Leistungsfähige MRAMs für die Industrie

»Ein entscheidender Schritt nach vorne!«

17. November 2022, 9:55 Uhr | Heinz Arnold
Aggarwal Sanjeev
Sanjeev Aggarwal, CEO von Everspin: »Dass wir in diesem Jahr die neue Spin-Transfer-Torque-MRAM-Familie »EMxxLX« auf den Markt gebracht haben, ist nach vielen Jahren endlich ein entscheidender Schritt nach vorne: Jetzt öffnen sich den MRAMs neue Märkte.«
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»Mit unserer neuen STT-MRAM-Familie eröffnen wir diesen Speicher-ICs ganz neue Marktsektoren«, sagt Sanjeev Aggarwal, CEO von Everspin. Wie er sich die Zukunft der MRAMs vorstellt, erklärt er im Interview mit Markt&Technik.

Markt&Technik: Das vergangene Jahr verlief für Everspin sehr gut, und das Unternehmen ist mit Elan in dieses Jahr gestartet. Worauf gründet sich der Aufschwung?

Sanjeev Aggarwal: Das Geschäftsjahr 2021 konnten wir zum ersten Mal seit dem Börsengang 2016 mit einem Gewinn abschließen. In diesem Jahr haben wir die neue Spin-Transfer-Torque-MRAM-Familie »Orion« mit der Typenbezeichnung »EMxxLX« auf den Markt gebracht; im ersten Quartal startete die Musterlieferung der Versionen mit einer Kapazität von bis zu 64 Mbit. Anfang August folgten die EM128LX-Typen mit der doppelten Speicherkapazität. Die Volumenproduktion werden wir Anfang nächsten Jahres aufnehmen.

Weil die STT-Speicher um den Faktor 1000 weniger Energie als vergleichbare Speicher-ICs in anderen Technologien aufnehmen, sind sie für viele Anwendungen sehr attraktiv. Mit 400 MB/s sind sie die schnellsten Speicher ihrer Klasse, arbeiten über den Temperaturbereich von –40 bis +85 °C und sitzen in sehr kleinen Gehäusen. Der EM128LX steht im 24-Ball-BGA und im 8-Pin-DFN zur Verfügung. Weil sie den gängigen Industriestandards wie SPI, QSPI und xSPI entsprechen, sind sie sehr bequem einzudesignen. Das vereinfacht das Systemdesign im Umfeld aller auf Prozessoren, Controllern und FPGAs basierenden Plattformen.

Das ist ein Durchbruch für uns, denn auch andere MRAM-Hersteller erreichen nicht die Performance, die unsere neuen STT-MRAMs bieten. Deshalb werden die EMxxLX-Typen sowohl SRAMs als auch NOR-Flash-Speicher ersetzen. Das Interesse von FPGA-Herstellern ist bereits sehr groß. Nach vielen Jahren ist das endlich ein entscheidender Schritt nach vorne.

Bietet Everspin die Speicher auch als Embedded Memory an?

Wir konzentrieren uns auf Stand-alone-MRAMs. Die Embedded-Versionen, die der EMxxLX-Familie entsprechen, fertigt unser Partner Globalfoundries.

Wie groß ist der potenzielle Markt, den Everspin mit den Stand-alone-MRAMs anvisiert?

2021 kamen die DRAM- und Flash-Märkte zusammen auf einen Umsatz von 155 Mrd. Dollar. Ich schätze, dass wir mit einem Potenzial von 3 Mrd. Dollar in diesem Markt für unsere MRAMs rechnen können. Außerdem werden wir auch nichtflüchte SRAMs und FeRAMs zumindest zum Teil ersetzen. Denn wir können jetzt mit den neuen STT-MRAMs aufgrund ihrer Performance und ihrer hohen Speicherkapazitäten in ganz neue Marktsektoren vordringen! Erst die EMxLX-Familie hat die FPGA-Hersteller auf uns aufmerksam gemacht und ihr starkes Interesse an der für sie neuen Möglichkeit geweckt, die MRAMs einzusetzen.

Wie wichtig ist Europa für Everspin?

Der Storage-Markt spielt für uns selbstverständlich eine große Rolle. Doch weil wir auch sehr aktiv in den Märkten Industrie und Automotive unterwegs sind, ist Europa für uns sehr wichtig. Die EMxxLX-Familie wird dort für zusätzlichen Schub sorgen. Mit unserem neuen Produktportfolio können wir jetzt diese Märkte sehr gut adressieren. Daneben ist aber auch der Gaming-Markt hierzulande sehr interessant, da haben wir auch einige europäische Kunden. Casino-Betreiber beispielsweise müssen Daten über lange Zeit speichern können. Mit den MRAMs können sie in ihren Spieleplattformen jetzt Speicher mit Batteriepuffern ersetzen. Denn die MRAMs halten die Daten bis zu 20 Jahre – ganz ohne Batterien. Das spart System- und Betriebskosten.

Auf der embedded world im Juni dieses Jahres hat Everspin zusammen mit Menta Produkte demonstriert. Was steckt dahinter?

Die in Sophia Antipolis bei Nizza ansässige Menta entwickelt Embedded-FPGA-IP, um damit FPGA-Funktionalität in hochleistungsfähige ASICs und SoCs zu bringen, besonders für den Einsatz in Embedded-Systemen und im Edge Computing. Wir haben auf der embedded world, Nürnberg, gemeinsam gezeigt, wie sich die System-Performance mit der Kombination aus MRAMs und der Embedded-FPGA-Soft-IP-Technik von Menta signifikant steigern lässt. Die Anwender können damit ihre Systeme sehr schnell an die jeweiligen Systeme anpassen und deren Leistungsfähigkeit verbessern. Das wird uns weiteren Aufwind geben.

Wie sehen Sie die gegenwärtige Preis- und Liefersituation am Markt für MRAMs?

Wir waren selbstverständlich auch davon betroffen, dass die Wafer-Kapazitäten limitiert waren, und hätten gerne mehr ICs fertigen lassen. Wir haben dennoch die Preise stabil gehalten. Erst Ende letzten Jahres haben wir sie angehoben und mussten Mitte des Jahres noch einmal erhöhen. Jetzt scheinen sich die Lieferzeiten wieder etwas zu entspannen. Auf die Kostensituation insgesamt dürfte das aber kaum einen Einfluss haben.

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