Kostengünstiger fertigen als in China Gedruckte Elektronik für transparente Touch-Sensoren

Dominik Wicke, PolyIC: »Mit unserem speziellen Rolle-zu-Rolle-Verfahren können wir in hohen Stückzahlen transparente PolyTC-Sensorfolien drucken und sogar in China kostengünstiger anbieten als chinesische Unternehmen.«
Dominik Wicke, PolyIC: »Mit unserem speziellen Rolle-zu-Rolle-Verfahren können wir in hohen Stückzahlen transparente PolyTC-Sensorfolien drucken und sogar in China kostengünstiger anbieten als chinesische Unternehmen.«

Der Durchbruch ist geschafft: PolyIC beliefert den Weltmarkt und kann selbst in China wettbewerbsfähig anbieten – mit einer Fertigung in Fürth.

Seit zwei Jahren liefert PolyIC nun in hohen Stückzahlen Sensorfolien für Touch-Screen-Displays, die vor allem in Hausgeräten Einsatz finden – an Hersteller rund um die Welt. Jetzt freut sich Dominik Wicke, Product Management PolyTC von PolyIC, auf die zweite Wachstumswelle, die gerade anläuft: »Dieses Jahr steht im Zeichen der Automobilindustrie, sie wird uns weiter schnell wachsen lassen.«
Das Geheimnis des Erfolgs: Eine ganz besondere Technik, die ihren Ursprung in der ersten Phase rund um die organische und gedruckte Elektronik hatte. Als Spin-off von Siemens gestartet, hatte sich das Unternehmen zunächst der Fertigung von RFID-Tags auf Basis organischer Elektronik verschrieben. Als der Erfolg ausblieb, strukturierte das Unternehmen radikal um. Der Heißpräge- und Beschichtungsspezialist Leonhard Kurz stieg als Investor ein, zu dem PolyIC inzwischen zu 100 Prozent gehört.

Die neue Strategie bestand darin, sich auf eine in der Pionierzeit entstandene Technik zu konzentrieren und sie weiter zu entwickeln: Der Druck von Metall-Meshs auf transparente Plastikfolien. Das Besondere: Die Leiterbahnen auf Basis eines Silbermaterials sind unter 10 µm breit. Damit sind sie dünn genug, dass auch die bedruckte Sensor-Folie transparent erscheint. Bis zu dem Zeitpunkt, als PoyIC dies auf Plastikfolien im Rolle-zu-Rolle-Verfahren realisiert hat, konnten die Leiterbahnen nicht so fein abgeschieden werden, den resultierenden Folien mangelte es an Transparenz, weshalb sie für Anwendungen wie Touchscreens nicht infrage kamen. Ein weiterer Vorteil: Die Silbermaterialien leiten den Strom um den Faktor 4 besser als das häufig verwendete ITO (Indium-Tin-Oxide), das zudem spröde ist und deshalb für gebogene Flächen wenig geeignet.

»Inzwischen kann PolyIC auf eine reichhaltige Erfahrung zurückblicken. Das Unternehmen hat sich seit 2010 ausschließlich darauf konzentriert, Folien im Rolle-zu-Rolle-Verfahren mit dem Metallgitter zu beschichten, die die Displays zu Touchscreens machen«, so Wicke. »Und das mithilfe eines Rolle-zu-Rolle-Verfahrens; wir sind, soviel ich weiß, die einzigen, die auf diese Produktionstechnik setzen.« Einer der großen Vorteile des Rolle-zu-Rolle-Verfahrens: »Unsere Folien lassen sich bis zu einem Radius von 1,5 mm biegen. Selbst diese Limitierung liegt am PET-Material, das bei starken Biegungen mit Trübungen reagiert, nicht an den Leiterbahnen selber.«

Weil die Metall-Mesh-Folien zudem eine hohe Leitfähigkeit aufweisen, arbeiten die darauf basierenden Tochscreens und Bedienelemente sehr genau und störungsfrei, sie lassen sich unter dicken Blenden platzieren und der für ITO-Folien erforderliche aufwändige Abgleich während der Produktion kann ebenfalls entfallen.

Allerdings gibt es neben den auf ITO basierenden Prozessen derzeit weitere Alternativen auf Basis von Batch-Verfahren. Doch auch aus dieser Richtung sieht Wicke keinen wirklichen Wettbewerb: »Dieses Verfahren ist zwar flexibel, doch in Stückzahlen und Größe begrenzt – die Hersteller zielen damit nicht auf die hochvolumigen Märkte wie wir ab, deshalb kommen wir uns kaum ins Gehege. Für die Märkte, auf die wir abzielen, bieten wir derzeit die einzige sinnvolle Alternative.«