Interview »Beratung auf Augenhöhe«

Junge Gründer brauchen Unterstützung. Um Start-ups gezielt zu fördern, hat Distributor Rutronik nun ein eigenes Team gegründet. Wir haben mit Marek Fuchs, dem Leiter des BaseCamp-Teams, über seine Arbeit gesprochen.

Marek, Du leitest das BaseCamp-Team. Warum forciert Rutronik24 die Zusammenarbeit mit Start-ups?
Das hat viele verschiedene Gründe. Als inhabergeführtes Unternehmen im »Ländle« ist es uns allen voran ein wichtiges Anliegen, junge Unternehmen zu fördern und so auch dafür zu sorgen, dass die Technik im Land bleibt. Als »Lehrunternehmen« mit vielen Jahren Erfahrung haben wir außerdem seit jeher einen guten Draht zu jungen Menschen. Der Einstieg für sie ist nicht immer einfach. In Deutschland ist – wenn es um Start-ups geht – nur wenig geklärt und noch weniger geregelt. An diesem Punkt wollen wir die Unternehmen und ihre Gründer an die Hand nehmen. Denn wir haben das Know-how, um ihnen zu helfen. Als Teil eines Familienunternehmens liegen uns dabei besonders langfristige und nachhaltige Projekte am Herzen.

Wie lange gibt es das BaseCamp-Team bereits?
In lockerer Konstellation gibt es uns bereits seit etwa zwei Jahren. Dabei sind wir – als neue Abteilung – quasi selbst eine Art Start-up, was es uns natürlich besonders leicht macht, mit jungen Unternehmen in Kontakt zu treten und ihre Bedürfnisse zu verstehen – Beratung auf Augenhöhe sozusagen. Das kleine Team und der damit verbundene »Gründerspirit« machen uns darüber hinaus sehr beweglich und extrem schnell, wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen. Das kommt auch unseren Partnern zu Gute.

Welche Voraussetzungen müssen Unternehmen erfüllen, um mit dem BaseCamp-Team zusammenzuarbeiten?
Viele unserer Kontakte zu Start-ups entstehen über unsere enge Zusammenarbeit mit Lehranstalten. Universitäten, Fraunhofer-Institute und andere technische Anstalten suchen den Kontakt zu uns, weil sie zum Beispiel Muster benötigen. Oft entstehen aus diesen Projekten dann Unternehmen und eine enge Zusammenarbeit. Wichtig ist uns vor allem, dass wir junge Unternehmen in der ersten Phase der Komponenten- und Marktfindung fördern – keine bereits etablierten Firmen. Außerdem sollte es um Hardware gehen, nicht um die hundertste App oder Software. Denn dort liegt unsere Expertise.

Wie kommen Gründer und solche, die es werden wollen, mit Euch in Kontakt?
Wir wollen Entwickler und Ingenieure bereits in der Anfangsphase unterstützen. Dazu ist es wichtig, sich in einem Umfeld zu bewegen, in dem viele Start-ups entstehen. Darum pflegt Rutronik schon seit vielen Jahren einen engen Austausch mit technischen Hochschulen und Universitäten. So kommen viele Kooperationen zustande. Aber auch über Empfehlungen. Essenziell ist für uns aber darüber hinaus das Networking auf Events wie der Innolution Valley und die Zusammenarbeit mit IHKs. Natürlich haben Gründer aber auch die Möglichkeit, uns über einen Kontaktbutton auf unserer Website direkt anzusprechen. Aber egal, wie der Erstkontakt zustande kommt, wir freuen uns auf Austausch mit kreativen Köpfen. Im nächsten Jahr sind wir außerdem mit einem eigenen Rutronik24-Truck auf Messen und Events unterwegs. So können wir noch mehr Präsenz zeigen und schaffen gleichzeitig eine Begegnungsstätte.

Mit welchen Start-ups arbeitet Ihr zusammen? Kannst Du uns ein Beispiel nennen?
Kooperiert haben wird unter anderem mit dem Schweizer Start-up Nopix, das ein elektronisches Mückenschutzband, das „Nopixgo“, entwickelt hat. Das Biopulse-Modul des Armbands arbeitet mit schwachen elektromagnetischen Impulsen und Wellen, die das Stechverhalten von Mücken stören. So ist der Träger vor Mückenstichen geschützt, ohne auf chemische, oftmals giftige Hilfsmittel zurückgreifen zu müssen. Ein spannendes Projekt, bei dem wir neben dem Support auch an der Entwicklung und der Markteinführung beteiligt waren.

Wie läuft die Zusammenarbeit ab?
Nach der ersten Kontaktaufnahme prüfen wir, ob die Zusammenarbeit mit dem Start-up sich lohnt. Das heißt, wir schauen, ob das Produkt eine Chance hat, auf dem Markt zu bestehen. Dazu nutzen wir unser bestehendes Know-how im Haus und tauschen uns intensiv mit unseren Kollegen aus, die Experten für den jeweiligen Markt oder die spezifische Anwendung sind. Sie sind tagesaktuell über die Strömungen in den verschiedenen Branchen informiert und können so in kurzer Zeit ermitteln, ob vielleicht schon jemand anderes an einem ähnlichen Produkt arbeitet oder im Markt vielleicht gar kein Bedarf vorherrscht. Zusätzlich arbeiten wir mit den jungen Unternehmen an ihrem Businessplan und erstellen Prognosen für deren finanzielle und wirtschaftliche Zukunft. Auch mit den Vertriebswegen und der Wertschöpfungskette befassen wir uns. Für Hardware-Start-ups ist vor allem die Materialbeschaffung ein essenzieller Aspekt, der nicht vernachlässigt werden darf. »Schlägt das Produkt ein«, muss geklärt sein, wer beispielsweise die benötigten Platinen in ausreichender Menge herstellen kann. Auch die Zusammenarbeit mit den Bestückern ist elementar. Hier können wir als drittgrößter Distributor für elektronische Bauteile in Europa mit unserer jahrzehntelangen Erfahrung einen optimalen Support für Unternehmensgründer bieten.

Worauf legt Ihr bei der Zusammenarbeit wert?
Transparenz ist absolut wichtig. Wir wollen für unsere Partner da sein und pflegen einen regen Austausch. Dazu besuchen wir die Unternehmen auch regelmäßig vor Ort und fördern die Zusammenarbeit zwischen den Start-ups und unseren Produktmanagern und Applikationsingenieuren. Nichts ist wichtiger als eine regelmäßige Kommunikation.

Vielen Dank für das Gespräch, Marek!