Einkaufsmanager-Index stürtzt ab Industrieproduktion steht auf rot

Der Abschwung des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland hält an. Das zeigen die Umfrage-Ergebnisse zum IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI). Nach 43,2 im Juli rutschte der PMI aktuell noch tiefer in den roten Bereich.

Gleichzeitig liegt der wichtige Frühindikator für die Industrieproduktion der größten Volkswirtschaft Europas bereits den achten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Zählern. Angaben des englischen Finanzdienstleisters IHS Markit zufolge habe der erneut kräftige Rückgang der Neuaufträge viele Unternehmen veranlasst, ihre Produktion weiter zu drosseln und abermals beim Personal zu kürzen.

„Der deutschen Industrie ist es auch im August nicht gelungen, ihre seit Jahresbeginn anhaltende Talfahrt zu stoppen. Das belegen die aktuellen EMI-Daten“, sagte Dr. Silvius Grobosch, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Donnerstag in Eschborn. Bedenkenswert sei zudem die Negativentwicklung des Teilindex Jahresausblick, der mit 39,1 (Juli: 43,2) Punkten regelrecht abgestürzt sei.

„Laut EMI ist die Stimmung in der deutschen Industrie weiterhin mau. Sowohl der Handelskrieg zwischen den USA und China als auch die strukturellen Veränderungen in Deutschland machen den Industriesektoren zu schaffen“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Donnerstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Standortfragen, Steuerbelastungen, Regulierung, Zukunftsperspektiven – dies alles sei mit einem Fragezeichen versehen. „Die Industrie ist in der Rezession. Dank der stabilen Dienstleistungen besteht die Chance, dass die Gesamtwirtschaft von einer Rezession verschont bleibt“, teilte die Helaba-Bankdirektorin dem BME abschließend mit.

„Die Unsicherheiten aufgrund des weiterhin unklaren Brexits und der globalen Handelskonflikte sorgen für Investitionszurückhaltung bei den Unternehmen. Das spüren die Zulieferer aus Deutschland derzeit deutlich in ihren Auftragsbüchern“, teilte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Kevin Heidenreich am Donnerstag dem BME mit. Die Abkühlung der Weltwirtschaft schlage damit direkt auf die Konjunktur in Deutschland durch. Aber auch die Herausforderungen hierzulande seien zahlreich: „Die Unternehmen geraten am Standort Deutschland zum Beispiel wegen der Belastung mit Steuern und Bürokratie immer mehr unter Druck. All das sorgt für schlechtere Geschäftsaussichten der deutschen Unternehmen“, so Heidenreich weiter.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise sagte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Donnerstag dem BME: „Die meisten Rohstoffnotierungen gaben im Verlauf des Augusts infolge des sich verschärfenden Handelskrieges zwischen den USA und China nach. Eine Ausnahme stellte der globale Nickelmarkt dar. Dieser stand zuletzt im Zeichen der Ankündigung der indonesischen Regierung vom 30. August 2019, ab 1. Januar 2020 keine Erze mit einem Reinmetallgehalt unter 1,7 Prozent mehr zu exportieren.“ Damit werde die Ausfuhr erheblich zurückgehen, was vor allem China treffe, das 2020 auf jeden Fall ein Angebotsdefizit aufweisen werde. „Der globale Nickelmarkt wird sogar schon 2019 ein Angebotsdefizit aufweisen. Daher hat der Nickelpreis Steigerungspotenzial, das sich über Legierungszuschläge auch auf die Preise für rostfreien Stahl auswirken kann“, so Büchner abschließend.