Schwerpunkte

Standards

VDI startet technische Regelsetzung für Bioprinting

15. April 2021, 10:07 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

VDI startet technische Regelsetzung für Bioprinting
© Bloodline

Mit Biodruckern oder organischen Druckern können Wissenschaftler heute Haut- und Gewebezellen in 3D drucken. Das Start-up Bloodline beispielsweise hat in Kooperation mit dem Biodrucker-Hersteller Cellbricks ein CAD-System speziell für die Besonderheiten eines Bio-3D-Druckers entwickelt. Beim Gründerwettbewerb „Digitale Innovationen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wurden es dafür ausgezeichnet.

Das 3-D-Bioprinting von Organen als junges Forschungsfeld entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Der VDI hat daher einen Ausschuss gegründet, der Richtlinien festlegen soll.

Der neue Richtlinienausschuss VDI 5708 will neben der Klärung der grundlegenden Definitionen und Terminologien beim Bioprinting auch die Anforderungen an die verwendeten Geräte und Biotinten prüfen, genauso wie wichtige physikochemische und biologische Grundvoraussetzungen.

„Anlass für die Ausschussgründung im Fachbereich Medizintechnik der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences (TLS) ist der zunehmende Bedarf an Best Practice und Produktionsrichtlinien für die Bioprinting-Technologien, ebenso wie für die Verarbeitung von Biomaterial-Tinten und die Herstellung von Bioprint-Produkten“, so Dr. Andreas Hermann vom VDI.

Mit Hilfe des Bioprintings können mehrere Zelltypen mit geeigneten Materialien zu sogenannten Biotinten kombiniert und entsprechend der am Computer erstellten Druckvorgabe dreidimensional im Raum positioniert werden. Forschende können damit beispielsweise In-vitro-Gewebemodelle generieren und so organtypische Prozesse untersuchen, was zum Beispiel für die Erforschung neuer Wirkstoffe von Nutzen sein kann.

Dr. Hanna Hartmann vom NMI Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut in Reutlingen und Prof. Dr. Jürgen Groll vom Universitätsklinikum Würzburg übernehmen den Vorsitz des neuen VDI-Richtlinienausschusses. Beide beschäftigen sich bereits im Rahmen des BMBF-geförderten Projekts SOP_BioPrint der Erstellung von Protokollen für ein standardisiertes Bioprinting.

„Wir erleben in den letzten Jahren eine Welle an Innovationen bezüglich neuer Biotinten, neuer Fabrikationsmethoden, sowie der Zusammenführung bestehender Technologien. Es ist noch nicht klar, welcher Ansatz sich für welche Anwendung durchsetzen wird und der Bedarf an Grundlagenforschung ist noch hoch“, fasst Prof. Groll die Situation zusammen.

Um den Prozess des Bioprintings reproduzierbar, anwendungsspezifisch und sicher zu gestalten und um zukünftige Entwicklungen in Richtung pharmazeutischer Produkte oder sogar einer Translation in die Klinik vorzubereiten, sei daher zunächst eine grundlegende Standardisierung erforderlich. „Standards und Normen helfen dabei, personen- und ortsunabhängig reproduzierbare Ergebnisse zu liefern“, erklärt Dr. Hartmann. „Außerdem ermöglichen Richtlinien die objektive Bewertung von Forschungsergebnissen.“

Erklärtes Ziel der beiden Vorsitzenden ist es, den Bedarf an Standardprüfmethoden und Qualitätskontrollen zu benennen und notwendige Standards zu definieren. Die interdisziplinären Mitglieder decken die Wertschöpfungskette von Forschungseinrichtungen und Herstellern bis zu Anwendern und der Prüfgesellschaft ab.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.