Schwerpunkte

Waldbrände früh erkennen

Die Natur über digitalisierte Wälder schützen

07. Oktober 2020, 08:27 Uhr   |  Heinz Arnold

Die Natur über digitalisierte Wälder schützen
© Dryad Networks

Ein Sensor von Dryad Networks.

Ein Mesh-LoRaWAN-Netz erkennt in großen und entlegenen Wäldern Brände schon sehr früh – und bewahrt die CO2-Speicher.

Das System von Dryad Networks kann über ein Netzwerk von Sensoren Waldbrände in weniger als 60 Minuten überall auf der Welt aufspüren.
»Solarbetriebene, verteilte IoT-Mesh-Netzwerks können riesige Waldflächen überwachen, in denen es keine Mobilfunkabdeckung gibt. Das eröffnet neue Möglichkeiten für das Monitoring  und die Verwaltung von Wäldern«, sagt Carsten Brinkschulte, der Dryad Networks zusammen mit Marco Bönig gegründet hat.

Damit lassen sich die verheerenden Auswirkungen von Waldbränden auf Umwelt, Tierwelt und Kommunen effektiv bekämpfen. Denn dann sind Feuerwehrkräfte in der Lage, Waldbrände zu löschen, noch bevor sie sich unkontrolliert ausbreiten. Herkömmliche, kamera- und satellitengestützte Systeme benötigen hierfür meist mehrere Stunden oder sogar Tage. Denn die Rauchsäulen müssen sich erst einmal so weit entwickelt haben, dass sie aus großer Entfernung erkannt werden können.

Darüber hinaus unterstützt das System die nachhaltige Waldbewirtschaftung, weil die Waldbesitzer Einblicke in den Gesundheitszustand, das Mikroklima und das Wachstum ihrer Wälder erhalten. Dies hilft ihnen gleichzeitig, ihre Bestände effizienter und profitabler als bisher zu bewirtschaften.

Auf die Idee, ein drahtloses IoT-Netzwerk zu entwickeln, kamen die Gründer von Dryad, im vergangenen Jahr, als verheerende Brände im Amazonas-Regenwald wüteten. Diese Katastrophe erzeugte 7,8 Mrd. Tonnen CO2 – fast 20 Prozent der jährlichen weltweiten Emissionen aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe – und griff gleichzeitig einen der wichtigsten CO2-Speicher des Planeten an. Im Mai 2020 testete das Dryad-Team eine erste Version des Produkts in einem Wald in Deutschland und hat seitdem bereits zehn Absichtserklärungen von Waldbesitzern in Deutschland und Afrika erhalten.

Das System umfasst:

  • Solarbetriebene Sensoren, die KI verwenden, um Gase, die bei Waldbränden in der Schwelphase freigesetzt werden, sowie Temperatur, Feuchtigkeit und Luftdruck zu erkennen.
  • Gateways mit der zum Patent angemeldeten verteilten Mesh-Netzwerkarchitektur von Dryad, die den offenen LoRaWAN-Standards für IoT-Funknetzwerke mit hoher Reichweite erweitert.
  • Ein Cloudbasiertes Dashboard zur Analyse und Überwachung einer breiten Palette von Indikatoren und zur Alarmierung der Forstverwalter.

Multi-Hop-Mesh-Netzwerk für große Reichweite

Herkömmliche LoRaWAN-Gateways erreichen eine Reichweite von 12 km, während die Gateways von Dryad ein Multi-Hop-Mesh-Netzwerk bilden, das auch sehr große Wälder abdecken kann. Diese Technologie macht es wirtschaftlich rentabel, ein Kommunikationsnetz für große Wälder aufzubauen, in denen es keine mobile Netzabdeckung gibt. Dryad-Grenzgateways am Netzwerkrand stellen dabei eine Verbindung zu LTE/NB-IoT sowie zum satellitengestützten oder drahtgebundenen Internet her, um auf die Dryad-Cloud-Plattform zuzugreifen.

Dryad konnte sich im September 2020 eine Anschubfinanzierung in Höhe von 1,8 Mio. Euro sichern. Die vier Investoren, die an der Seed-Runde teilnahmen, sind STIHL Digital, der Corporate Venture-Arm der STIHL Gruppe, das deutsche Energieunternehmen LEAG, der Impact Investor ISAR AG und der Venture Capital-Arm der ILB, die Brandenburg Kapital.

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