Weniger Emissionen, stabile Preise

Wie Kontron an der Energieschraube dreht

30. März 2026, 15:51 Uhr | Karin Zühlke
Auch bei Katek, inzwischen Kontron, im oberbayerischen Grassau, wurde der Energieverbrauch in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Dazu tragen unter anderem drehzahlgeregelte Motoren mit Frequenzumrichtern für große Verbraucher wie Lüftungsanlagen, Vakuumpumpen und Druckluftsysteme bei.
© Katek

Energieeffizienz in der Fertigung: Unter diesem Aspekt setzt Kontron mit seiner Produktions-Marke Electronics² an mehreren internationalen Fertigungsstandorten einige aßnahmen um, auch die eigene Stromerzeugung.

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Unter der Marke Electronics² bündelt Kontron seine Fertigung an internationalen Standorten. Kontron und die inzwischen zu Kontron gehörende Katek bündeln dabei ihre Expertise - nicht nur in der Produktion, sondern entlang aller energetisch relevanten Prozesse. Die Initiativen reichen von lokalen Maßnahmen bis zu standortübergreifenden Projekten wie der Energiegemeinschaft konEC. Ziel ist es, Energieverbrauch und Emissionen zu reduzieren und gleichzeitig die Produktionskosten zu stabilisieren.

Kontron Austria: Photovoltaik, Wärmepumpe und Energiemonitoring

An den österreichischen Standorten Ebbs und Engerwitzdorf nutzt Kontron Austria unter anderem lokal erzeugten Strom aus Photovoltaikanlagen sowie Energie aus österreichischer Wasserkraft der TIWAG. Ergänzt wird das Energiekonzept durch eine wasserbasierte Wärmepumpe.
Ein Monitoring-System erfasst den Energieverbrauch in Echtzeit und identifiziert Einsparpotenziale. Auf dieser Basis lassen sich Lastspitzen vermeiden, etwa durch gestaffeltes Hochfahren einzelner Maschinen oder durch die Anpassung von Produktionszeiten an den tatsächlichen Bedarf.
Energiegemeinschaft konEC: Standortübergreifende Nutzung von Solarstrom
Mit der Energiegemeinschaft konEC haben Kontron Austria und die Kontron AG ein Modell geschaffen, um überschüssigen Solarstrom zwischen Standorten zu teilen. Eigen erzeugter Strom aus Photovoltaikanlagen kann dadurch standortübergreifend genutzt werden, wodurch der Bezug von Netzstrom reduziert wird.

Frickenhausen: Photovoltaik mit hoher Eigenstromnutzung

Am Standort Frickenhausen betreibt Kontron Electronics eine Photovoltaikanlage, deren Strom überwiegend direkt vor Ort genutzt wird, etwa für Beleuchtung, IT-Infrastruktur, Ladestationen und Klimaanlagen.

Überschüssige Energie wird ins öffentliche Netz eingespeist, etwa an Wochenenden mit geringem Strombedarf. Der Standort erreicht einen Autarkiegrad von rund 40 Prozent. Der verbleibende Strombedarf wird aus erneuerbaren Quellen gedeckt.
Tab (Ungarn): Modernisierung von Beleuchtung und Gebäudetechnik
Im Werk Tab in Ungarn wurde die Beleuchtung auf LED-Technik umgestellt. Zusätzlich wurde eine neue Kühl-, Heiz- und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung installiert.
Bewegungsmelder steuern die Beleuchtung in vielen Bereichen, sodass Licht nur bei Bedarf eingeschaltet wird. Am Ende der zweiten Schicht werden Kompressoren und Absauganlagen automatisch abgeschaltet, um Energieverbrauch außerhalb der Produktionszeiten zu vermeiden.

Kranj (Slowenien): Photovoltaik und energieeffiziente Anlagen

Am Standort Kranj setzt Kontron Slovenia auf mehrere Maßnahmen zur Energieeinsparung. Dazu zählen LED-Beleuchtung, optimierte Kompressorsysteme sowie Stand-by-Betrieb von Anlagen während Produktionspausen.
Heiz- und Kühlsysteme werden zonenbasiert gesteuert, zusätzlich werden neue Maschinen mit hoher Energieeffizienz bevorzugt beschafft. Ergänzend erzeugt eine Photovoltaikanlage mit 168,35 kWp auf rund 1400 m² jährlich etwa 155.470 kWh Strom.

Katek Grassau: Energiemanagement in der Produktion

Am Standort Grassau wurde der Energieverbrauch in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Dazu tragen unter anderem drehzahlgeregelte Motoren mit Frequenzumrichtern für große Verbraucher wie Lüftungsanlagen, Vakuumpumpen und Druckluftsysteme bei.

Weitere Maßnahmen sind Hocheffizienzpumpen sowie die Nutzung von Abwärme zur Brauchwassererwärmung. Für Produktionsanlagen und Serverräume wird Grundwasserkühlung eingesetzt. Strom bezieht der Standort vollständig aus Wasserkraft.
LED-Beleuchtung mit Bewegungsmeldern und Helligkeitsregelung ergänzt das Energiekonzept. Die Standorte Grassau und Horní Suchá in Tschechien sind nach ISO 50001 zertifiziert.

Leipzig: Digitalisierung des Energiemanagements

Am Standort Leipzig setzt Kontron eSystems auf digitale Überwachungssysteme. Energieverbraucher werden in Echtzeit erfasst, sodass Maschinenlaufzeiten besser an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden können.
Investitionen in energieeffiziente Anlagen sowie Automatisierung und Digitalisierung sollen den Energieeinsatz weiter reduzieren.

Düsseldorf: Echtzeitüberwachung zentraler Verbraucher

Am Standort Düsseldorf überwacht ein Energiemanagementsystem zentrale Verbraucher wie Reflowöfen, Druckluftanlagen und Klimakompressoren in Echtzeit.
Zusätzlich wird die bei der Drucklufterzeugung entstehende Abwärme zur Beheizung genutzt. Grundlage bildet ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001.
Weitere deutsche Standorte: Verpackung, Energie und Audits
An den Standorten Augsburg, Ismaning, Mauerstetten, Roding, Berlin und Saarbrücken setzt Kontron unter anderem auf wiederverwendbare Transportbehälter, um Verpackungsmaterial und Abfall zu reduzieren.

In Mauerstetten unterstützt eine Photovoltaikanlage mit 188 kWp und einer Eigenverbrauchsquote von rund 96 Prozent die Energieversorgung. Am Standort Augsburg tragen Wärmepumpen, LED-Beleuchtung und zeitgesteuerte Heizsysteme zur Senkung des Energieverbrauchs bei.

Zusätzlich werden Energieaudits nach DIN EN 16247-1 durchgeführt, um Einsparpotenziale systematisch zu identifizieren.

Kombination aus Technik und Organisation

Die Maßnahmen zeigen, dass Energieeffizienz in der Elektronikfertigung aus einer Kombination verschiedener Ansätze entsteht: eigener Stromerzeugung, optimierter Gebäudetechnik, digitalem Energiemonitoring und angepassten Produktionsprozessen. Ergänzend setzt Kontron auf Schulungen und Sensibilisierung der Mitarbeitenden.


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