Elektronikfertigung in China Trau schau wem!

Die Globalisierung beeinflusst unsere Lieferketten, es wird immer einfacher Aufträge und Lagerbestände von A nach B zu verschieben. Aber Globalisierung bedeutet auch steigende Intransparenz und Kontrollverlust. Ein Kommentar.

Die dramatischen Auswirkungen dieses Kontrollverlustes zeigten sich jüngst in einer Meldung des Finanznachrichtendienstes Bloomberg, wonach über die Fertigung in China Spionage-Chips in die Hardware einfließen, über die sich Firmen und ganze Industriezweige bequem ausspähen lassen.

Bloomberg nennt namentlich als von der Spionage Betroffene die Konzerne Apple und Amazon. Beide Firmen dementieren dies zwar vehement. Der Stein ist aber ins Rollen gekommen und die Diskussion angeheizt. Und unabhängig vom Wahrheitsgehalt der Bloomberg-Enthüllung halten Experten das Szenario für möglich. Allein das sollte die Alarmglocken schrillen lassen.
Tut es auch. Erste Stimmen auch aus der deutschen Politik haben sich bereits zu Wort gemeldet und fordern eine schonungslose Analyse der Gefährdungslage. Mit der Analyse allein wird es nicht getan sein. Wer sicher sein will, dass er die Kontrolle über seine Fertigung in der Hand hat, sollte nicht (nur) analysieren, sondern handeln und seine Lieferkette(n) sehr genau unter die Lupe nehmen: Wo wird gefertigt und vor allem von wem wird gefertigt? Dabei muss sicher sehr genau differenziert und sauber getrennt werden. Pauschal-Parolen, wonach die Lieferkette nun komplett aus China nach Mexiko verlagert werden müsse, sind schlichtweg Unfug. Fernost ist nicht gleich Fernost und China ist nicht gleich China. Deutsche und europäische Fertigungs- bzw. EMS-Unternehmen, die unter eigener Flagge in eigenen Fabriken in Fernost und China produzieren, setzen alles daran, die Sicherheit in ihren Werken durch europäische Standards zu gewährleisten, und scheuen dabei in vielen Fällen keine Kosten und Mühen.

Wer seine Produkte in China verkaufen will, wird nicht umhin kommen, auch dort zu produzieren. Die strikten Regularien der Volksrepublik geben da momentan wenig Spielraum. Aber wer die jetzt viel geforderte Kontrolle über die Lieferkette (zurück-) erhalten will, sollte den einen oder anderen Cent mehr investieren und auf originär europäische Auftragsfertiger setzen. Viele von ihnen bieten inzwischen auch eine Fertigung in China an.

Vertrauen ist gut. Aber Kontrolle ist besser!