Leider wenig Grund zu feiern

Plus 2,4 Prozent für die europäische PCB-Industrie

25. Februar 2026, 9:20 Uhr | Heinz Arnold
© Data4PCB

Die europäische Leiterplattenproduktion ist 2025 um 2,4 Prozent gewachsen. Allerdings: der weltweite Leiterplattenmarkt hat im selben Zeitraum um mehr als 11 Prozent zugelegt.

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Für Dieter G. Weiss von Data4PCB sind die 2,4 Plus also ganz und gar kein Grund zu feiern: »Der grundlegende Negativtrend für Europa bleibt damit unverändert bestehen. Allein eine Abwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro lässt das Bild auf USD-Basis freundlicher erscheinen und suggeriert ein Wachstum Europas von 6,9 Prozent.« 

Die Gesamtzahl der Leiterplattenhersteller sank 2025 um 11 Unternehmen auf nun 168 Hersteller mit 182 Standorten, wie er in der neusten Analyse von Data4PCB weiter mitteilt. Für 2026 rechnet Weiss mit zwei zusätzlichen Produzenten, weil TLT PCB den Betrieb aufnimmt und ein schwedischer OEM in die eigene Leiterplattenfertigung eingestiegen ist.

Auf der Ebene der Produkttypen ergeben sich keine gravierenden Verschiebungen. Rigid-Flex-Leiterplatten und flexible Multilayer zeigen jedoch einen klar positiven Trend. In den Marktsegmenten verzeichnet Data4PCB – wie erwartet – einen deutlichen Rückgang im Automobilbereich. Auch die Medizintechnik entwickelt sich rückläufig. Größter Marktsektor bleibt die Industrieelektronik, geprägt durch hohe Produktvielfalt und geringe Stückzahlen. In diesem Segment entfallen in Deutschland rund 46 Prozent der dort gefertigten Leiterplatten. ? Das Industriesegment legte um mehr als 43 Mio. Euro zu. 

Verteidigung wächst kräftig 

In absoluten Zahlen ist 2025 die Verteidigungselektronik der größte Gewinner mit einem Plus von 23 Prozent und einem Plus von mehr als 50 Mio. Euro. Die Luft- und Raumfahrtelektronik, die auf europäischer Ebene statistisch von der Verteidigungselektronik getrennt wurde, wuchs um 15 Prozent und damit um fast 23 Mio. Euro.

Im Segment Verteidigungselektronik liegt Frankreich mit rund 41 Prozent vorn, gefolgt von Großbritannien mit über 28 Prozent. Die Luft- und Raumfahrtelektronik wird mit 33,5 Prozent von Italien dominiert, gefolgt von Frankreich und Belgien. Medizinelektronik ist offensichtlich der bevorzugte Markt für Schweizer Leiterplattenhersteller, die zusammen mit Österreich mehr als 70 Prozent dieses Segments abdecken.

Deutschland verliert im dritten Jahr in Folge 

Deutschland verzeichnet inzwischen das dritte Jahr in Folge rückläufige Umsätze in der Leiterplattenproduktion. Seit 2022 hat das Land mehr als 27 Prozent seiner Umsätze in diesem Bereich verloren, während Österreich und die Schweiz im gleichen Zeitraum ein Wachstum von über 6 Prozent erreichen konnten. In Frankreich/Belgien ist zwischen 2022 und 2025 ein kräftiger Zuwachs von 32 Prozent zu beobachten; die Pro-Kopf-Umsätze weisen auf eine professionelle Strukturentwicklung hin. Großbritannien folgt mit fast 22 Prozent Wachstum in diesem Zeitraum knapp dahinter. Italien erzielte von 2022 bis 2025 ein Plus von 15 Prozent, verfügt jedoch weiterhin über viele kleine Leiterplattenhersteller und verlor im letzten Jahr zwei davon. Mittel- und Osteuropa verzeichneten – ähnlich wie Deutschland – über drei Jahre einen Rückgang von 12,5 Prozent gegenüber 2022. Hauptgrund ist die Reduktion der Unternehmen von 47 auf 33, vor allem im Bereich kleiner Hersteller.

Zahl der europäischen Hersteller wird sich halbieren

Während größere Unternehmen sich gezielt auf einzelne Marktsegmente (z. B. Luft- und Raumfahrt, Verteidigung) oder bestimmte Technologien (z. B. HDI sowie flexible und starrflexible Multilayer mit und/oder HDI) spezialisieren können, fehlt kleineren Herstellern häufig die technologische Tiefe und/oder Marktbekanntheit. Sie sind damit gezwungen, täglich einen Preiskampf gegen Anbieter aus Fernost zu führen. 

Leider der Dauerbrenner: ungerechte Zölle

»Vor diesem Hintergrund erscheint es wenig überraschend, dass Data4PCB davon ausgeht, dass sich die Zahl der europäischen Leiterplattenhersteller bis 2035 halbieren wird, sofern die Europäische Union die aus unserer Sicht unfairen Einfuhrzölle auf Grundmaterialien für europäische Hersteller nicht zurücknimmt und gleichzeitig weiterhin den zollfreien Import fertiger Leiterplatten aus Fernost zulässt«, sagt Dieter G. Weiss.

Sichere Lieferketten für Europa!

Ein weiterer entscheidender Schritt hin zu größerer europäischer Unabhängigkeit wäre die Definition sicherer Lieferketten für systemkritische Produkte in Europa – unter konsequenter Nutzung in Europa gefertigter Leiterplatten.
 


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