»Die Herausforderung besteht darin, die Kapazitäten besonnen und schrittweise hochzufahren«
Der Geschäftsverlauf im letzten Jahr war für KVG mehr als unbefriedigend. Harald Rudolph, Leiter Produktmanagement, KVG Quartz Crystal Technology, spricht dementsprechend von »eher ruhigen Zeiten«, wenn er die Lage im letzten Jahr beschreibt. Der Auftragseingang im ersten Quartal 2010 sieht im Vergleich zum gesamten Jahr 2009 aber wieder sehr viel besser aus »und stimmt uns für den Rest des Jahres optimistisch«, sagt Rudolph. »In den Segmenten Industrial, Messtechnik und Telekom verzeichnen wir seit Ende 2009 eine deutlich steigende Nachfrage, und die Medizinelektronik war meiner Einschätzung nach ohnehin nicht so stark von der Krise betroffen.« KVG hat die ruhigeren Zeiten im letzten Jahr genutzt, um neue Entwicklungen auf den Weg zu bringen, die dem Unternehmen neue Marktsegmente im Bereich Luft- und Raumfahrt und dem Militärsektor eröffnen sollen.
»Diese Segmente sind erfahrungsgemäß stabiler und sehr viel weniger konjunkturabhängig«, erklärt Rudolph. Wie viele seiner Branchenkollegen sieht Rudolph die Herausforderungen für die Branche darin, die Fertigungskapazitäten besonnen und schrittweise hochzufahren, um zum einen den Wünschen der Kunden nach akzeptablen Lieferzeiten gerecht zu werden, auf der anderen Seite aber auch die eigenen Liquiditätsrisiken klein zu halten. Denn: »Das Hochfahren der Kapazitäten bedeutet ja nicht einfach, dass man Maschinen schneller oder länger laufen lässt, sondern ist mit steigenden Material- und Personalkosten verbunden, die erst einmal mehrere Monate zwischenfinanziert werden müssen«, gibt Rudolph zu bedenken. Das besonnene und schrittweise Hochfahren der Kapazitäten führt allerdings zum bekannten Problem der steigenden Lieferzeiten. Hinzu komme, dass KVG selbst unter den langen Lieferzeiten für benötigte Bauelemente – vor allem Halbleiter – für die Oszillatoren leide, was die Liefersituation zusätzlich zuspitze, so Rudolph. »Wir bemühen uns selbstverständlich, den Wünschen unserer Kunden gerecht zu werden, einzelne Lieferengpässe werden sich aber trotzdem nicht vermeiden lassen.« Dass die Kunden ihr Bestellverhalten geändert hätten und vorausschauender bestellen, kann Rudolph nicht bestätigen: »Unsere Kunden möchten nach wie vor kurze Lieferzeiten und niedrige Preise.«