IDS Imaging Development Systems

»Wir haben USB Machine-Vision-tauglich gemacht«

19. September 2022, 10:30 Uhr | Andreas Knoll
IDS Imaging Development Systems
Der neue Stammsitz von IDS in Obersulm östlich von Heilbronn
© IDS Imaging Development Systems

Der im baden-württembergischen Obersulm ansässige Bildverarbeitungstechnik-Hersteller IDS Imaging Development Systems feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum – für Jürgen Hartmann, Gründer und Eigentümer von IDS, eine Gelegenheit, sowohl zurück als auch nach vorne zu blicken.

Markt&Technik: Was war der Anlass für die Gründung von IDS?

Jürgen Hartmann: Sich mit Bildverarbeitungslösungen selbstständig zu machen kam mir bereits Ende der 1980er-Jahre in den Sinn. Zur damaligen Zeit fiel mir auf, dass Maschinenbauer hierzulande oft kleine Software-Anpassungen für ihre Anwendungen benötigten. Eine aus meiner Sicht sinnvolle Lösung war die Entwicklung einer konfigurierbaren Software für die Bildverarbeitung. Als wir dann 1997 mit IDS als Startup begannen, kam gerade ein neuer, unglaublich guter und interessanter PCI-Chipsatz mit integriertem Video-Decoder auf den Markt – der BT848 der Firma Brooktree –, mit dem man einen kompletten Framegrabber realisieren konnte. Damit war die Idee für den Framegrabber »Falcon« geboren, der im August 1997 als unser erstes Produkt auf den Markt kam und eine echte Erfolgsgeschichte wurde.

Welches technische Konzept stand dahinter?

Beim Framegrabber Falcon handelt es sich um eine PC-Einsteckkarte mit einem einzigen Chip – quasi eine TV-Karte für die industrielle Bildverarbeitung. Mit Falcon lassen sich aus einem Standard-TV-Signal einer analogen Kamera digitale Bilder erzeugen. Der Clou: Falcon beruht auf einem Video-Decoder-Chip, den wir industrietauglich gemacht haben, weil er ursprünglich für den Consumer-Markt entwickelt wurde. Daraus entstand auch unser Leitspruch: »It’s so easy« steht für die Entwicklung von Kameras und Komponenten, die in der Anwendung möglichst einfach sind.

Was waren die ersten Produkte von IDS?

Falcon kam 1997 auf den Markt, und ein Jahr später folgte das Video Compression Board »Piranha«, das den erzeugten Bilddatenstrom gleichzeitig in ein komprimiertes Format bringen konnte. Damit war Piranha wie geschaffen für die Aufzeichnung von Videosignalen in der Security-Branche.

Was waren die wichtigsten Stationen in der technischen und wirtschaftlichen Entwicklungsgeschichte von IDS?

Nach Falcon und Piranha waren unsere Industriekameras der Serie »uEye« mit USB-Schnittstelle eine weitere wichtige Station. Mit ihnen haben wir unseren Umsatz in kurzer Zeit verdoppelt und einen entscheidenden Schritt zur Zukunftssicherung von IDS getan. Danach sind wir mit unseren »Ensenso«-Kameras ins 3D-Segment eingestiegen. Unsere neueste Innovation »IDS NXT« ließe sich wohl am besten mit »künstliche Intelligenz meets Bildverarbeitung« beschreiben. Das Besondere an diesen Geräten ist, dass sie die Hardware-beschleunigte Ausführung trainierter neuronaler Netze direkt in der Kamera ermöglichen und auch für Anwender ohne Vorkenntnisse in Machine Learning und Software-Entwicklung interessant sind.

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Jürgen Hartmann, IDS Imaging Development Systems: »KI wird unsere Branche revolutionieren und völlig neue Möglichkeiten eröffnen.«
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Welche Bedeutung hatte die Entscheidung von IDS, auf USB als Kameraschnittstelle zu setzen, für IDS und für die weitere Entwicklung des Industriekamera-Markts?

Mit unseren USB-Industriekameras haben wir die USB-Schnittstelle für den Kamerasektor erst industrietauglich gemacht. Statt der damals üblichen FireWire-Schnittstelle setzten wir als einziges Unternehmen Anfang der 2000er auf die vielversprechende PC-Universalschnittstelle – und wurden von den meisten Marktkennern dafür belächelt. Doch trotz deren Skepsis waren wir davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein.

Seit 2011 setzen wir auf den Schnittstellenstandard USB 3, der mittlerweile längst zu den Industriestandards zählt. Das ermöglicht einen höheren Datendurchsatz, wodurch auch Kameras mit größeren Sensoren bei hohen Frame-Raten eingesetzt werden können. In Zeiten zunehmender Automatisierung ist genau das unerlässlich für die meisten Industrieanwendungen. Unser Spürsinn von damals zahlt sich heute aus. Und mit Blick auf die Zukunft lässt sich sagen: USB wird kontinuierlich weiterentwickelt, was uns auch in der Industrie schnellere Übertragungsraten beschert. Mit dem USB-Type-C-Stecker setzen wir außerdem auf die neue, zukunftsgerichtete Steckervariante, die in der Lage ist, noch höhere Bandbreiten zu übertragen. Wir wollen auch die zukünftige Entwicklung des USB-Standards in unsere Produktentwicklung einfließen lassen, um daraus resultierende Vorteile an unsere Kunden weiterzugeben.

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Die Produktpalette von IDS ist mittlerweile sehr umfangreich.
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Was waren die Hintergründe der Entscheidung, für die 3D-Bildverarbeitung auf die Zusammenarbeit mit dem Entwicklungs-Unternehmen Ensenso zu setzen? Wie ist die Position von IDS/Ensenso auf dem Markt für 3D-Kameras heute?

Durch die gute Bekanntschaft zum Sohn eines Freundes wurde 3D als zukunftsfähiges Thema identifiziert, und der junge Mann wollte damit sogar seine eigene Firma aufbauen. Meine Antwort war: Dann lass es uns zusammen machen. So gründeten wir 2011 zusammen in Freiburg das Startup-Unternehmen Ensenso GmbH. Seit 2012 wachsen wir kontinuierlich international, der Sohn des Freundes leitet die GmbH, heute Optonic GmbH mit insgesamt drei Geschäftsführern.

Nach wie vor bieten 3D-Kameras ein riesiges Potenzial. Sie werden in den verschiedensten Branchen eingesetzt – von der Logistik über die Produktion bis hin zur Medizintechnik – und verhelfen nicht zuletzt der Robotik zu einem adaptiven Sehvermögen, was mehr und mehr Automatisierungslösungen ermöglicht. Und es kommen regelmäßig neue Anwendungsfelder hinzu. Durch die Zusammenarbeit mit Ensenso haben wir in all diesen Bereichen eine führende Rolle erlangt.


  1. »Wir haben USB Machine-Vision-tauglich gemacht«
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