Iron Eagle Der Supercomputer für Mittelständler

Rechenleistung zu einem Bruchteil des Preises anbieten, den große IT-Unternehmen verlangen: Die Blockchain macht‘s möglich.

Das ist die Idee der Gründer von Iron Eagle Capital: Privatpersonen und Firmen können Computer, die über Nacht, übers Wochenende oder zu sonstigen Zeitpunkten ungenutzt bleiben, ihrer nuco.cloud zur Verfügung stellen, um ihre Rechenleistung durch dritte nutzen zu lassen. Dafür könnten sie Geld bekommen. Umgekehrt erhalten beispielsweise Mittelständler die Rechenleistung, die sie dringend benötigen, on demand und zu erschwinglichen Kosten. Wie aber können sie auf diese brach liegenden Rechenkapazitäten zugreifen? Genau diese Vermittlerrolle zu übernehmen, einen virtuellen Supercomputer zur Verfügung zu stellen, das ist die Geschäftsidee, die hinter der nuco.cloud steht.

Wie Firmengründer Tobias Adler im Gespräch mit Markt&Technik erklärte, gibt es bereits seit längerem ein Projekt, das ihn inspiriert hat und das zumindest in Astronomiekreisen bekannt ist: SETI@HOME. SETI steht für Search for Extraterrestrial Intelligence. Dafür stellen Privatpersonen ihre Computer zur Verfügung, um auf ihnen Daten analysieren zu lassen. Ziel ist es zu erkennen, ob uns im elektromagnetischen Spektrum Nachrichten von intelligenten Lebensformen aus dem All erreichen.

Die zugrunde liegende Plattform, die es gestattet, solche Aufgaben auf vielen verteilten Rechnern durchzuführen, hat die Universität Berkeley entwickelt: Berkeley Open Infrastructure für Network Computing (BOINC). Auf Basis von BOINC will die Iron Eagle Capital eine Rechen-Cloud erstellen. Dabei ist zu beachten, dass die Berkeley University mit BOINC keinen Gewinn machen darf. Die Iron Eagle Capital konzipiert die Rechen-Cloud ebenfalls als Open Source Projekt. Die IT-Firma New Direction aus Neusäß wird die Cloud entsprechend programmieren, die die Iron Eagle Capital auf den Namen nuco.cloud getauft hat, die Kurzform von lateinisch »Nubes Computatrum«, auf Deutsch einfach Wolkencomputer oder auf englisch cloud computer.

Der Kern der nuco.cloud besteht darin, die Aufgaben, die die Kunden berechnet haben wollen, in einzelne Datencontainer zu verpacken und an die Rechenleistungsgeber (Miner) zu verteilen und dort berechnen zu lassen. Die Miner wissen nicht, was gerade berechnet wird und welches Rechenprojekt sie gerade unterstützen, zudem sind die Inhalte verschlüsselt. Die Abwicklung der Bezahlung über eine eigene Version der Gridcoin Blockchain sorgt dafür, dass dies entsprechend fair und transparent abläuft. Die nuco.cloud verteilt also Angebot und Nachfrage nach Rechenleistung autonom an die verschiedenen Miner des Netzwerkes. Die Miner erhalten ihre NUCOs (der Token der nuco.cloud) zum einen sowohl von den Nutzern der nuco.cloud sowie die gleiche Menge aus der nuco.cloud direkt. Iron Eagle bekommt davon 20% der von den Nutzern zu bezahlenden und von den Minern geschürften NUCOs, die Miner 70% und 10% werden für wissenschaftliche Projekte gespendet, die damit wieder Rechenleistung in der nuco.cloud kostenlos anmieten können. Die NUCOs dienen also innerhalb der nuco.cloud zum Erwerb von Rechenleistung. Wie viele NUCOs genau für welche Rechenleistung zu bezahlen sind, steht im Moment noch nicht fest.

Doch warum sollte das für ernsthafte Anwender, die Berechnungen für ihre Produktion, für ihre Konstruktionen oder ihren jeweiligen sonstigen Aufgaben  durchführen müssen, interessant sein? Ganz einfach, weil es bisher gelinde gesagt ziemlich teuer ist, Rechenleistung bei den großen, bekannten IT-Firmen einzukaufen, wie Tobias Adler erklärt: »100 Tera-FLOPS kosten laut einer Auswertung von Berkeley bei Amazon für 1 Jahr 175 Mio. Dollar, bei BOINC sind dafür nur 125.000 Dollar aufzubringen, weil die Miner bei BOINC ehrenamtlich arbeiten. Da die User unsere Miner bezahlen wird unser Preis folglich höher sein, unser Ziel ist jedoch bei ca. 10% der Kosten von Amazon herauszukommen.«