Renault – Fiat-Chrysler Merger geplatzt

Jean-Dominique Senard, Präsident von Renault, will die Wogen in Japan nach der Ghosn-Affäre glätten.
Rückschlag für Jean-Dominique Senard, Präsident von Renault: Der Merger zwischen Renault und Fiat-Chrysler findet nach einer turbulenten Nachtsituzng nicht statt.

Fiat Chrysler (FCA) hat sein Merger-Angebot zurückgezogen, nachdem sich Renault gestern im Board-Meeting nicht zu einer positiven Entscheidung durchringen konnte.

Renault ließ verlauten, dass die Vertreter des französischen Staates – der mit 15 Prozent an Renault beteiligt ist – in der Verwaltungsratssitzung die Abstimmung darüber verschieben wollten. Die Vertreter hatten sich gestern zweimal innerhalb 24 Stunden zusammengesetzt, die letzte Sitzung dauerte bis Mitternacht.  Eine Entscheidung gab es am Ende nicht, die Regierungsseite verlangte laut der französischen Zeitung »Le Figaro« mehr Zeit, um mit Nissan verhandeln zu können. Ein Merger wäre aus Sicht des Staates nur sinnvoll gewesen, wenn er die Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi gestärkt hätte.

Fiat Chrysler reagierte sofort und erklärte, dass die politischen Rahmenbedingungen für einen  Merger offenbar nicht gegeben seien. Damit sei der Merger geplatzt. Aus dem französischen Wirtschaftsministerium war zu hören, dass FCA von Anfang an enormen Zeitdruck aufgebaut habe. Der plötzliche Rückzug in diesem Stadium sei nur schwer verständlich.

Von einem »verrückten Abend, an dem alle schief ging«, spricht »Le Figaro«. Heute sei Renault mit einem Kater aufgewacht. Die Allianz mit Renault stehe mehr denn je auf dem Spiel. Auch für Jean-Dominique Senard, als Chef von Renault Nachfolger von Carlos Ghosn, der sich stark für den Merger engagiert hatte, bedeutet dies einen herben Rückschlag.

Wirtschaftsminister Bruno Le Maire bricht am Wochenende nach Tokio auf. Dort, so hatte er gehofft, hätte er die japanische Seite von den positiven Auswirkungen des Mergers überzeugen können. Jedenfalls wollten sich die Vertreter des Staates nicht von FCA unter Zeitdruck setzen lassen.

Der CEO von Nissan, Hiroto Saikawa, erklärte in Tokio, nicht zu wissen, was gerade der Stand der Dinge sei, er habe keine formale Mitteilung erhalten. Angeblich hätten sich die Nissan-Vertreter im Meeting der Stimme enthalten, während ein Gewerkschaftsvertreter dagegen gestimmt habe.

Aus Sicht von Nissan hätte ein Merger zwischen FCA und Renault die Verhältnisse in der Allianz geändert, einfach, weil Renault nach dem Merger nicht mehr die selber Firma gewesen wäre. Nissan sah sich wohl durch die Merger-Ankündigung überrumpelt, regiert verhalten und meinte, es wäre einige Zeit erforderlich, um die Konsequenzen wirklich beurteilen zu können.