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Trump, Apple und die alternativen Fakten

Donald Trump, US-Präsident
Donald Trump, US-Präsident
© The White House/US Gov.

Nach einem Jahr Regentschaft steht Trump unter enormem Erfolgsdruck. Er muss seinen großspurigen Ankündigungen Taten folgen lassen. Nun hat er geliefert - mit Apples Schützenhilfe.

Karin Zühlke, Leitende Redakteurin Markt&Technik

Die laut polternd angekündigte Mauer zum ungeliebten Nachbarn Mexiko – und auf dessen Kosten -  ist bislang (glücklicherweise) noch ein Hirngespinst und die internationale Automobil- und Zulieferindustrie erfreut sich weiterhin der Standortvorteile im mittelamerikanischen Fertigungsmekka. 

Geschickt lenkte Trump die Aufmerksamkeit nun auf seine andere Stoßrichtung: die Steuerreform, die Unternehmen einen niedrigen Steuersatz beschert, die ihr Vermögen von offshore wieder zurück in die USA bringen. Im Dezember wurde die Reform vom Kongress genehmigt – und kaum vier Wochen später darf Trump schon die ersten Früchte seiner Reform ernten: Apple will das im Ausland gehortete Bargeld zurück in die USA transferieren, weil das Unternehmen die dafür vor der Steuerrform fällige Steuer in Höhe von 35 Prozent nun nichtmehr zahlen muss. Der dafür fällige Steuersatz wurde auf 15,5 Prozent gesenkt, auch die Körperschaftssteuer wurde reduziert.  

Apples Finanzreserven sind im 3. Quartal 2017 auf rund 269 Milliarden US-Dollar  gestiegen. Damit ist der Reichtum des Unternehmens innerhalb des letzten Jahres um über 30 Milliarden US-Dollar gewachsen. Das Elektronikunternehmen hat angeblich ein Vermögen  von etwa 252 Milliarden US-Dollar im Ausland geparkt – das ist mehr als jeder andere Konzern.
Zudem versprach Apples Chef Tim Cook auch zu investieren: Mehr als 20.000 Arbeitsplätze sollen beim Elektronikriesen in den USA entstehen.
Trump twitterte prompt, welch immenser Gewinn das für amerikanischen Arbeiter und die USA sei. Die USA rechnen nun damit, dass weitere Großkonzerne diesem Beispiel folgen. Was für ein Erfolg für Trump!  

Was wie eine wirtschaftliche Erfolgsstory aus dem Lehrbuch klingt, dürfte von Anfang an ein abgekartetes Spiel und der Grund für die Steuerreform gewesen sein. Oder ist es einfach nur Zufall, dass sich Apple gerade in diesen Tagen seine moralische Verpflichtung gegenüber den USA ins Gedächtnis ruft?  „Wir haben immer ein großes Verantwortungsgefühl gespürt, etwas zurück an das Land und die Menschen zu geben, die den Erfolg unseres Unternehmens ermöglich haben“, erklärt Tim Cook rührselig. 

Nein, das war sicher kein Zufall sondern es sind alternative Fakten. Die Welt ist eben doch käuflich.

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© Twitter/Markt&Technik




Und prompt schlägt Mr. President auf der Apple-Erfolgswelle dahingleitend auch in Sachen “Mauer” auf Twitter wieder laute Töne  an.

Danke Apple!


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