Simulation für alle - Uni geht neue Wege Einmal das Stromnetz kontrollieren

Prof. Dr.-Ing. Martin Wolter in der modernen Leitwarte zur Überwachung und Steuerung europäischer Energienetze an der Universität Magdeburg, die künftig Besuchern offenstehen wird.
Prof. Dr.-Ing. Martin Wolter in der modernen Leitwarte zur Überwachung und Steuerung europäischer Energienetze an der Universität Magdeburg.

Was tun, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht, wenn eine Windfront über das Land zieht? An der Uni Magdeburg kann das ab sofort jeder ausprobieren. Die Elektrotechnik-Fakultät erklärte ein entsprechendes Forschungsgerät am Dienstag zu einem «begehbaren Ort» und hofft so auf mehr Studienanfänger.

Nach vorheriger Anmeldung können Besuchergruppen die Simulation selbst ausprobieren. Das Interesse sei da, sagte Martin Wolter, Professor am Institut für Elektrische Energiesysteme. Bereits für diesen Mittwoch sei die erste Gruppe angemeldet.

Die Forscher wollen ihre Arbeit erklären, aber auch zeigen, wie tagtäglich dafür gesorgt wird, dass das Stromnetz nicht wegen Überlastung zusammenbricht. Dabei hilft die wandfüllende Simulation einer Leitwarte. Darauf sind die Stromleitungen in Ostdeutschland dargestellt sowie die Energiequellen von Kraftwerk bis Windrad. In verschiedenen Szenarien kann geübt werden, wie das Netz auch dann stabil bleibt, wenn plötzlich eine Windfront über die Region zieht oder die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist.

Die von Wolters Team entwickelte Software namens MatLab macht Vorschläge, wie sich der überschüssige Strom anders im Netz verteilen oder wo sich die Stromerzeugung drosseln lässt. Jeder Eingriff in die Stromerzeugung verursacht im echten Leben Kosten. Die Projektion ist eine exakte Nachbildung der Originalnetze und die Forscher bauen sie ständig aus, wie Wolter sagte. Studierende der Elektrotechnik üben am Gerät - mit fortgeschrittener Ausbildung arbeiten sie an der Weiterentwicklung der Software mit.

Mit der Öffnung als «begehbarer Ort» hofft Wolter auf einen weiteren Effekt: Von Schulen bis Kegelclubs könne sich jeder anmelden. «Aber wenn ein Schüler dabei ist, der das spannend findet und dann Elektrotechnik studieren will, dann haben wir viel gewonnen.»