage zu werden. Aus diesem Grund misstrauen viele Produktionsbetriebe, allen voran Mittelständler, der Cloud und setzen immer noch auf eigene, lokale On-Premises-Infrastrukturen. Der Gedanke hier ist, dass Daten im eigenen Rechenzentrum immer noch am sichersten aufgehoben sind.

Ganz unabhängig von der Frage, wo die Daten am sichersten lagern, in der Cloud, On Premises oder einem Hybridmodell aus beidem, sollte das PLM/DMS den eigenen Anforderungen entsprechen und am besten alle Betriebsmodelle unterstützen. Somit ist man als Betrieb frei, sein PLM und DMS in die Cloud zu migrieren oder im Zuge einer Repatriation zurück ins eigene Rechenzentrum zu wechseln.

Zugriffsverwaltung

Nicht nur die eigenen Mitarbeiter haben ein berechtigtes Interesse daran, auf Artikelnummer, CAD-Modelle usw. zuzugreifen. Auch Partner- und Tochterunternehmen benötigen mobilen Zugriff darauf, um produktiv arbeiten zu können.

Allerdings benötigen diese in den meisten Fällen keine Zugriffsberechtigungen für alle Assets. Deshalb sollten sie im PLM-System über spezielle Zugänge verfügen, die nur zu den Dateien führen, die sie für ihre Arbeit wirklich benötigen. Auf diese Weise verbessert sich nicht nur die Sicherheit der eigenen Unternehmenswerte, auch macht es das PLM für Partner- und Tochterunternehmen übersichtlicher.

Der Service wird günstiger

PLM und DMS werden auch in Zukunft immer wichtiger, weil auch Maschinen, Anlagen und Prozesse komplexer und digitaler werden. Zudem sind die Servicekosten hoch, und ausgebildetes Personal zur Instandhaltung hat straffe Zeitpläne, um seine Aufgaben zu erfüllen.

Aus diesen Gründen lohnt sich für Produktionsbetriebe ein Blick auf mobile Anwendungen, die Mitarbeiter hier unterstützen und ihnen genau die Informationen liefern, die sie für ihre Aufgaben benötigen. Somit gewinnen sie Zeit, die sie besser für andere Aufgaben nutzen können, und der Service wird für Kunden günstiger.

Gerhard Knoch ist Geschäftsführer von Procad.


Verwandte Artikel

PROCAD GmbH & Co. KG

Industrie 4.0