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ZVEI-Umfrage

Wie wirkt Corona auf die deutsche Elektroindustrie?

14. April 2020, 11:07 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Wie wirkt Corona auf die deutsche Elektroindustrie?
© ZVEI

ZVEI-Präsident Michael Ziesemer: »Wenn wir es nicht schaffen, schon bald den Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft stufenweise wieder aufzuheben, drohen erhebliche Konsequenzen für unsere Firmen«.

Der Auftragseingang bricht ein und der ZVEI erwartet einen zweistelligen Umsatzrückgang. Zwei Drittel der Unternehmen haben Kurzarbeit beantragt und 60 % befürchten dauerhafte Schädigung der Produktions- und Lieferketten bei zu spätem Exit.

Die deutsche Elektroindustrie bekommt die Auswirkungen der Corona-Pandemie zunehmend zu spüren. Das ergab eine Umfrage des Zentralverbands der Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) unter seinen Mitgliedsunternehmen. So gehen bei über der Hälfte der teilnehmenden Firmen (55 %) bereits jetzt weniger Aufträge ein als vor Beginn der Krise. Von einem Einbruch bei den Bestellungen berichten sogar 26 %. Die Unternehmen erwarten einen Umsatzrückgang von durchschnittlich 14 %. Diese Verluste binnen absehbarer Zeit komplett aufzuholen, halten nur drei Prozent für realistisch. Der Rest erwartet, nur die Hälfte oder noch weniger in absehbarer Zeit wieder reinholen zu können.
»Die Bundesregierung hat entschlossen gehandelt, um die akutesten wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzufedern – so etwa das Kurzarbeitergeld, welches heute schon von rund zwei Drittel unserer Unternehmen beantragt wurde oder gerade beantragt wird. Aber wenn wir es nicht schaffen, schon bald den Stillstand von Wirtschaft und Gesellschaft stufenweise wieder aufzuheben, drohen erhebliche Konsequenzen für unsere Firmen«, resümiert ZVEI-Präsident Michael Ziesemer die Umfrageergebnisse. »Rund 60 % der Unternehmen fürchten eine dauerhafte Schädigung von Produktions- und Lieferketten und sogar rund 70 % erwarten die Streichung von Investitionen, sollte der Exit zu spät eingeleitet werden.«

Lieferketten gestört bis gerissen

Bereits heute hat ein Großteil der deutschen Elektrounternehmen Probleme mit der Liefer- und Logistikkette: Bei gut 70 % ist sie leicht gestört, bei gut 10 % sogar stark gestört oder gar gerissen. Produktion und Lieferketten unter Einhaltung der Gesundheitsschutz-Maßnahmen aufrechtzuerhalten ist gerade in der Krise essenziell. Nur so kann die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Strom oder medizintechnischen Geräten sichergestellt werden. Es ist daher wichtig, den stufenweisen Wiederhochlauf der vernetzten Wirtschaft jetzt zu planen und mit neuesten Erkenntnissen für sachgerechte Gesundheitsschutz-Maßnahmen inklusive Nutzung digitaler Technologien in Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Gesellschaft zu kombinieren. »Das Herunterfahren der Wirtschaft ist in Europa zu sehr einzelstaatlich erfolgt. Die EU und ihre Mitgliedstaaten müssen jetzt gemeinsam vorangehen und sich für den Wiederhochlauf der Wirtschaft koordinieren«, fordert Ziesemer.
Daher gelte es schon jetzt, mit Umsicht einen Fahrplan zu entwickeln, wie man – in Industrie und Gesellschaft – wieder zu neuer Stärke und neuem Zusammenhalt zurückfinden kann. »Damit sich an die akute Gesundheitskrise keine langanhaltende und massive Wirtschaftskrise anschließt, womöglich mit weitreichenden Folgen für Europas Wohlstand und Einheit«, mahnt Ziesemer.

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