Besserung bei Lieferketten

Industrie-Abschwung im Dezember verlangsamt

4. Januar 2023, 12:49 Uhr | Karin Zühlke
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Zum Jahresende hat sich der Abwärtstrend im Verarbeitenden Gewerbe weiter abgeschwächt. Das lag vor allem an den reibungsloser funktionierenden Lieferketten, teilte S&P Global mit.

Der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) notierte im Dezember 2022 bei 47,1 Punkten und damit abermals unter der Wachstumsschwelle von 50. Immerhin legte er gegenüber November (46,2) zu und kletterte damit auf den höchsten Stand seit drei Monaten.

„Die aktuellen EMI-Daten zeigen, dass sich die Lage in der deutschen Industrie dank verbesserter Materialverfügbarkeit zum Jahresende etwas verbessert hat. Auch die Geschäftsaussichten werden von vielen EMI-Umfrageteilnehmern positiver beurteilt“, betonte Dr. Helena Melnikov, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Mittwoch in Eschborn. Ihnen bereiteten allerdings die stark gestiegenen Energiepreise nach wie vor große Sorgen. Die Stimmung werde zudem durch die anhaltend hohe Inflation und den Krieg in der Ukraine getrübt. Positiv sei dagegen, dass die Einkaufspreise im Dezember den dritten Monat in Folge gesunken sind.

„Noch signalisiert die Stimmung in der deutschen Industrie Rezession, allerdings zeigen sich erste Lichtblicke für das Jahr 2023. Im ersten Quartal wird die deutsche Wirtschaft rückläufig sein, aber danach sollten wieder positive Wachstumsraten auftreten“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Mittwoch auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die Angebotsseite entspanne sich durch weniger Probleme bei den Lieferketten. Die Preise würden zwar auch 2023 noch steigen, aber nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. „2023 kann eigentlich nur besser werden“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.

„Nach den Turbulenzen um die Energieversorgung im Winter wird in Deutschland im weiteren Jahresverlauf eine neue Normalität Einzug halten. Kurzfristig ist mit einer Erholung der Konjunktur zu rechnen, die bereits in der zweiten Jahreshälfte 2023 einsetzen sollte. Mittelfristig wird es jedoch schwierig werden, befriedigende Wachstumsergebnisse zu erzielen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Mittwoch dem BME. Die deutsche Wirtschaft befinde sich angesichts von Demografie, Klimakrise, Deglobalisierung und technologischen Disruptionen in einer Umbruchphase, die sich im neuen Jahr fortsetzen werde.

„Zu Jahresbeginn zeichnen sich leise Hoffnungsschimmer ab, dass die Industrie etwas glimpflicher als befürchtet durch den Winter kommen könnte. Die Lieferengpässe entspannen sich schrittweise. Unternehmen können ihre Aufträge besser abarbeiten. Jedoch bleiben Risiken: Die weltweite Nachfrage schwächelt und hohe Corona-Zahlen in China und damit verbundene Produktionsausfälle könnten den internationalen Lieferverkehr wieder aus dem Gleichgewicht bringen“, teilte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen am Mittwoch dem BME mit.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dennis Rheinsberg, Direktor - Energy & Industrials der IKB Deutsche Industriebank AG, am Mittwoch dem BME folgende Einschätzung: „Die Rohstoffpreise haben sich im Dezember überwiegend seitwärts bewegt und damit ihre Bodenbildung fortgesetzt. Entlastend wirkten die tendenziell rückläufigen Energiepreise, wenngleich sie sich weiterhin auf sehr hohem Niveau bewegen. Die Kältephase im Dezember führte nur kurzfristig zu höheren Gaspreisen, die Speicher sind mit rund 90 Prozent weiterhin gut gefüllt. Die ersten LNG-Lieferungen über schwimmende Terminals in Wilhelmshaven und demnächst Lubmin stützen die Versorgung zusätzlich. Ein Anziehen der LNG-Preise ist insbesondere aufgrund der pandemiebedingt gedämpften Nachfrage aus China kurzfristig nicht zu erwarten. Insgesamt aber könnten die milder ausfallenden Rezessionserwartungen bei niedrigen Lagerbeständen zu steigenden Rohstoffnotierungen im Verlauf des ersten Quartals führen. Dies gilt umso mehr, falls aus der Corona-Entwicklung in China eine erneute Verschärfung der Lieferkettenprobleme resultieren sollte.“

 

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