Exklusivinterview mit AT&S

»Die Rollen werden sich verschieben«

7. Juni 2018, 13:02 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Zukunft der Leiterplatte im Package?

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AT&S AT&S fertigt in Europa etwa 300.000 m2 Leiterplatte pro Jahr.
© AT&S

Warum könnte die Zukunft der Leiterplatte im Package liegen und wie würde sich das Geschäftsmodell für einen Leiterplattenproduzenten ändern?

Ich bin überzeugt davon, dass sich das Geschäftsmodell ändern wird. Die Leiterplatte ist das Verbindungselement zwischen den einzelnen Komponenten. Damit kommt dem Leiterplattenhersteller in Zukunft eine andere Rolle als bisher zu. Von Kundenseite sehen wir bereits eine klare Tendenz. Diese Veränderung bemerken wir vor allem im Bereich Leiterplatten-Embedding.

Ein wesentlicher Teil unserer Strategie ist es, uns als Verbindungslösungsanbieter bei unseren Kunden und in der Industrie zu positionieren. Wir stimmen das System mit Leiterplatte und Package auf die Kundenanforderungen ab und zum anderen integrieren wir die Komponenten.

Geht das auf Kosten anderer Player in der Lieferkette?

Es ist nicht gesagt, dass es auf Kosten von anderen Akteuren in der Lieferkette gehen muss. Wenn ich eine hohe Integration im Bauteil brauche, bleibt das Know-how auch beim Bauteilehersteller. Unsere Kompetenz liegt darin, wie man die einzelnen Komponenten verbindet.

Es werden sich Rollen verschieben. Aber Sie werden auch nicht alles in ein Package verpacken können und wollen. Unser Ziel ist es nicht, als Mitbewerber zum Bestücker aufzutreten, sondern als Partner, denn schließlich muss das Package ja auch wieder irgendwo verbunden bzw. verbaut werden. Das kann beim Endkunden sein, aber auch beim Bestücker. Die Wertschöpfung wird sich je nach Anforderung in die eine oder andere Richtung verschieben.

Wie groß ist Ihr Fertigungsvolumen für Packages und wie viel macht das prozentual im Verhältnis zum Gesamt-Output aus?

Wir fertigen derzeit ca. 100 Millionen Packages pro Jahr; Tendenz steigend.

Wie sieht die Zukunft der Leiterplattenfertigung in Mitteleuropa aus?

Es hat in den letzten Jahren eine enorme Konsolidierung gegeben. Und es war aufgrund des Drucks aus Asien eine schwere Zeit. Diejenigen aus unserer Industrie, die diese Zeit gemeistert haben, sind heute sehr gut ausgelastet. Es gibt einige Leiterplattenhersteller in Europa, vor allem in Mitteleuropa, denen es wirklich gut geht.

Wir fertigen in Mitteleuropa nach wie vor Serien in neuen Technologien, in denen es auch um hohe Stückzahlen geht. Wenn es unsere Werke in Österreich nicht geben würde, wären wir in Asien nicht so erfolgreich. Das hat damit zu tun, dass wir sehr eng zusammenarbeiten, indem wir hier forschen, entwickeln, Prototypen fertigen und Serien in Asien produzieren.

Ein zweiter Aspekt ist, dass wir Werke auch als Backup verwenden. Es kommt bei unseren Kunden sehr gut an, dass wir eigene Werke in beiden Kontinenten haben. Wir haben auch keine strengen Grenzen, was wir auf welchem Kontinent fertigen. Im Gegenteil: Bei uns gibt es immer große Überlappungen, also Technologien, die z.B. in Österreich und Indien gefertigt werden, etwa wenn Termindruck herrscht. Wir haben dadurch die Möglichkeit, flexibel zu agieren und unseren Kunden die Wahl zu bieten. Gerade in Ausnahmesituationen ist das sehr komfortabel.

Sind wir in Europa am Ende der Konsolidierungswelle angelangt oder wird sich die Branche hier weiter verändern?

Die europäische Leiterplattenindustrie hat schon sehr gut erkannt, wo ihre Stärken liegen und dass sie sich behaupten kann. Die preisgetriebenen Bereiche sind schon weg. Die Bereiche hingegen, wo man mit Know-how und Verständnis für das Produkt und die Kunden agieren muss, sind nach wie vor hier verortet und werden auch hier bleiben.

Den Erfolg werden nur jene Firmen ernten, die sich dahinterklemmen und das machen, was der Kunde braucht. Bei allem Streben nach den niedrigsten Kosten und dem Optimieren der Geschäftsmodelle haben immer Unternehmen miteinander zu tun, in denen Menschen arbeiten, die miteinander kommunizieren und netzwerken und hinter dem stehen, was sie tun. Und genau das macht AT&S, wir klemmen uns dahinter und leben unsere Philosophie.


  1. »Die Rollen werden sich verschieben«
  2. Zukunft der Leiterplatte im Package?
  3. Fokus auf neue Verbindungslösungen

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