Internet aus dem Weltall OneWeb stellt Insolvenzantrag

Ein Satellit von OneWeb Satellites.
Ein Satellit von OneWeb Satellites.

OneWeb Satellites, das über Minisatelliten IoT-Geräte vom Weltall aus vernetzen will, hat in den USA Gläubigerschutz angemeldet.

Das Netz von OneWeb Satellites, einem Joint-Venture zwischen Airbus und OneWeb, sollte aus 900 Satelliten zu je 150 kg bestehen, die die Erde in niedriger Umlaufbahn umrunden und für eine weltumspannende Internet-Versorgung aus dem All sorgen. Jetzt sucht das Unternehmen in einem US-Insolvenzverfahren Schutz vor ihren Gläubigern. Angestrebt werde ein Verkauf des Unternehmens, wie OneWeb mitteilte. Unter den Gläubigern ist auch der europäische Trägerraketen-Spezialist Arianespace, dem OneWeb laut Insolvenzantrag gut 238 Mio. Dollar schuldet.

Satelliten-Netze zur Internet-Versorgung bauen derzeit auch Boeing, SpaceX (Starlink), Amazon (Kuiper) und Telesat auf.

OneWeb brachte bisher 74 Satelliten ins All und stellte die Hälfte der benötigten 44 Bodenstationen fertig. Für einen weltweiten Dienst müssten aber noch mehrere hundert Satelliten in die Umlaufbahn geschossen werden. Schon 2018 hatte OneWeb Satellites die Zahl der Satelliten auf 600 begrenzt, um Kosten zu sparen. Produziert werden sie in Toulouse und in der Nähe des Kennedy-Space-Center in Florida, wo in Zusammenarbeit mit Airbus eine eigene Fabrik errichtet wurde.

Während herkömmliche Satelliten mehrere 10 Millionen Dollar kosten und Jahre für ihren Bau benötigen, wird OneWeb Satellites einen Satelliten für nur 10 Prozent der Koste fertigen und jeden Tag einen neuen herstellen können, wie auf der Website des Unternehmens zu lesen ist. Rund 1 Mio. Dollar müssen pro Satellit veranschlagt werden. Im Mai 2019 erreichte der erste Satellit seine Umlaufbahn. Eine Rakete kann 30 von ihnen befördern. Ende 2021 sollten alle erforderlichen Satelliten in ihre Umlaufbahnen gebracht worden sein.

Anscheinend haben OneWeb Satellites die Schwierigkeiten, in denen sich Softbank befindet, in die Insolvenz getrieben. Zwar konnte OneWeb Satellites im vergangenen Jahr noch eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,25 Mrd. Dollar erfolgreich abschließen, an der neben Softbank die mexikanische Salinas-Gruppe, Qualcomm und die Regierung von Ruanda beteiligt waren. Die jetzt anstehende Finanzierungsrunde ist aber gescheitert. Vor allem, weil Softbank sich wegen sinkender Aktienkurse und Druck von Investoren von Beteiligungen im Wert von 41 Mrd. Dollar trennen muss. OneWeb erklärte, man sei kurz davor gewesen, eine neue Finanzierung zu bekommen, das Verfahren sei aber von der Coronavirus-Krise torpediert worden.

Insgesamt sind bisher 3,4 Mrd. Dollar in das Unternehmen geflossen. Zu den Investoren gehören Virgin Group, Coca Cola, Airbus, Intelsat, EchoStar (Hughes Communications) und die indische Bharti Enterprises.