Einkaufsmanager-Index

Auftragseingänge schießen hoch – Kostenexplosion belastet Margen

1. April 2026, 12:54 Uhr | Karin Zühlke
© Rax Qiu/adobe.stock.com

Der Krieg im Nahen Osten bringt die deutsche Industrie unter Druck – sorgt gleichzeitig aber auch für eine überraschende Belebung der Geschäfte. Der aktuelle Einkaufsmanagerindex (EMI) zeigt: Produktion und Auftragseingänge ziehen kräftig an, während Kosten und Unsicherheiten steigen.

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Im März 2026 kletterte der EMI auf 52,2 Punkte – nach 50,9 im Februar – und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2022. Werte über 50 signalisieren Wachstum. Treiber dieser Entwicklung ist vor allem eine stark gestiegene Nachfrage: Unternehmen bauen gezielt Sicherheitsbestände auf, um sich gegen weitere Preissteigerungen und Lieferengpässe abzusichern.

Auftragsboom treibt Produktion auf Mehrjahreshoch

Besonders positiv: Die Industrie meldet einen deutlichen Anstieg bei den Neuaufträgen – so stark wie seit Monaten nicht mehr. Auch das Auslandsgeschäft zieht spürbar an und wächst so dynamisch wie zuletzt vor neun Monaten.

Die Folge: Die Produktion wurde massiv hochgefahren und erreichte den höchsten Stand seit über vier Jahren. Vor allem Hersteller von Vorleistungs- und Investitionsgütern profitieren aktuell von der Entwicklung.

Parallel dazu stocken viele Unternehmen ihre Einkaufsvolumina deutlich auf – ein klares Signal für anhaltende Nachfrage und eine gewisse Zuversicht in die kurzfristige Geschäftsentwicklung.

Strategischer Lageraufbau als Wachstumstreiber

Ein zentraler Faktor hinter dem Aufschwung ist der strategische Lageraufbau. Viele Unternehmen reagieren proaktiv auf die geopolitische Lage und sichern sich frühzeitig Material.

Das sorgt kurzfristig für zusätzliche Dynamik entlang der Lieferkette – ein Effekt, der insbesondere der Elektronikindustrie zugutekommt, wo Versorgungssicherheit eine zentrale Rolle spielt.

Kostenexplosion belastet Margen

Die Kehrseite des Booms: Der Kostendruck nimmt massiv zu. Die Einkaufspreise steigen so stark wie seit Oktober 2022 nicht mehr. Haupttreiber sind deutlich teurere Energie, höhere Transportkosten sowie steigende Rohstoffpreise.

Viele Unternehmen versuchen, diese Belastungen zumindest teilweise über höhere Verkaufspreise weiterzugeben – was die Inflation zusätzlich anheizen könnte.

Lieferketten erneut unter Spannung

Parallel verschärfen sich die Probleme in den Lieferketten. Verzögerungen nehmen wieder zu, während Lagerbestände bei Vormaterialien und Fertigwaren sinken.

Gerade in der Elektronikbranche könnte das erneut zu Engpässen führen – insbesondere wenn sich die geopolitische Lage weiter zuspitzt.

Geschäftsausblick kippt trotz guter Zahlen

Trotz der aktuell starken Entwicklung trübt sich die Stimmung ein: Die Geschäftsaussichten fallen auf ein Vier-Monatstief. Grund sind vor allem die hohe Unsicherheit und die Sorge vor weiter steigenden Kosten. Viele Unternehmen sehen die aktuelle Dynamik daher eher als kurzfristigen Effekt denn als nachhaltigen Aufschwung.

Uneinheitliches Bild je nach Branche

Ein differenzierter Blick zeigt: Vorleistungsgüterhersteller profitieren besonders stark von der anziehenden Binnenkonjunktur und verzeichnen das kräftigste Auftragsplus seit über vier Jahren. Investitionsgüterproduzenten melden ebenfalls steigende Produktion und Auftragseingänge. Konsumgüterhersteller hingegen kämpfen weiter mit rückläufiger Nachfrage, sinkender Beschäftigung und einem deutlich eingetrübten Ausblick.

Wachstum mit Risiken

Die Zahlen zeigen ein paradoxes Bild: Die Krise wirkt kurzfristig wie ein Konjunkturprogramm für Teile der Industrie – insbesondere durch Vorzieheffekte und Lageraufbau.

Doch der Preis dafür ist hoch: steigende Kosten, fragile Lieferketten und wachsende Unsicherheit. Für die Elektronikbranche bedeutet das: volle Auftragsbücher heute – aber ein anspruchsvolles Umfeld für die kommenden Monate.


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