Schwerpunkte

Bo Lybaek und Thomas Kaiser, GPV

»Rekordhoch an Auftragsbeständen«

02. Juli 2021, 10:00 Uhr   |  Karin Zühlke

»Rekordhoch an  Auftragsbeständen«
© GPV

Nach einem Rekordjahr 2020 für GPV setzt sich dieser Trend in Q1 fort. Auch wenn der Optimismus durch Materialsorgen gebremst wird,rechnen CEO Bo Lybaek und Executive VP Thomas Kaiser auch für 2021 wieder mit Wachstum. Neuerungen in Asien: Dort setzt GPV bei der Produktion nicht mehr auf China.

Markt&Technik: Für GPV hat sich 2020 als das beste Jahr bisher erwiesen. Sie konnten trotz Corona-Pandemie eine Rekordbilanz vorlegen. Wie hat sich das Geschäft weltweit und speziell in DACH inzwischen entwickelt?

Bo Lybaek: In der Tat konnten wir aufgrund unseres gut ausgewogenen Kundenportfolios auch im vergangenen Jahr unser Geschäftsvolumen stabil halten und haben sogar ein kleines Wachstum realisiert. Insgesamt haben wir einen Rekordumsatz von 2,89 Mrd. DKK erwirtschaftet und damit unser Vorjahresergebnis von 2,86 Mrd. DKK um ein Prozent gesteigert.

Und der positive Trend hält an: Die schnelle Erholung aller Märkte hat teilweise schon Anfang Q4/20 begonnen und zeigte starke Ergebnisse in Q1/21. Im ersten Quartal 2021 haben wir einen Umsatz von 741 Mio. DKK erzielt. Im Jahresvergleich ist das eine Steigerung von 9 Prozent. Natürlich sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden, haben allerdings noch erhebliche Herausforderungen zu bewältigen. Der Aufschwung der weltweiten Konjunktur hat zu einem deutlichen Anstieg der Nachfrage nach elektronischen Komponenten geführt, und dieser setzt unsere Beschaffungsabteilung unter großen Druck, die Lieferung von Materialien sicherzustellen. An Auftragsbeständen verzeichnen wir derzeit ein Rekordhoch, das zum Teil auf eine zunehmende Nachfrage unserer Kunden zurückzuführen ist, zum Teil aber auch auf eine enge Kommunikation mit Kunden, um Lieferungen über einen längeren Zeithorizont zu sichern.

Thomas Kaiser: Das gilt auch für die DACH-Region. Wir hatten 2020 speziell in der Schweiz einen Großauftrag für Beatmungsgeräte gewonnen und konnten dadurch ein schönes Wachstum realisieren. In diesem Jahr haben wir in der Schweiz schöne Zuwächse aus dem Semicon-Bereich zu verzeichnen. Wir bedienen hier Hidden Champions, die für Foun­dries Module für Maschinen für die Semicon-Fertigung herstellen.

Es gibt für uns derzeit keine Fokusbranche, die nicht über Plan läuft. Alles ist enorm dynamisch. Wir haben einen sehr hohen Auftragseingang, über die DACH-Region genauso wie für den Rest der Gruppe. Allerdings stellen wir fest, dass davon etwa 40 Prozent als Sicherheitsorder platziert werden, 60 Prozent basieren auf tatsächlich erhöhtem Demand.

GPV
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Thomas Kaiser, GPV »Wir sehen im Markt auf der Applikationsseite einen sehr starken Innovationsdrang hinsichtlich 5G über die gesamte Industrie hinweg. Das führt zu einer massiven Anzahl von Neuprodukten.«

Automotive ist nach wie vor kein Fokusmarkt für GPV?

Kaiser: Wir sind hier nur in sehr geringem Umfang vertreten. Insofern betreffen uns die Bewegungen des Automotive-Marktes nicht. Im Transportation-Umfeld sind wir dagegen als Zulieferer für die Bahntechnik sowie für Agrar-, Baufahrzeuge und Spezial-LKWs tätig. Der Einbruch dieser Märkte hat uns daher im letzten Jahr durchaus getroffen, aber das konnten wir durch neue Aufträge aus der Medizintechnik kompensieren.

Die Medizintechnik hat sich im letzten Jahr bedingt durch Beatmungsgeräte für viele als Retter erwiesen. Aber ist dieser Boom nachhaltig? Der Bedarf an Beatmungsgeräten dürfte doch inzwischen gesättigt sein.

Kaiser: Bei den Beatmungsgeräten ist der Bedarf in der Tat fast komplett eingebrochen; aber Analytik, Diagnostik und auch Dentaltechnik boomen weiter. Der Dentalsektor hat einen enormen Nachholbedarf, weil der Vor-Ort-Vertrieb von Dentalgeräten im vergangenen Jahr coronabedingt praktisch stillstand.

Welche Erwartungen haben Sie für dieses Jahr für GPV?

Lybaek: Die positiven Ergebnisse haben uns veranlasst, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 2,9 bis 3,0 Milliarden DKK anzuheben. Dieser positive Start wird jedoch wie gesagt von Materialengpässen überschattet, die eine Herausforderung darstellen und die termingerechte Belieferung unserer Kunden erschweren.

Und speziell für Deutschland?

Kaiser: Auch hier planen wir mit Wachstum im Einklang mit dem Rest von GPV, aber wir versuchen, das Wachstum mit zusätzlichen Aufträgen aus unserer recht starken Pipeline weiter zu beschleunigen. Positiv hinzu kommt, dass der neue General Manager, Sebastian Grundmann, gemeinsam mit unserem Head of Sales in Deutschland, Andreas Limmer, einen sehr guten Job macht.

Wo sehen Sie GPV derzeit im europaweiten Ranking der EMS-Unternehmen?

Lybaek: Wir sind immer noch sehr gut positioniert in den Top 10 und unter den größten der reinen High-Mix-orientierten EMS-Player. Wir setzen weiterhin auf einen gut abgestimmten Mix aus Standorten in Kundennähe und Best-Cost Countries rund um den Globus. Wir verfügen über starke Fähigkeiten, um Kunden entlang des gesamten Lebenszyklus ihrer Produkte zu bedienen, und eine starke finanzielle Position, die uns eine gute Plattform bietet, von der aus wir GPV weiterentwickeln und uns an der Konsolidierung im EMS-Umfeld beteiligen können.

Was meinen Sie damit konkret?

Lybaek: Ein Teil unserer Strategie ist die Kombination aus organischem Wachstum und M&A. Deshalb ist es eine Möglichkeit für uns, dass wir aktiv an der Konsolidierung teilnehmen. Aber wir kaufen nicht um des Kaufens willen, sondern es muss zu uns passen. Wir erlauben uns, in dieser Hinsicht wählerisch zu sein. Wir beobachten den Markt und haben klare Vorstellungen, was zu uns passen könnte.

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1. »Rekordhoch an Auftragsbeständen«
2. Verbesserung von Geschwindigkeit, Transparenz, Konnektivität

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