Schwerpunkte

Hybride Arbeitsmodelle

»Die Coronakrise könnte einen Schub fürs Homeoffice bedeuten.«

21. Juli 2020, 09:30 Uhr   |  Selina Doulah

»Die Coronakrise könnte einen Schub fürs Homeoffice bedeuten.«
© Pixabay

Zwischen Präsenz und Homeoffice: Die Coronakrise könnte einen Schub fürs Homeoffice ausgelöst haben. Der persönliche Austausch soll dabei aber nicht komplett wegfallen. Das hybride Arbeitsmodell wird sich voraussichtlich durchsetzen, wie ein Beispiel bei Siemens zeigt.

Corona hat viele Deutsche ins Homeoffice geschickt. Viele von ihnen arbeiten für gewöhnlich im Büro: Bundesweit gibt es 14,8 Millionen Büroarbeiter, Tendenz steigend. Das hatte jahrelang Folgen: Weil die Büromieten nach oben kletterten, wichen viele Firmen aus den Innenstädten in benachbarte Kreise aus, zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Die Studie untersucht auch, wie verbreitet Homeoffice bei Bürobeschäftigten ist – schließlich ist Schreibtischarbeit prädestiniert für Homeoffice. Etwa 85 Prozent der Büroarbeiter könnten theoretisch auch zuhause arbeiten, wie nun auch Corona belegte.

Letzte Woche veröffentlichte das ifo Institut eine Studie zu den Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitssituation: Mehrheit der Unternehmen will Homeoffice dauerhaft ausweiten.

Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern

Knapp über die Hälfte (54 Prozent) der Unternehmen in Deutschland wollen Homeoffice demnach dauerhaft stärker etablieren. Dies zeigt eine Studie des ifo Instituts, die im aktuellen ifo Schnelldienst erscheint. Die Studie basiert unter anderem auf Auswertungen von Daten aus aktuellen ifo Unternehmensbefragungen und einer Mitgliederbefragung des Netzwerks LinkedIn. »Die Coronakrise könnte einen dauerhaften Schub fürs Homeoffice bedeuten«, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien und Koautor der Studie.

»Dass Jobs in Zukunft vollständig ins Homeoffice verlagert werden, dürfte dennoch die Ausnahme bleiben«, erläutert Jean-Victor Alipour, Koautor der ifo-Studie und ergänzt: »Zum einen wissen wir, dass der Mangel an sozialen Kontakten im Homeoffice dauerhaft eine Belastung sein kann, zum anderen lässt sich kreativer Austausch und der Transfer von Ideen und Wissen nicht vollständig ins Digitale verlagern. Es ist wahrscheinlicher, dass sich hybride Arbeitsmodelle zwischen Präsenzarbeit und Homeoffice durchsetzen werden. Durch sie lassen sich die Vorzüge von Autonomie und Flexibilität im Homeoffice und die des sozialen Austauschs im Betrieb vereinen.«

»Mobiles Arbeiten bei Siemens gab es schon immer, aber jetzt gehen wir einen Schritt weiter.«

Nun hat Siemens entschlossen, die Möglichkeiten für Homeoffice fest zu verankern: »Die Corona-Krise hat einen Digitalisierungsschub ausgelöst. Mobiles Arbeiten bei Siemens gab es schon immer, aber jetzt gehen wir einen Schritt weiter. Basis für dieses zukunftsweisende Arbeitsmodell ist eine Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur. Damit verbunden ist auch ein anderer Führungsstil, der sich an Ergebnissen orientiert, nicht an der Präsenz im Büro«, erläuterte Roland Busch, stellvertretender Vorstandsvorsitzender und Arbeitsdirektor der Siemens AG. »Wir vertrauen unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und befähigen sie, ihre Arbeit selbst zu gestalten, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. Mit der neuen Arbeitsweise motivieren wir unsere Beschäftigten, erhöhen zugleich die Leistungsfähigkeit des Unternehmens und stärken das Profil von Siemens als flexiblen und attraktiven Arbeitgeber.«

Die Vorteile liegen auf der Hand: Büro-Miete und Unterhaltskosten machen bis zu einem Fünftel der Firmenkosten aus. Hier gibt es also Einsparpotentiale. Durch vermehrtes Homeoffice könnten zudem die Mieten in Großstädten sinken, laut Institut der deutschen Wirtschaft bis zu 20 Prozent und die Kaufpreise gar bis 35 Prozent. Die Energiekosten sollten dann aber nicht an den Mitarbeitern allein hängen bleiben: Der Deutsche Gewerkschaftsbund und der Bundesverband Lohnsteuerhilfe fordern einen steuerlichen Vorteil für mobiles Arbeiten.

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