Gedruckte Elektronik

Wolfgang Mildner, LOPEC: »Zölle sind Gift!«

17. März 2026, 7:30 Uhr | Engelbert Hopf
Wolfgang Mildner, General Chair der LOPEC/CEO MSWtech: »Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Herausforderungen: Der Fokus der Branche richtet sich nach vorne, was sich in steigender Investitionsbereitschaft für 2026 ausdrückt und dem breitflächigen Ausbau der Mitarbeiterzahlen.«
© Loepc

Forscher, Ingenieure, Business Developer und Entscheidungsträger – sie alle trafen sich in großer Zahl auf der LOPEC in München. In den Messehallen war die gesamte Fertigungskette präsent.

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Über die aktuelle Situation der Branche sprachen wir mit Wolfgang Mildner, General Chair der LOPEC und CEO des deutschen Beratungs- und Technologieunternehmens MSWtech.

Markt&Technik: Herr Mildner, die Prognosen der OE-A bewegen sich nur im soliden einstelligen Bereich. Könnten die Gold- und Silberspekulationen Anfang des Jahres für Verunsicherung gesorgt haben?

Wolfgang Mildner: Das hat sicher einen Einfluss gehabt, aber ich gehe eher davon aus, dass die Haltung der Automobilbranche, viele Projekte und Pläne nach hinten zu schieben, mindestens einen genauso großen Einfluss hatte. Aber natürlich, wenn die Metallpreise explodieren, werden Silber-, Kupfer- und Goldpasten eben deutlich teurer. Gleichzeitig weckt das aber den Innovationsgeist. So hat Henkel etwa auf der LOPEC Tinten mit recyceltem Silber angekündigt, um so die Abhängigkeit von Preisschwankungen zu reduzieren.

Sicher etwas überraschend: Trotz der geringeren Wachstumserwartungen wollen die Firmen 2026 stärker als im Vorjahr investieren und ihren Personalstamm weiter ausbauen. Klingt fast paradox?

Eigentlich nicht. Sie müssen sehen, dass die Aussichten im Herbst letzten Jahres wirklich nicht gut waren. Im Rückblick war die Situation damals aber nicht so schlecht, wie man sie wahrgenommen hat. Dazu kommt die positive aktuelle Entwicklung. Die Leute nehmen eine gewisse Morgendämmerung wahr und darauf wollen sie sich rechtzeitig vorbereiten. Und neue Mitarbeiter sind eben nicht sofort einsatzfähig, sie müssen erst an ihre Jobs herangeführt werden. Das will man jetzt machen, um für die Zukunft, also vor allem 2027 und die Zukunft, gerüstet zu sein.

Täuscht der Eindruck oder hat sich die LOPEC inzwischen schwerpunktmäßig zu einer Automobil-/Automotive-Zulieferer-Veranstaltung entwickelt?

Automotive, das heißt heute in Bezug auf gedruckte und flexible Elektronik, dass es sich um Produktgeschäft und laufende Serien handelt. Automotive weiß heute, was es mit dieser Enabler-Technologie erreichen kann. Automotive unterliegt aber auch Trendwellen. Musste vor einigen Jahren noch alles Touch sein, gehen manche heute wieder einen Schritt zurück und setzen Taster mit haptischem Feedback ein. Nehmen Sie ein anderes Beispiel. Auf der LOPEC haben E Ink, Marquardt und Covestro eine Lösung vorgestellt, die es erlauben wird, den Innenraum von Fahrzeugen farblich je nach Stimmung zu verändern. Das wird nicht nur im Automotive-Bereich bleiben, das wird mit Sicherheit auch im Smart-Living-Bereich oder dort vielleicht auch im Möbelbereich Einzug halten. Und dann wäre da noch der Solarbereich. Da gibt es neue Einsatzfelder, die mit dem Projekt SolarTap der Helmholtz-Institute eruiert wurden. Da geht es nicht darum, kristallinen Solarzellen Konkurrenz zu machen, sondern neue Anwendungsbereiche zu finden, die kristalline Zellen nicht abdecken können. Eine solche Lösung hat etwa das schwedische Start-up Epishine auf der Messe vorgestellt. Eine TV-Fernbedienung, die ihren Strom aus dem Raumlicht zieht und damit die Nutzungsdauer der verwendeten Akkus deutlich verlängert.

Bleiben wir beim Auto. Flexible gedruckte Elektronik profitierte stark vom E-Mobility-Boom. Inzwischen schreiben große Automobilkonzerne Milliardeninvestitionen in E-Mobility ab. Welche Auswirkungen hat das auf Ihre Branche?

Erfreulich ist diese Entwicklung nicht. Wie es da weitergeht und welche Auswirkungen es dann auf die Branche der gedruckten und organischen Elektronik haben wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Aber ich denke, das Thema Batterie-Management-System spielt in die volle Wertschöpfungskette hinein. Richtung Wirkung zeigen wird das Ganze dann noch einmal mit der Umstellung auf Solid-State-Batterien. Was da möglich zu sein scheint, auch mit Methoden aus der gedruckten Elektronik, zeigt ja gerade auf spektakuläre Weise das finnische Start-up Donut Lab.

Wenn Sie sich das Kongressprogramm und die Aussteller in diesem Jahr ansehen, gibt es einen Trend, der im letzten Jahr noch nicht so richtig sichtbar war?

Vielleicht die Tatsache, dass all die Daten, die über gedruckte und organische Elektronik gesammelt werden, in Zukunft verstärkt von KIs genutzt werden könnten, um Prozesse zu optimieren. Da müssen ganze Prozessketten aufgebaut werden. Dann hilft uns KI auch dabei, die Skalierung in der Produktion von gedruckter und flexibler Elektronik zu verbessern und zu vereinfachen. Microsoft hat in seinem Gastvortrag über beide Ziele gesprochen: gedruckte Elektronik für KI als Datenquelle und KI für gedruckte Elektronik zur Verbesserung und Skalierung.

Nochmal zum Kongress – welcher Vortrag, welche Keynote hat Sie in diesem Jahr am meisten begeistert, und warum?

Das ist so schwierig wie die Frage nach dem Lieblingskind. Ich habe mich über den Vortrag von Prof. Dr. Luisa Petti gefreut, »Wearables for Apples«, das war schon sehr beeindruckend. Ihr Forschungsschwerpunkt an der Freien Universität Bozen liegt ja bei Wearables für Menschen und Pflanzen, unter dem Motto: »From Skin to Leaf«. Auch hier geht es letztlich um die Verbesserung von Produktionsprozessen, um Erträge zu verbessern. Das gilt auch für die Obstbauern in Südtirol. Und was mir auch von dem Vortrag von Prof. Petti gefallen hat: Er war »hands on«, keine theoretische Abhandlung, sondern ganz praktisch in der Landwirtschaft umsetzbar.

Kaum erklärt der Supreme Court Trumps Zölle letztlich für verfassungswidrig, kündigt Trump neue weltweite Zölle von 15 Prozent an. Planungssicherheit sieht anders aus. Wird dieses Zoll-Chaos 2026 Einfluss auf die Marktentwicklung haben?

Wir sprechen ja immer noch von einer vergleichsweise jungen Industrie, die teilweise noch Probleme bei der Skalierung ihrer Produkte hat. Da kommen solche unkontrollierbaren, teils unvorhersehbaren Veränderungen des Umfelds natürlich zur Unzeit! Solche Veränderungen können zu Stillstand führen, und das ist Gift! Da wären wir dann auch wieder beim Thema praxisnahes Denken in der Politik – ein weites Feld.

Bleiben wir bei Trump. Er arbeitet ja mit Hochdruck an einer weiteren Schwächung des Dollars. Aktuell stehen wir bei 1,18 Dollar für einen Euro. Wenn sich das Richtung 1,30 Dollar und mehr verschiebt, welche Auswirkungen hätte das auf die Branche?

Wenn man das Pech hat, Verträge in Dollar abgeschlossen zu haben, muss man da jetzt durch. Wenn es das Ziel ist, durch einen niedrigen Dollar mehr Produktion in die USA zu bekommen, glaube ich nicht, dass das funktioniert.

Thema faltbare Elektronik. Im Consumer-Bereich bietet bislang nur Samsung ein größeres Produktportfolio faltbarer Handys an. Hat sich das Thema faltbare oder aufrollbare Displays zu einer Sackgasse entwickelt, oder werden wir da zeitnah noch Überraschungen erleben?

Falten ist das eine, rollbare Displays sind das andere. Falten ist vom ganzen Ablauf her wesentlich komplexer als Rollen. Beim Falten geht es um Biegen mit einem definierten Radius. Da ist mechanische Hilfe notwendig. Das Aufrollen von Displays ist dagegen einfacher zu realisieren. Das ist eine kontinuierliche Bewegung. Auf der CES wurde ja ein Signiature Fernseher von LG mit aufrollbarem OLED-Display vorgestellt. Lenovo hat mit dem ThinkBook Plus Gen 6 Rollable zudem vor kurzem einen Laptop mit ausrollbarem Display auf den Markt gebracht. Wenn ich das in ein Handy integriere, habe ich ein Handy mit einem ausziehbaren Display, oder ich falte es auf wie ein Tablet. Die Frage ist: Wie groß ist der Markt für diese Art von Produkten? Zumindest ist inzwischen Samsung nicht mehr alleine als Anbieter vertreten.

In den letzten Jahren war von einer Renaissance der organischen Photovoltaik die Rede. Kann es sein, dass gerade dieses Segment der Branche, das seine Kunden vor allem in Asien findet, inzwischen unter den Auswirkungen der Trumpschen Zoll- und Wirtschaftspolitik leidet?

Ich denke, die Lösung wird sein, in kleineren Segmenten zu wachsen. Da sind die Unternehmen nicht so abhängig vom Absatz großer Stückzahlen. Natürlich ist das eine Seitwärtsbewegung, die ohne diese zollpolitischen Maßnahmen wahrscheinlich nicht nötig wäre. Wie sehr das Geschäft in Asien derzeit unter Trumps Zollmaßnahmen leidet, kann ich aktuell nicht selbst beurteilen.

Wehrtechnik ist der neue »Rising Star« der Elektronikbranche. Sehen Sie entsprechende Entwicklungen auch im Kongressprogramm und in der Ausstellung, oder erfolgt das gegenseitige Sondieren derzeit eher im Stealth-Modus?

Es gibt da sicher bereits entsprechende Lösungen. Zu unseren Eigenschaften dünn, flexibel und leicht kommt bei diesen Anwendungen aber noch eine Anforderung hinzu: Robustheit! Da muss ich dann vielleicht wirklich einmal unter Beweis stellen, dass mein Produkt eben sowohl bei –80 als auch bei +125 °C zuverlässig funktioniert. Das Thema wurde ja auch auf einem Roundtable am ersten Messetag diskutiert.

Im Vergleich zum letzten Jahr gab es ja einige Neuerungen auf der LOPEC. Wie ist Ihr Eindruck nach der Messe, welche Neuerungen werden besonders gut angenommen? Wo wäre 2027 noch Luft nach oben?

Ich bin der Ansicht, es gelingt der LOPEC von Jahr zu Jahr besser, sich nicht nur auf nationaler Ebene immer deutlicher als die Veranstaltung zu präsentieren, auf der ich über die gesamte Wertschöpfungskette kompetente und erfahrene Ansprechpartner finde, wenn ich in meiner Anwenderbranche darüber nachdenke, die Vorteile gedruckter und flexibler Elektronik zu nutzen. Und dazu haben auch die Neuerungen dieses Jahres wieder beigetragen.


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