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Klaus Parey zum Additive Manufacturing

»Überzeugt von der Innovationskraft«

Trumpf Group
Klaus Parey (vorne 2. v. rechts) mit dem Heraeus-Projektteam
© Trumpf Group

Additive Manufacturing zählt zu den strategisch wichtigen Bereichen bei Trumpf. Wo liegen die Potenziale und welche Rolle spielt die Digitalisierung in diesem Zusammenhang? Klaus Parey, bei Trumpf verantwortlich für den 3D-Druck, beantwortet Fragen dazu.

Welche Rolle spielt Additive Manufacturing – kurz: AM – bei Trumpf?

Eine wichtige strategische Rolle. Wir haben uns zu dieser Technologie langfristig committed und wir glauben an diese Technologie, weil wir von der Innovationskraft von AM überzeugt sind. Wir sind uns sicher, dass AM als Produktionsverfahren seinen Markt finden wird und aus einer Nischenanwendung in die Serienfertigung kommen wird. Wir wissen, dass hierzu noch erhebliche Anstrengungen notwendig sein werden. Wir müssen unter anderem an den Stückkosten arbeiten und Aufgaben in der digitalen Prozesskette lösen und die schnelle und einfache Bedienbarkeit der Maschinen.

Asiatische Hersteller drängen mit Billigsystemen auf den Markt. Welche Antwort haben Sie als ausgewiesener Qualitätshersteller?

Chinesische Wettbewerber dringen massiv in die westlichen Märkte ein, vor allem mit dem Fokus auf die Dentalbranche. Damit machen sie uns das Leben schwer. Wir erleben hier eine Entwicklung, wie wir sie aus anderen Bereichen kennen, z.B. Laser-Schreibmaschinen; hier gibt es schon eine kaum überschaubare Zahl an chinesischen Firmen. Aber Wettbewerb ist eine ganz normale Situation, wir müssen eine Antwort darauf finden und diese lautet: gute Qualität, eine gute Prozesskette und digitaler Workflow. Dies gepaart mit unserem Angebot für Schulung und Service wird uns helfen, den Wettbewerb durch die chinesischen Wettbewerber zu bestehen.

Wofür eignet sich der grüne Laser für den Einsatz in industrieller Umgebung?

Diese Wellenlänge ermöglicht bei hochreflektiven Materialien eine höhere Absorption. 3D-Druck mit grünem Laser ist ein echtes Innovationsthema. Einsatz für Edelmetalle, der andere Anwendungsbereich ist der Einsatz für Reinkupfer. Wir haben hier konkrete Projekte in der Elektroindustrie, E-Mobilität und der Antriebestechnik.

Warum grüne Wellenlänge bei Kupfer?

Wichtiger Punkt sind die deutlich besseren Absorptionseigenschaften. Man erreicht mit dieser Wellenlänge eine hervorragende Oberflächenqualität und eine hohe Auflösung für feine Strukturen.

Wie beurteilen Sie das Potenzial für AM insgesamt?

Das kommt auf die Branchen an. Wir haben Bereiche, da ist AM bereits das Mittel der Wahl, wie Dental und Medizin.
Bei Automotive ist die große Aufgabe, die Teilekosten signifikant zu verringern und die Robustheit im Prozess noch weiter zu verbessern. Wir glauben, dass die höhere Produktivität, die wir zunehmend erreichen, die Stückkosten deutlich senken wird. Und das ist der Triggerpunkt der Automobilindustrie. „Cost per Part“ ist der Schlüssel.

Wie wollen Sie die höhere Produktivität erreichen?

Hierbei geht es um den Laser an sich, aber auch durch neue Maschinenkonzepte und größere Baukammern.

Worum geht es genau bei der kürzlich geschlossenen Kooperation mit Heraeus?

Um Schweißen von amorphen Metallen. Es entstehen Materialien mit teils einzigartigen Eigenschaften: hochfest und enorm elastisch sowie korrosionsbeständig. Dies macht sie ideal zum Einsatz in verschiedenen Branchen. In Kombination mit 3D-Druck zeigt das eindrucksvoll, wie Innovation in der Materialtechnik und Produktionsverfahren zusammenkommen. Wir sind in diesem Bereich sehr zuversichtlich, dass hier der Sprung in die Serienfertigung gelingen wird.

Wann rechnen Sie beim Auto mit AM in der Serie?

Ich sehe hier Zeithorizonte zwischen drei und fünf Jahren. Aber die sind ganz klar daran gekoppelt, dass wir die genannten Triggerpunkte erreichen. Wenn wir die Kosten senken, dann sind Stückzahlen möglich, die uns alle freuen werden.

Mahle ist es in einer Kooperation mit Porsche und Trumpf gelungen, einen Hochleistungskolben aus Aluminium im 3D-Druckverfahren herzustellen. Könnte er Einzug in die Serie halten?

Das ist die Entscheidung der Automobilisten und da will ich ihnen nicht vorgreifen. Aber wir sind zuversichtlich.

Sehen Sie Binder-Jetting als Wettbewerb für 3D-Druck?

Wir sehen das als geeignetes Verfahren für bestimmte Anwendungen, aber nicht als Ersatz für die meisten 3D-Druck-Aufgaben.

Wie lauten Ihre Ziele für den Bereich AM?

Oberstes strategisches Ziel ist, AM erfolgreich als Technologie am Markt für unsere Kunden einzuführen und daraus einen Beitrag am Umsatzwachstum für die nächsten Jahre zu generieren.

Welche Rolle wird die Digitalisierung bei AM künftig spielen?

Es geht vor allem um den digitalen Datenfluss, die Ableitung der Daten für den Fertigungsprozess, der eine weitgehend automatisierte Programmierung des Baujobs ermöglicht, die Überleitung an die Maschine und der Datenfluss zu den Post-Prozessen für die Endbearbeitung. Das alles muss stimmig und schlüssig möglich sein. Damit die Anwender auch ohne sehr tiefe AM-Kenntnisse schnell Teile produzieren und damit auch Geld verdienen können.


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