Alexander Everke, CEO von ams »Was wir heute entwickeln, wird auch in 15 Jahren gebraucht«

Alexander Everke, CEO von ams: »Auch wenn wir uns von der allgemeinen Konjunkturentwicklung nicht abkoppeln können, wollen wir unser Wachstum und unseren Erfolg weitgehend selber bestimmen. Mit der Konzentration auf die Sensortechnik gelingt das.«

Mit der Konzentration auf Sensoren ist ams schneller als der Wettbewerber gewachsen. Warum sich das langfristig fortsetzt, erklärt Alexander Everke, CEO von ams, im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Dieses Jahr hat einen Strategiewechsel innerhalb von ams gebracht: Das Unternehmen hat die vierte Säule – die Umweltsensorik – auf einen Fokusbereich reduziert. Warum der Sinneswandel?

Alexander Everke: Die Umweltsensoren sind im Consumer-Bereich nicht so stark gewachsen, wie wir das ursprünglich gedacht hatten. Darauf haben wir sofort reagiert und halten es für sinnvoll, uns künftig auf die drei Sektoren optische Sensorik, Imaging und Audio zu konzentrieren.

Das war also keine Reaktion auf einen allgemeinen Abschwung, für den es in der Halbleiterbranche einige Anzeichen gibt?

Der Speichermarkt ist stark zyklisch geprägt, hier geht es gerade mal wieder abwärts. Das gilt für andere Marktsektoren nicht in dem Maße und schon gar nicht für die Sensoren, auf die wir uns ausschließlich konzentrieren. Doch werden wir uns der globalen Konjunkturentwicklung nicht entziehen können. Deshalb konzentrieren wir uns auf das, was wir tatsächlich beeinflussen können. Unsere Strategie, uns auf wachstumsträchtige Sensormärkte zu konzentrieren, ist das wesentliche Element dabei. Wenn wir uns strikt daran halten, schnell reagieren und umsetzen, können wir sehr wohl unser Wachstum bestimmen, wie gerade das Beispiel der Umweltsensoren zeigt.

Was ändert sich konkret?

Wir konzentrieren uns in diesem Sektor künftig auf spezielle erfolgversprechende Projekte. Wir messen diesem Sektor immer noch eine hohe Bedeutung zu, besonders in Kombination mit den anderen Sensorsäulen. Für sich allein genommen hätten die Umweltsensoren aber in den kommenden Jahren nicht so viel zum Wachstum beitragen können, wie wir ursprünglich dachten. Also mussten wir handeln und stecken die Ressourcen in die Sektoren, die ein höheres ROI versprechen.

Über mangelndes Wachstum kann sich ams über die vergangenen Jahre nicht beschweren. In dritten Quartal 2018 waren es gegenüber dem vorausgegangenen sogar 92 Prozent. Das kann wohl kaum so weitergehen.

Von 2016 bis 2019 kommen wir auf durchschnittlich 60 Prozent plus pro Jahr. Auch 2019 werden wir auf jeden Fall stärker zulegen als die anderen Halbleiterhersteller.

Was macht Sie so sicher?

Wiederum unsere Strategie: In fünf bis zehn Jahren werden die optischen Sensoren den Markt dominieren. Wir sind schon jetzt die Nummer 1 in diesem Sektor.

Können Sie ein Beispiel dazu nennen?

Akustische Mikrofone. Da werden Sie spontan nicht an Optik denken, denn die Membranauslenkungen, die der Schall im MEMS-Mikrofonen verursacht, nimmt ein herkömmlicher Sensor über Kapazitätsänderungen auf. Wir können die Membranauslenkung jetzt über ein optisches Verfahren messen, was viele technische Vorteile mit sich bringt; vor allem ist die Messung viel genauer als über das kapazitive Verfahren.

Wann werden die optischen Mikrofone auf den Markt kommen?

Wir befinden uns in der Entwicklungsphase, aber das ist genau unsere Stärke: Wir wissen, wie es geht. Und anschließend kommt uns der Markt entgegen, nicht zufällig, sondern weil wir genau analysiert haben, dass dieser Sektor langfristig wächst. Das gilt für die Entwicklungen innerhalb aller drei Säulen.