Nicht verfügbare Bauteile

In drei Schritten zu mehr Liefer-Performance

8. Dezember 2022, 14:09 Uhr | Karin Zühlke
Perzeptron
Macht Prioritäten für die Auftragsabwicklung sichtbar: die Software MiG – Materialwirtschaft im Gleichgewicht von Perzeptron
© Perzeptron

Wer die Auswirkungen der aktuellen Versorgungskrise begrenzen und seine Liefer-Performance steigern will, muss die internen Probleme lösen und Auftragsklarheit zurückgewinnen. Drei Schritte sind dafür notwendig – und der Mut, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und zu verbessern.

Vollautomatische Rüstung, Bestückungsgeschwindigkeiten von zigtausend Bauteilen pro Stunde und ausgefeilte Lötverfahren: Die Elektronikfertigung ist hochtechnisiert. Doch was bringt’s, wenn Bauteile fehlen? Wenn Aufträge nicht gefertigt und Kunden nicht fristgerecht beliefert werden können? Das Nadelöhr ist oft der Einkauf. »Statt High Tech herrscht hier allzu oft das Chaos in Excel-Listen«, sagt Markus Renner, Geschäftsführer des Software- und Beratungsunternehmens Perzeptron.

»Wenn der Überblick fehlt und nicht klar ist, welche Aufträge realisiert werden können und welche nicht, rechnen alle Systeme falsch.« Um das zu verhindern, empfiehlt er drei Schritte, mit denen Unternehmen ihre Daten aufräumen, mehr Planungssicherheit erhalten und eine messbare, geringe Fehlteilquote erreichen können. Darüber hinaus sorgt das für eine Entspannung in der kompletten internen und externen Supply Chain und eine höhere Liefertreue beim Kunden – auch in der derzeit angespannten Bauteilsituation.

1. Den Auftrag im Blick – nicht das Fehlteil

Fehlteile suchen und aufwendig beschaffen – das ist der Arbeitsalltag für viele Einkäufer in der EMS- und Elektronikbranche. Oftmals um dann festzustellen, dass genau dieses Bauteil für einen Fertigungsauftrag in der Zukunft im Lager reserviert ist, der aber ohnehin aus anderen Gründen nicht gefertigt werden kann. Oder dass ein ganz anderes Bauteil die Fertigung verhindert, das zwar generell lieferbar ist, aber nun nicht bestellt wurde und damit auch nicht mehr termingerecht beschafft werden kann. »Die Folge sind Lieferterminverzüge, hohe Kapitalbindung durch unnötig volllaufende Lager und sinkende Produktivität – ganz abgesehen vom Frust bei Mitarbeitern und Kunden«, so die Erfahrung von Renner und seinen Kollegen, die seit über 30 Jahren Unternehmen in der Elektronikbranche zur Optimierung von Prozessen rund um Supply Chain, Materialwirtschaft und Fertigungsplanung beraten.

Ihrer Erfahrung nach verursachen Fehlteile durch solche Planungsfehler ebenfalls Lieferterminverzüge, die im Chaos der Daten nicht erkannt werden können. Deshalb reicht die Fokussierung auf die wirklich nicht verfügbaren Bauteile nicht aus. Markus Renner: »Es gilt, diesen internen Planungsfehlern und dem daraus entstehenden Teufelskreislauf den Prozess zu machen – im wahrsten Sinne des Wortes: mit einer auftragsbezogenen Prozessbetrachtung, die hilft, Klarheit zum Status von Fertigungsaufträgen zu erhalten.« Welche Fertigungsaufträge können fristgerecht produziert werden? Welches Bauteil steht der fristgerechten Fertigung eines Auftrags im Weg und wie kann ich es zu welchem Termin beschaffen? »Wenn alle Terminketten kontinuierlich an der Realität ausgerichtet werden, jeder denselben, genau jetzt wichtigen Auftrag erkennt und alle Beteiligten nach diesen Prioritäten arbeiten, wird der Einkauf zum Katalysator für die Fertigung – und nicht zum Hemmschuh«, so Renner.

Durch termingerecht eingestreutes Material können Lagerhaltung und Kapitalbindung optimiert und Kunden zum vereinbarten Termin beliefert werden. Gleichzeitig werden Probleme im Nahbereich frühzeitig erkannt und beseitigt. Aufträge, die nicht unmittelbar produziert werden können und die Sicht vernebeln, werden neu terminiert. So rücken kontinuierlich und automatisch die realisierbaren Aufträge in den Fokus. Ihre Abarbeitung ist dann das Tagesgeschäft – ruhig und geordnet.

2. Transparente Daten statt endloser Excel-Listen

Lagerbestand, Materialzufluss, Händlerabfragen und Kalkulationen bilden die Basis für fundierte Einkaufsentscheidungen. Diese Daten sind enorm wertvoll und sollten entsprechend genutzt werden. Dafür eignen sich Programme, die auf Knopfdruck die besten Angebote anzeigen – nach Preis, Lieferzeit, Materialüberhang und anderen relevanten Faktoren sortiert. So lassen sich Kalkulationen und Bestellungen schneller und einfacher gestalten und analysieren, Kostentreiber identifizieren und Materialkosten differenziert betrachten. Das Gleiche gilt für alle Daten rund um das Fertigungsmanagement – von der Ressourcen- bis zur Fertigungsplanung. Markus Renner: »Auch hier gilt: Überblick und Klarheit verhindern Fehlentscheidungen und erhöhen die Effizienz.«

3. Gemeinsame Erkenntnisse statt Datensilos

Kann der Kunde fristgerecht beliefert werden? Diese zentrale Frage beschäftigt Vertrieb und Projektmanager ebenso wie die direkt beteiligten in Fertigung, Lager und Logistik – und selbstverständlich auch Geschäftsführung und Controlling. Hier sollten alle Beteiligten dieselben Daten sehen: »Nur ein verlässlicher Informationsaustausch ermöglicht auch eine effiziente Zusammenarbeit«, sagt Markus Renner. »Deshalb ist unerlässlich, dass alle Beteiligten auf denselben Datensatz zugreifen, jeweils mit für sie eigenen Ansichten und Analysen. Das spart oft aufwendige Absprachen, macht Prozesse transparent und erleichtert die Kollaboration.«

So werden Prioritäten für die Auftragsbearbeitung erkennbar

Die Herausforderung bei der Umsetzung dieser drei Schritte: Unternehmen benötigen eine Aufbereitung und Darstellung ihrer Daten, die einen transparenten Überblick über Kunden- und Fertigungsaufträge, Einkaufssituation und Arbeitsvorrat bietet und Prioritäten für die Auftragsbearbeitung sichtbar macht. Genau dafür wurde die Software MiG von Perzeptron entwickelt. Sie kann einfach und schnell an jedes ERP-System angebunden werden und ist in kürzester Zeit einsatzbereit. Dabei werden Daten aus dem vorhandenen ERP-System lediglich ausgelesen, analysiert und in verschiedenen Dashboards visualisiert, aber weder verändert noch an externe Server übermittelt. 

Das Programm ist ohne Risiko einsetzbar und erfüllt auch höchste Anforderungen an Sicherheit und Datenschutz. Das intelligente ERP-Tool bietet weitere Vorteile wie etwa eine integrierte Verfügbarkeitsprüfung für Bauteile. Mit einem Mausklick können Anwender damit erkennen, wo kritische Bauteile alternativ beschafft werden können, zu welchem Preis und in welcher Stückzahl.

Mehr Menschlichkeit und bessere Performance

Bauteile auftragsbezogen betrachten und Prozesse konsequent nach dem Fertigungsdatum ausrichten, Daten effizienter und gemeinsam nutzen und unnötige Aufwände für die Suche nach Fehlteilen ad acta legen – zusammen mit Excellisten und anderen Hilfsmitteln, die nicht den hohen Anforderungen an Aktualität und Transparenz in der hochtechnisierten Elektronikfertigung angemessen sind: Mit MiG und diesen drei Schritten kommen Unternehmen zu mehr Effizienz und Produktivität, können ihre Liefertreue steigern und damit die Zufriedenheit ihrer Kunden erhöhen.

»Gleichzeitig stellen sie Ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt und schaffen ihnen Freiheit für strategisches Arbeiten, langfristige Planung und bessere Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten«, so Markus Renner. »Unsere Praxiserfahrung in der Elektronikindustrie zeigt, dass Unternehmen damit innerhalb weniger Monate relevante Kennzahlen signifikant verbessern und ihre Kapitalbindung um sechs- bis siebenstellige Beträge reduzieren können. Damit heben sie ihre Produktivität auf ein völlig neues Level. Das lohnt sich sofort – und macht Unternehmen gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft.«

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