Marktsättigung und große Unsicherheiten

Nachfrageflaute bei deutscher Industrieproduktion

4. Juli 2022, 12:43 Uhr | Karin Zühlke
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Die deutsche Industrie erlebte ein schwieriges Ende des zweiten Quartals. Das signalisiert der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) für den Monat Juni.

Der wichtige Konjunktur-Frühindikator für die größte Volkswirtschaft Europas ging von 54,8 Punkten im Mai auf aktuell 52,0 zurück. Das ist der niedrigste Wert seit fast zwei Jahren.

„Die anhaltenden geopolitischen Spannungen und die damit verbundene Unsicherheit an den internationalen Märkten beeinträchtigen die Geschäftsabläufe vieler Unternehmen. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich der EMI im Juni nur noch knapp über der Referenzlinie von 50 Punkten gehalten hat“, betonte Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Montag in Eschborn. Da sich der EMI-Teilindex Jahresausblick seit Januar kontinuierlich eingetrübt hat, dürfte die Lage in der deutschen Industrie nach Einschätzung von Ullah auch in den nächsten Monaten schwierig bleiben.

„Der jüngste EMI weist auf weitere Abwärtsrisiken hin. Nicht nur, dass die Angebotsseite weiterhin durch Lieferschwierigkeiten eingeschränkt wird, jetzt lässt auch noch die Nachfrage nach“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Montag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Es werde deutlich, dass die Kausalität bei Preisen in beide Richtungen gehen könne: Eine große Nachfrage treibt die Preise, aber nur bis zu einem gewissen Punkt. „Dann können sich viele Güter und Dienstleistungen nicht mehr leisten. Dieser Punkt scheint bei Inflationsraten um die acht Prozent erreicht. Die wirtschaftliche Entwicklung wird sich wohl weiter abschwächen. Sollten vonseiten der Lieferketten und des Ukraine-Krieges keine weiteren Preissteigerungen mehr kommen, ist davon auszugehen, dass auch der Gipfel bei den Inflationsraten erreicht ist. Bis es zu deutlich niedrigen Raten kommt, wird es aber wohl noch eine ganze Weile dauern. Die Stagflation zeigt alle ihre Facetten“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.

„Die gefährdete Energieversorgung durch die russische Invasion entwickelt sich immer mehr zum Rezessionsauslöser in vielen Volkswirtschaften Europas“, sagt Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Montag dem BME.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Montag dem BME folgende Einschätzung: „Der Preisrückgang bei den börsennotierten Rohstoffen setzte sich im Juni weiter fort. Hauptgrund ist die Sorge, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine länger dauert und eine Rezession in Europa zur Folge hat. Gleichzeitig sinken aber auch die Börsenbestände. Bei Aluminium sind diese auf den niedrigsten Stand seit über 15 Jahren gefallen. Sollte es nach dem Sommer zu einer Belebung der Nachfrage kommen, dürften starke Preisauftriebe die Folge sein. Am meisten befürchtet die deutsche Industrie aber einen möglichen kompletten Lieferstopp von russischem Erdgas schon im Juli.“


  1. Nachfrageflaute bei deutscher Industrieproduktion
  2. Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

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Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)