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EMS-Firmen zwischen „New Normal“ und Dauerstress

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Gut 18 Monate nach Pandemiebeginn ermöglichen passable Impfquoten in den EMS-Betrieben inzwischen mehr Normalität. Doch die Material­misere sorgt für Dauerstress. Wie sieht das „New Normal“ in der EMS-Industrie aus?

Zwei Jahre Krisenmanagement, das spürt man in der ganzen Organisation«, so bringt Zollner-Vorstandsmitglied Markus Aschenbrenner die aktuelle Situation auf den Punkt. Eigentlich stehen die Zeichen dank der Impfmöglichkeiten langsam auf Entspannung. Doch das Störfeuer „Material“ befeuert den Dauerstress für die EMS-Firmen weiter. Von einer neuen Normalität lässt sich daher nur bedingt sprechen. Denn von „normal“ im Sinne von planbar kann derzeit in der Elektronikproduktion keine Rede sein. »Hut ab vor der Belegschaft in unserer Industrie, was sie an Flexibilität an den Tag gelegt hat«, meint Gerd Ohl, Gesellschafter und Geschäftsführer von Limtronik. Die Auswirkungen der Pandemie auf den Arbeitsalltag sind allerorten nach wie vor spürbar und belasten Arbeitnehmer und Management. Doch während einerseits eine zaghafte Entspannung in Sicht ist, entwickelt sich die Lieferkette bei der Materialbeschaffung zum Albtraum. Mal ist nicht genügend Material da, um zu fertigen, und mal kommen alle Teile für sämtliche Aufträge auf einmal. Der Druck auf Mitarbeiter und Management ist enorm. »Wir diskutieren derzeit Regularien, wie wir Aufträge in naher Zukunft annehmen, um Druck aus der Organisation herauszunehmen«, erklärt Andreas Schneider, Geschäftsleiter und Prokurist bei BMK. »Doch dem Kunden das zu erklären ist durchaus ein Drahtseilakt.« Marco Balling, Geschäftsführer productware, sieht es als Managementaufgabe, Stress und Druck abzufedern, und findet deutliche Worte: »Ich führe Gespräche mit den Kunden, was die Erwartungshaltung ist und was wir aktuell leisten können. Denn allein durch Druck bekommt man eine Situation nicht gelöst. Wir werden nicht besser arbeiten, wenn wir den Druck erhöhen. Es muss einen Dialog geben und es gibt Grenzen, die wir auch kommunizieren.«

Kurzarbeit hilft,
aber nicht bei jeder Firmengröße

Wo die Linien aufgrund fehlender Komponenten stillstehen, kommt trotz voller Auftragsbücher die Kurzarbeit zum Einsatz; für die Betroffenen eine weitere Belastung. Felix Timmermann, EVP von Asteelflash ist dennoch froh über diese Möglichkeit: »Wir haben hier mit Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten Flexibilisierungs-Tools, die woanders nicht zur Verfügung stehen. Den Kollegen in den USA bleibt in solchen Situationen nur die Entlassung.« In den USA sind derartige Kündigungen bekanntermaßen sehr einfach, aber dann sind die Mitarbeiter weg und mit ihnen auch das Know-how. Für die Firmen ist das ein Glücksspiel, denn: »Wenn wieder produziert wird, müssen neue Mitarbeiter erst angelernt werden. Uns hat es hier sehr geholfen, dass wir diese Tools haben und die Mitarbeiter halten können und wieder auf ihr Wissen zugreifen können. Das ist ein großer Vorteil für Zentral­europa«, unterstreicht Timmermann.

Roland Hollstein, Geschäftsführer von Grundig Business Systems, sieht diese Vorzüge der Kurzarbeit allerdings nur bedingt: »Sie benötigen hierzu eine kritische Größe, um gewisse Dinge umsetzen zu können. Beispiel: Kurzarbeit ist sicher ein gutes Instrument, aber wenn Sie einzelne Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, um eine Quote zu erreichen, könnte Ihnen ein ganzes Kartenhaus zusammenbrechen, weil insgesamt die kritische Masse, um Projekte zu realisieren, nicht mehr vorhanden ist. Je größer man ist, umso besser kann man skalieren.«


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  2. »Drang zurück an den Arbeitsplatz«

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