GlobalFoundries und Telekom

Sichere, europäische Halbleiterproduktion

11. Mai 2026, 06:57 Uhr | Heinz Arnold
Die Fab von GlobalFoundries in Dresden
Die Fab von GlobalFoundries in Dresden
© GlobalFoundries

GlobalFoundries will Daten, die für die Fertigung von sicherheitsrelevanten Chips erforderlichen sind, ausschließlich an Standorten, Netzen und Rechenzentren in Europa verarbeiten und speichern.

Diesen Artikel anhören

Das ist ein erster Schritt in Richtung digitaler Souveränität, resilienter Lieferketten und unabhängiger Datenverarbeitung in Europa. Der Ansatz richtet sich unter anderem an Kunden aus Aerospace & Defense (A&D) sowie kritischen Infrastrukturen. Damit ist GlobalFoundries (GF) die erste Foundry in Europa, die ein solches Konzept speziell für sicherheitskritische Anwendungen aufsetzt.

Aktuell führen GF und die Deutsche Telekom ein gemeinsames Assessment durch, um detailliert zu analysieren, wie die in der Halbleiterproduktion entstehenden und genutzten Daten innerhalb Europas verarbeitet, transportiert und gespeichert werden können. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Datenhoheit, Verschlüsselung, Segmentierung, Zugriffsverwaltung sowie der Nutzung europäischer Cloud- und Connectivity-Infrastrukturen der Telekom für kritische Daten.

Das Assessment betrachtet den gesamten Lebenszyklus der Daten – von Design- und Tape-out über Fertigungs-, Test- und Qualitätsdaten bis hin zu Betriebs- und Serviceinformationen im Feld. Ziel ist ein »Trusted European Flow«, bei dem alle relevanten kritischen Datenspeicherungs- und Kommunikationspfade innerhalb Europas verbleiben und die zugrunde liegenden Cloud-, Carrier- und Rechenzentrumsdienste den hohen Anforderungen von A&D- sowie Kunden aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur an Compliance, Auditierbarkeit und regulatorische Konformität noch besser entsprechen.

Wichtig für den Standort Europa: GF öffnet die sichere Infrastruktur gezielt auch für Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie Startups und bietet in Dresden neben derzeit bereits verfügbaren Großserienangeboten auch kleine Volumina und Multi-Projekt-Wafer-Shuttles – etwa auf FDX-Technologie – mit sicheren europäischen End-to-End-Flow an. So können vor allem Start-ups in der Frühphase und hochspezialisierte Player sichere »Made in Europe«-Konzepte entwickeln, um ihre Lieferketten innerhalb Europas aufzubauen – von den niedrigsten bis hin zu den höchsten Volumina.

»Mit dem Projekt schaffen wir einen neuen Goldstandard für digitale Souveränität in der Halbleiterfertigung. Unsere Kunden aus Aerospace & Defense sowie kritischen Infrastrukturen erhalten damit eine belastbare Antwort auf die Frage, wie sie ihre zentralen Systeme unabhängig von außereuropäischen Lieferketten planen können, von denen sie aktuell noch abhängig sind«, sagt Manfred Horstmann, General Manager und Senior Vice President von GF.

»Digitale Resilienz entscheidet über Europas Wettbewerbsfähigkeit – dafür braucht es hochsichere Netze, Cloud-Infrastrukturen und Security Schutzschirme. Gemeinsam mit GlobalFoundries zeigen wir, wie sich hochsensible Daten- und Lieferkettenströme innerhalb Europas absichern lassen«, sagt Klaus Werner, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland.

Predictive Maintenance als Erfolgsbeispiel

Die Kooperation im Rahmen des Projekts baut auf einer bereits bewährten Partnerschaft zwischen GF und der Telekom auf. So haben beide Unternehmen in Dresden gemeinsam ein KI-gestütztes Predictive-Maintenance-System entwickelt, das den Wafer-Transport und andere kritische Produktionssysteme im Hinblick auf Fehler überwacht und dadurch Ausfallzeiten signifikant reduziert.

Die Erfahrungen aus dieser Zusammenarbeit – von der Integration von Edge- und Cloud-Plattformen über sichere Datenanbindung bis hin zu skalierbaren IoT-Systemen in der laufenden Halbleiterproduktion – fließen direkt in die Ausgestaltung des neuen Projekts ein. Sie bilden die Grundlage, um anspruchsvolle Security-, Verfügbarkeits- und Performance-Anforderungen von A&D- und Kunden aus dem Bereich der kritischen Infrastruktur auch im Maßstab einer kompletten europäischen Lieferkette zu erfüllen.


Lesen Sie mehr zum Thema