Studie des Öko-Instituts

Homeoffice trägt zum Klimaschutz bei

24. Februar 2022, 9:30 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Homeoffice
© Pixabay

Mit mehr Homeoffice können bis zu 3,7 Mio. Tonnen Treibhausgase pro Jahr eingespart werden. Das ist selbst dann der Fall, wenn ein Großteil der Pendelwege im eigenen Pkw zurückgelegt werden, wie das im Jahr 2021 der Fall war. Das zeigt eine aktuelle Studie des Öko-Instituts.

Fahren zudem wieder mehr Menschen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, sobald der Infektionsschutz das zulässt, kann der Beitrag zum Klimaschutz sogar noch weiter steigen. In der aktuellen Studie wertete das Öko-Institut die ökologischen und sozialen Auswirkungen mobilen Arbeitens in der Pandemie aus.

Während der Corona-Pandemie arbeiteten bis zu 70 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ganz oder teilweise im Homeoffice. Hierbei legten sie 2021 im Schnitt 38 Mrd. Kilometer weniger Arbeitswege als im Jahr 2017 zurück. Da 93 Prozent der Pendelwege auf das eigene Auto fallen, ist der Anteil an der Emissionsbilanz entsprechend hoch. So werden pro gefahrenem Kilometer im Auto 202 g CO2-Äquivalente (CO2e) emittiert, im Bus sind es 83 g CO2e und in der Straßen- oder U-Bahn 54 g CO2e.

Die Forschenden stellten die verkehrsbedingten Emissionen, den Emissionen durch Ausstattung und Betrieb von Laptops und Co. zu Hause gegenüber.Hierbei zeigt sich, dass je nach Ausstattung des Arbeitsplatzes die CO2-Bilanz unterschiedlich ausfällt. Können Arbeitnehmer ein Firmenlaptop nutzen, so sind die CO₂-Emissionen mit 18 kg pro Jahr gering. Wird der Heimarbeitsplatz jedoch komplett neu ausgestattet und zudem zusätzlich zum Büroplatz beleuchtet und beheizt, steigen die CO₂-Emissionen auf 307 kg pro Jahr an.

»Unsere Bilanz zeigt, dass unabhängig von der Wahl des Verkehrsmittels und bereits ab einem Tag Homeoffice pro Woche die Treibhausgasbilanz sinken kann«, fasst Konstantin Kreye, Experte für Klimaschutz und Mobilität am Öko-Institut zusammen. »Auch nach der Pandemie kann daher eine Mischung aus Büropräsenz und mobilem Arbeiten aus Umweltgesichtspunkten vorteilhaft sein und selbst im konservativstem Szenario – mit 20 Prozent Homeoffice – rund eine Mio. Tonnen Treibhausgase einsparen. Das entspricht etwa den Emissionen, die 370.000 Autos durchschnittlich in einem Jahr emittieren.«

Soziale Auswirkungen differenziert betrachten

Weniger Pendelwege, flexiblere Arbeitszeiten, ortsunabhängiges Arbeiten, eine bessere Vereinbarkeit der Kinderbetreuung: Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schätzen die Vorteile von Homeoffice als hoch ein. Auch Unternehmen haben das erkannt und sehen hier eine neue Möglichkeit, ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu steigern. Die Studie skizziert jedoch gleichzeitig Risiken wie eine stärkere Vermischung von Arbeits- und Privatleben, das Gefühl der Isolation oder der ungleiche Zugang zu einem geeigneten Arbeitsplatz zuhause. Wird ländliches Wohnen attraktiver, kann dies zwar zu einer Entspannung der städtischen Wohnungsmärkte führen. Zugleich steigt jedoch die Gefahr, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus privaten Gründen stärker das Auto nutzen.

»Der Querschnitt der von uns ausgewerteten Studie zeigt ein gemischtes Bild der sozialen Auswirkungen von Homeoffice«, so Cara-Sophie Scherf, Expertin für nachhaltiges Wirtschaften am Öko-Institut. »Da viele Beschäftigte angeben auch in Zukunft regelmäßig von zuhause aus arbeiten zu wollen, sollten sich Unternehmen und Organisationen umfassend mit den Chancen, aber auch den Risiken auseinandersetzen

Das Working Paper entstand im Rahmen des Projekts »Compan.e: Wege zur elektromobilen und nachhaltigen Unternehmensmobilität« und wurde gefördert vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz.


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