Leistungshalbleiter + Stromversorgungen

Keine Chance den Fake-Produkten!

10. September 2021, 11:07 Uhr | Engelbert Hopf
Sved Oliver/stock.adobe.com
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Im Rahmen des diesjährigen, virtuellen Stromversorgungsforums der Markt&Technik (s. Trend Guide „Stromversorgung & Power Management“ der Markt&Technik) diskutierten die Teilnehmer auch das mittlerweile gestiegene Risiko von Produktfälschungen.

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Gefälschte Bauteile haben immer dann Konjunktur, wenn die Bedarfe steigen und nicht durch die etablierten Lieferketten bedient werden können. Das mögen einzelne Branchensegmente sein, wie die Solarinverter-Industrie in der Zeit zwischen 2009 und 2011, oder ganze Branchen, wie im Fall der Markterholung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09. Da werden „technisch überholte“ Leistungshalbleiter in neue Packages gesteckt, da wird aus einem 200- auf einmal ein 400-A-Modul. Oder es sind zwar die ersten 50 oder 100 Bauelemente auf einem Blister-Gurt für die Bestückungsmaschine in Ordnung, aber danach kommt dann Schrott.

»Wir haben 2010 unsere Lektion gelernt«, meint Bernhard Erdl, CEO & President bei Puls, »wir kaufen nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen Brokerware, und das auch nur nach sehr genauer Prüfung!« Aber das hat ganz klar einen Preis: »Wir haben auf diesem Weg vor Kurzem Mikrocontroller statt für 75 Euro-Cent für 19 Euro gekauft. Das ist ein Faktor 25! Auf diese Weise sind uns Mehrkosten von fast 100.000 Euro entstanden.«

Als gebranntes Kind sieht man sich auch bei Bicker Elektronik: »Aufgrund von schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit kaufen wir ausschließlich von zuverlässigen Quellen«, so Geschäftsführer Markus Bicker.

Aus Sicht von Uwe Frischknecht, Managing Director Sales EMEA von Recom Power, spielen Broker für Originalware derzeit keine wirkliche Rolle, »da der Markt schlicht leergefegt ist«. Fake-Ware wird in seinen Augen dagegen zu einem immer größeren Problem, »da einige Fake-Anbieter inzwischen so dreist geworden sind, dass sie Teile unseres Firmennamens auf ihren Websites verwenden«. Frischknecht verweist dazu auf den konkreten Fall eines Distributors aus Hongkong, der angeblich Original-Recom-Produkte anbietet.

»Unbekannte Broker aus dem EU-Ausland sind für uns keine Quellen, denen wir vertrauen«, stellt Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter bei Inpotron Schaltnetzteile, klar; »mit dieser Haltung sind wir bisher sehr gut gefahren«. Inpotron Schaltnetzteile arbeite stattdessen mit zuverlässigen Händlern zusammen, »die wir seit Jahren kennen«. Püthe ist sich sicher, dass es den Graumarktanbietern aktuell sehr gut geht: »Die Preise, die da aufgerufen werden, werden gehandelt wie auf einem türkischen Jahrmarkt.« Eine 100-prozentige Prüfung aller eingehenden Waren ist in seinen Augen nicht machbar. »Unsere Einstellung ist es deshalb, im Zweifelsfall lieber nicht zu liefern, bevor wir ein unkalkulierbares Risiko eingehen.«

»Für Einkäufe außerhalb der regulären Beschaffungs- und Distributionskanäle haben wir spezialisierte und zertifizierte Lieferanten im Portfolio, auf die wir nun vermehrt zurückgreifen«, berichtet Georg Beretitsch von der Geschäftsführung bei Phoenix Contact Power Supplies. »Diese haben tiefgehende Methodiken der Bauteilprüfung und hinsichtlich Tracebility etabliert, um Fälschungen vorzubeugen und die genaue Herkunft der Waren zurückverfolgen zu können.«

»Ich sehe das so: Wenn es überhaupt nicht anders geht und man beim Broker kaufen muss, dann sollte ein 100-prozentiger Test der Ware ein absolutes Muss sein«, meint der CEO von Camtec Power Supplies, Oliver Walter. »Wer das Testen dem Kunden überlässt, ist aus meiner Sicht mehr als schlecht beraten.«

Bei Eplax, so Geschäftsführer Thomas Widdel, »gehen wir den Weg zum Broker nur als allerletzten Ausweg, und auch dann nur in enger Abstimmung mit dem Kunden«. Bis jetzt habe man in Bremen immer alternative Erstqualität einsetzen können. Widdel geht aber auch davon aus, »dass mittelfristig bei Stromversorgungen aus Fernost steigende Ausfallraten im Feld zu verzeichnen sein werden«.

Bei TDK-Lambda ist man sich sicher, »dass wir aufgrund unserer Beschränkungen auf freigegebene und zertifizierte Lieferanten, zusammen mit umfangreichen Kontrollen im Wareneingang, uns sehr gut vor gefälschten Bauteilen schützen können«, erklärt Gustav Erl, General Manager von TDK-Lambda Germany.

Ähnlich agiert man bei Block Transformatoren-Elektronik: »Wir kaufen ausschließlich bei Franchise-Unternehmen und hoffen so, das Thema Fake-Materialien weitestgehend umgehen zu können«, versichert Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement; »trotzdem ist unsere Wachsamkeit aktuell natürlich erhöht«.

Testen und noch mal testen – diese Devise verfolgt die Autronic Steuer- und Regeltechnik: »Die Zukäufe über Broker nehmen zu«, bestätigt auch Giovanni Rodio, Produktmanager bei der Fortec-Power-Gruppe, »aber wir setzen nur getestetes Material ein, vom Lieferanten oder uns selbst getestet«.

Den Grundsatz, Bezüge aus unbekannten Quellen zu vermeiden, verfolgt man auch bei MTM Power. »Bei der Auswahl von alternativen Quellen suchen wir zunächst bei anerkannten Online-Distributoren, die nur Originalware anbieten, oder suchen alternative Bauteile anderer Hersteller, die wir zunächst einem Freigabeprozess inklusive Risikobewertung unterziehen«, so Steffen Heinrich, Geschäftsleitung Technik.

Noch restriktiver geht man bei Traco Power vor. »Auch wenn es bei einzelnen Produkten zu Lieferverzögerungen kommt und die Kunden dringend auf Lieferung warten«, so Geschäftsführer Sebastian Fischer, »werden wir keine Kompromisse bei der Qualität eingehen«. Der Schaden bei Serienfehlern im Feld sei in Zukunft ungleich höher als der Nutzen einer etwas schnelleren Lieferung. 


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