Mittlerweile in der Produktion unverzichtbar: Manufacturing Execution Systems

MES: Wer füllt die "Kratzer-Lücke"?

14. November 2011, 11:10 Uhr | Karin Zühlke
MES-Systeme visualisieren Produktionsabläufe
MES-Systeme visualisieren Produktionsabläufe
© MPDV

Die Elektronikfertigung ist seit einigen Monaten um einen MES-Anbieter ärmer: Kratzer Automation hat sein System »intraFactory« abgekündigt. Damit ist eine Lücke entstanden, die viele MES-Anbieter gerne schließen möchten. Die Anlagenanbindungen und der Variantenreichtum der Elektronikfertigung haben es allerdings in sich. Deshalb gilt die Elektronikfertigung zu Recht als »Championsleague für einen MES-Anbieter«, wie Dieter Meuser, CTO von itac, erklärt.

Dieter Meuser, itac
Dieter Meuser, itac: »Sollten die Verfügbarkeit und das Antwortzeitverhalten des MES über 24 Stunden und 7 Tage (24/7) nicht gegeben sein, wird das MES sehr schnell zum Schreckgespenst für jeden Fertigungsverantwortlichen.«
© itac

Manufacturing-Execution-Systeme sind inzwischen in vielen Unternehmen der Elektronikfertigungsbranche selbstverständlicher Teil der Software-Landschaft geworden - in anderen herrscht immer noch Unsicherheit darüber, wann der Einsatz eines MES angebracht und nützlich ist. Der Einsatz von MES-Systemen nimmt laut Dieter Motz, Head of MES Discrete Manufacturing Central Europe von Siemens, stetig zu. Und nicht nur das, auch beobachten die MES-Anbieter, dass Unternehmen zunehmend die »erste MES-Generation« durch ein leistungsfähigeres System ersetzen.

Die Entwicklung geht außerdem klar weg von kundenspezifischen Produktionssteuerungssystemen hin zu Systemen von der Stange, die sich nach einer Implementierungsphase verhältnismäßig einfach erweitern lassen, wie Prof. Dr. Jürgen Kletti, Geschäftsführer des MES-Anbieters MPDV, bestätigt: »Besonders leistungsfähige Standardsysteme werden hier große Chancen haben. Am Markt umgehende Gerüchte, dass kundenspezifische MES-Systeme eine Alternative seien, halte ich hingegen schlichtweg für Marktgeplauder.«

Prof. Dr. Jürgen Kletti, MPDV
Prof. Dr. Jürgen Kletti, MPDV: »Unsere Erfahrung ist, dass im MES-Prozess, egal in welchen Branchen, soviel Standardpotenzial enthalten ist, dass es wenig Sinn machen würde, allein für diese Besonderheiten ein separates System zu kreieren.«
© MPDV

Generell gilt: Besonders wer für sicherheitskritische Bereiche wie die Automobilbranche produziert, kann mittlerweile nicht mehr auf ein MES verzichten. Der Einsatz von MES in der Elektronikfertigung nimmt vor allem durch die steigenden Anforderungen der OEMs zu. Ausgelöst durch »Toyotas Brand Damage« fordern aber zunehmend nicht nur die OEMs aus der Automobilindustrie den Einsatz eines MES.

»OEM-spezifische Traceability-Normierungen existieren schon seit langem im Markt. Nur kontrollieren OEM-Auditoren in den Elektronik- und Mechatronikzulieferwerken mittlerweile auch, ob die verschiedenen Normierungen wie FDA cGMP, 21 CFR Part11 und 820, VW 80131, BMW Group Standard GS 95017, Mercedes-Benz MBN 10447 usw. eingehalten werden und beanstanden, wenn kein normenkonformes IT-System in der Fabrik vorhanden ist«, weiß Meuser. Kontrolliert wird also nicht nur der First Tier Supplier, sondern die komplette Supply Chain bis zum Second und Third Tier Supplier. »Dadurch nimmt der Einsatz von MES- bzw. datenbankbasierten Traceability-Systemen in der Elektronikfertigung sehr stark zu.«


  1. MES: Wer füllt die "Kratzer-Lücke"?
  2. Was muss ein MES-System für die Elektronikfertigung können?
  3. Die Story von den hohen Kosten - nur ein Märchen?

Verwandte Artikel

iTAC Software AG