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Startup: Celtro

Halbleiter-Fortschritte für die Medizintechnik nutzen

Dr.-Ing. Gerd Teepe, Geschäftsführer bei Celtro
Dr.-Ing. Gerd Teepe, Geschäftsführer bei Celtro: »Das Moore’sche Gesetz ist unser Freund. Heutige Halbleiter-Technologien sind erstaunlich leistungsfähig geworden. 1000 Milliarden Rechen-Operationen können pro Sekunde ausgeführt werden bei einer Leistungsaufnahme von weniger als 1 Watt. Biologische Prozesse sind aber deutlich langsamer. Deshalb drosseln wir die Rechen-Geschwindigkeit derart, dass der Energiebedarf in den Bereich von wenigen Nanowatt absinkt. Das genügt für biologische Funktionen und ist gering genug, um aus dem Gewebe heraus selbst erzeugt zu werden. Autarke, implantierte Systeme werden nun möglich.«
© Celtro

Celtro wurde 2019 von Dr.-Ing. Gerd Teepe (CEO), Dr. med. Judith Piorkowski, Dr. med. Thomas Gaspar und Jarek Budny in Dresden gegründet, um medizinische Produkte autark mit körpereigener Zellenergie zu versorgen. Im letzten Dezember hat das Unternehmen seine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen.

Halbleiterelektronik ist die fundamentale Grundlage moderner Medizinprodukte wie Herzschrittmacher, Biosensoren oder Hörhilfen. Celtro arbeitet daran, die Energie-Versorgung derartiger Systeme autark aus körpereigener Zellenergie zu erzeugen. Damit könnten leere Batterien, Gerätewechsel, Austausch-Operationen und Ladestationen in Zukunft der Vergangenheit angehören.

Aufbauend auf dem eigenen Portfolio an Schutzrechten im Bereich der Nanowatt-Elektronik hat Celtro mit der Entwicklung derartiger Medizin-Produkte begonnen. Elektrisches Energy-Harvesting ersetzt dabei die Batterie als Energiespeicher, um damit medizinische Anwendungen wie Patientenüberwachung oder Herzschrittmacher zu betreiben.

Der Grundgedanke besteht darin, dass lebende Zellen in einem Organismus biologischen Batterien ähneln, die ständig elektrische Energie erzeugen. Wenn es gelingt, einen kleinen Teil dieser Energie zu nutzen, werden implantierte Medizinprodukte Energie-autark. Sogar Patienten mit bisher unheilbaren Erkrankungen, wie z.B. einer Querschnittslähmung, könnte dann zukünftig dauerhaft geholfen werden. Dr.-med. Judith Piorkowski, Kardiologin und Elektrophysiologin erklärt: »Eine Zelle nimmt Zucker als Energieträger auf und setzt diesen in elektrische und mechanische Energie um. In einem normalen Herzen befinden sich Milliarden von Zellen. Ein kleiner Bruchteil der dort umgesetzten Energie wird für den Betrieb autarker Implantate, wie z.B. einem Herzschrittmacher, benötigt.«

Jetzt hat Celtro seine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen. Private Investoren kommen aus Deutschland und den USA. Der Freistaat Sachsen fördert das Entwicklungsvorhaben im Rahmen der Technologieförderung ebenfalls und hat durch seine Zusagen einen frühen Start der Arbeiten möglich gemacht.

Der aktuelle Schwerpunkt des Unternehmens liegt auf der Chip-Entwicklung. Dafür kooperiert Celtro mit zahlreichen Entwicklungspartnern in Sachsen. Für 2022 ist eine Erweiterung des Personalstandes in Dresden mit Experten, aus den Bereichen Halbleiterentwicklung, Systementwicklung und Medizin vorgesehen. Mit Abschluss der Finanzierungsrunde ist die erste Phase des Entwicklungsprogramms »NanoPower-BioChip« gesichert. In diesem Programm werden die Grundlagen der zellulären Energiegewinnung gelegt und demonstriert.

»Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, internationale Investoren und den Freistaat Sachsen von unserer Idee zu überzeugen. Die Möglichkeit der Verbindung von Halbleiterforschung und Medizin ist ein Alleinstellungsmerkmal am Standort Dresden und passt hervorragend zum Gründungsgedanken unserer Firma«, sagt Jarek Budny, Finanzvorstand von Celtro.


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