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Interview mit Rainer Koppitz, Katek

»Wollen 2021 die halbe Milliarde Umsatz knacken«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Damoklesschwert Bauteilversorgung

Das klingt ja alles sehr vielversprechend, wäre da nicht die aktuelle Mangelsituation bei den Bauteilen. Wie ordnen Sie die Lage ein?

Das ist DAS Damoklesschwert für dieses Jahr, zu dem ich derzeit die meisten Eskalations-Calls führe. Wir spüren das jetzt schon in den Zahlen im März und bereiten für einige Standorte für den Fall der Fälle Kurzarbeit vor. Und das, obwohl die Auftragsbücher krachend voll sind und die Kunden bestellen, was das Zeug hält. Aber wenn nur eine Komponente fehlt, können Sie die Baugruppe nicht bauen. Das Problem existiert an fast allen Standorten. angeführt vom Automotive-Bereich, aber auch Solar und andere Segmente sind betroffen. Wir kommen zwar sicher besser an Bauteile ran als unsere kleineren Wettbewerber, aber spurlos an uns vorbeigehen wird das Problem nicht.

Welche Faktoren spielen bei der Verknappung Ihrer Einschätzung nach die Hauptrolle(n)?

Das ist eine Melange verschiedener Faktoren. Ich habe noch nie erlebt, dass so viel Druck auf dem Kessel ist wie momentan. Wegen Corona haben sich die Kundenbedarfe sehr erratisch entwickelt. Einige Kunden haben im letzten Jahr massiv Bedarfe abgemeldet und dann dann massiv wieder zugemeldet – so funktioniert das aber eben nicht. Hinzu kommt, dass es gerade überall stark nach oben geht: Computer, 5G und auch im Automotive-Bereich geht es wieder aufwärts – und das alles auf einmal.

Gleichzeitig sind die Produzenten von Wafern, TSMC und Samsung, vollends ausgelastet. Und eine neue Fab lässt sich auch nicht binnen weniger Monate aus dem Boden stampfen. Hinzu kommt der Bedarf an Silizium, der zum Großteil aus China kommt und sehr energie-intensiv ist. Das alles lässt sich nicht über Nacht beschleunigen. Gras wächst nicht schneller, wenn man dran zieht. Aber wir haben gute Beziehung zu den Lieferanten, sodass wir bessere Möglichkeiten haben als die Vielzahl der kleinen Dienstleister.

Spielt Ihnen die Größe also auch in diesem Punkt in die Karten?

Ja, auf jeden Fall. Wir können unser Gewicht in die Waagschale werfen und etwas bewegen. Andererseits wird auch die Automotive-Industrie gerade entzaubert. Inzwischen stehen die Chips, die im Auto verbaut werden, aufgrund der geforderten Leistungsfähigkeit in direktem Wettbewerb zu Chip-Generationen, die in andere Industrien, etwa für Computer oder Kommunikationsgeräte, verbaut werden. Auf Automotive entfallen aber nur 10 Prozent des Welt-Chipbedarfes. Und das führt dazu, dass die Automobilindustrie inzwischen ein wenig demütiger wird.

Würden Sie sich mehr Support in Europa in der Chipfertigung wünschen?

Ehrlich gesagt: ja. Insbesondere, wenn man sich überlegt, wie TSMC und Samsung entstanden sind: Das waren beides strategische Unternehmungen der beiden Staaten Taiwan und Südkorea.

Auch wenn wir nicht der Meinung sind, dass der Staat der bessere Unternehmer ist: Halbleiterkompetenz ist ein so wichtiges Thema für die Zukunft – und das nicht nur im Sinne von „Lösungen entwickeln“, sondern auch im Hinblick auf deren Fertigung – dass man es sich in Europa nicht leisten kann, einfach nur daneben zu stehen und zuzuschauen. Hilflose Briefe schreiben – wie der Bundeswirtschaftsminister nach Taiwan – bringt uns da nicht weiter. So vieles besteht aus Elektronik in unserer Welt. Und das wird in Zukunft nicht weniger werden. Die Elektronifizierung der Welt geht unaufhaltsam weiter. Es steigt der Anteil von Elektronik in Produkten und es gibt immer mehr Endprodukte, die Elektronik beinhalten. Europa braucht diese Basis. Da muss etwas passieren, dass wir wettbewerbsfähig bleiben.

Wo sehen Sie zusammenfassend für Katek die Stoßrichtung für die Zukunft?

Wir wollen auf jeden Fall in den Wachstumsmärkten, die durch Megatrends unterlegt sind, aktiv dabei sein. Wir nennen diese Bereiche High Value Electronics. Das sind konkret: E-Mobility, Renewables, Healthcare, Digitalisierung der Agrarwirtschaft, IoT. Auch bei der Miniaturisierung mit dem Know-how des Prototypings, sehr relevant in der Semiconductor- und Healtcare-Industrie, wollen wir uns definitiv weiter verstärken.

Könnte das dazu führen, dass sich Katek weiter in Richtung OEM/ODM entwickelt?

Wir sind ja in einigen Bereichen schon OEM, etwa als Tier-One bei Charging Solutions für einen der weltgrößten Automobil-Konzerne. Aber wir achten stets darauf, dass wir nicht in direktem Wettbewerb zu unseren Kunden stehen.

Abschließend: Ihr Ausblick für 2021?

Die größte Herausforderung ist, wie gesagt, das Materialthema. Darüber hinaus werden wir sicher ein bis zwei weitere Akquisitionen in diesem Jahr tätigen. Dabei wird es aber voraussichtlich weniger darum gehen, weiteres Volumen hinzuzufügen, sondern Facetten, die uns noch besser und stärker werden lassen. Ein Beispiel wäre, die Kundenschnittstelle über die Ketten hinweg zu digitalisieren: also von der Materialbeschaffung bis zur Fertigung. Das Thema ist in Europa noch unterentwickelt. Da ist man in den USA schon deutlich weiter. Mein Ziel ist, dass wir uns an einem Startup beteiligen, das führend ist in diesem Bereich – die Kombi eines solchen Elektronik-Digital-Startups mit uns als einem der Branchenführer könnte etwas ganz Neues entstehen lassen und eine Vitaminspritze für beide Seiten und die ganze Industrie sein.

Wir wollen außerdem weiter stark organisch wachsen. Mit dem Zukauf der Leesys haben wir eine gute Chance, dass wir dieses Jahr die halbe Milliarde Euro Umsatz knacken können!
 

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