Insolvenzen steigen weltweit Zombie-Sterben in China erwartet

Ende der fetten Jahre und des leichten Geldes: Die Exportrisiken nehmen 2019 deutlich zu. Global erwartet der Kreditversicherer Euler Hermes 2019 rund 6 % mehr Insolvenzen als im vergangenen Jahr.

Zu diesem Schluss kommt die Allianz-Tochter in ihrer aktuellen Insolvenzstudie. Die rote Laterne geht dabei erneut an China: Dort erwarten die Volkswirte für 2019 eine weitere Pleitewelle und einen Anstieg der Fälle um 20 % – nach einem bereits massiven Anstieg um rund 60 % im vergangenen Jahr. In China haben die Staats- und teilweise auch Regionalregierungen Unternehmen jahrelang mit Krediten fast zum Nulltarif künstlich als sogenannte Zombie-Unternehmen am Leben erhalten. Seit einigen Jahren hat sich der Fokus der chinesischen Regierung verschoben. Sie hat sich einen gezielten Strukturwandel zum Ziel gesetzt und will weg vom Image des Billig-Produktionslandes, hin zu einer vom Dienstleistungssektor geprägten Wirtschaft. Das bedeutet: Viele Branchen, die in der Vergangenheit gefördert wurden, stehen nun nicht mehr im strategischen Fokus des Staats – und die Regierung hat keine Angst mehr, diese pleitegehen zu lassen. »Das Zombie-Sterben ist in China im vollen Gange«, unterstreicht Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Er verweist dabei auf Chinas Pleitezahlen: Lag der Zuwachs bei den Insolvenzen 2016 noch bei 11 %, waren es 2017 zusätzliche 74 % und 2018 vermutlich nochmals 60 % mehr. Auch 2019 wird sich dieser Trend nach Ansicht von Ron van het Hof mit voraussichtlich etwa 20 % mehr Pleiten weiter fortsetzen.

Zombie-Unternehmen auch in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es van het Hof zufolge überraschend viele unprofitable „Zombie-Unternehmen“. »Das Vorkommen ist zwar mit China absolut nicht vergleichbar, aber trotzdem sind scheintote Unternehmen nicht nur ein Exportrisiko, sondern auch hierzulande ein Problem für Lieferanten, das sie besser im Auge behalten sollten«, erklärt der CEO in seinem Blog. Der Grund ist das billige Geld. Das Niedrigzinsumfeld führt dazu, dass Zombies nicht vom Markt verschwinden. Sie retten sich dadurch gerade so, binden Kapital und Arbeitskräfte – und bündeln Risiken. »Unter „normalen“ Bedingungen wären sie vermutlich schon vom Markt verschwunden. Die Frage ist allerdings: Wie lange noch, wenn die Zinsen wieder anziehen und das Wirtschaftswachstum an Dynamik verliert?«, so van het Hof weiter.
Deutschland liegt mit einer Stagnation der Fallzahlen 2019 aber weiterhin gegen den Insolvenz-Trend, zusammen mit den USA und den Niederlanden, die beide 2019 voraussichtlich ebenfalls gleichbleibende Fallzahlen verzeichnen. Zu den „Klassenbesten“ gehören zudem Brasilien (–6 %), Griechenland (–6 %), die Tschechische Republik (–10 %) und Ungarn (–11 %). Auch Kolumbien (–10 %), Portugal, Irland und Litauen (alle jeweils –5 %) verzeichnen sinkende Fallzahlen. Allerdings sind die Pleitezahlen dort weiterhin auf einem historisch jeweils sehr hohen Niveau.

»Deutschland und die Niederlande stehen in Europa zwar gut da, aber auch hier zeigt sich die Trendwende langsam«, so van het Hof. »Nach Jahren der rückläufigen Fallzahlen stagnieren die Pleiten erstmals. Die durchschnittlichen Schäden durch Insolvenzen haben sich in den letzten Jahren allerdings bereits verdoppelt. Zudem sind deutsche Unternehmen aufgrund ihrer starken Exportorientierung von den weltweit steigenden Pleitezahlen besonders betroffen. Bei erneuten Spannungen und Handelskonflikten gehören sie ebenfalls zu den größten Verlierern, insbesondere in der Automobilindustrie.« Ein großer Teil der deutschen Ausfuhren geht in andere europäische Länder – doch auch bei den vermeintlich sicheren Nachbarn steigen Kreditrisiken an, allen voran in Großbritannien.