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Lage am Kabelmarkt spitzt sich zu

Es betrifft nicht mehr nur einzelne Rohstoffe!

03. Mai 2021, 12:19 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

Es betrifft nicht mehr nur einzelne Rohstoffe!
© ZVEI/Frederik Böttcher

Sebastian Glatz, ZVEI-Fachverbandsgeschäftsführer Kabel und isolierte Drähte: "Die im ZVEI organisierten Kabel- und Leitungshersteller tun ihr Möglichstes zur Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit.“

Bereits im Februar hatte der ZVEI auf Versorgungsprobleme der europäischen Kabelindustrie hingewiesen. Damals war vor allem das PVC knapp. Jetzt weitet sich der Engpass aus: Betroffen sind immer mehr Vormaterialien.

Mittlerweile treten auch Versorgungsprobleme bei den Kunststoffen PP (Polypropylen), PE (Polyethylen), PA (Polyamide) sowie bei Silikon und Weichmachern auf, wie der ZVEI berichtet. Diese Rohmaterialien werden – ähnlich wie PVC – als Isolier- und Mantelmaterial bei Kabeln verwendet. Daher geraten die Hersteller von Kabeln weiter unter Druck. 

Aber auch in benachbarten Gewerken treten inzwischen ebenfalls Versorgungsengpässe mit Kunststoffgranulaten auf. Hier sind Rohrhersteller betroffen, insbesondere die von Kabelschutzrohren, sowie Schalter- und Gehäusehersteller im Bereich der Elektroinstallation. Noch können die beschriebenen Engpässe in den Endmärkten durch die Pufferleistungen eines dreistufigen Vertriebs abgefangen werden. Die Kabelindustrie erwartet jedoch bei der Versorgung mit Vorleistungsprodukten im Kunststoffbereich vor dem Herbst keine Besserung. 

Probleme auch bei Holz, Stahl, Folien und Bändern

Darüber hinaus ist die Industrie auch von der europaweiten Knappheit bei den Rohstoffen Holz und Stahl sowie von Folien und Bändern betroffen. Holz wird in der Kabelindustrie für Trommeln und für Transportkeile verwendet, Stahl wird in Armierungen eingesetzt und Folien und Bänder sind sowohl Füll- und Produktionsstoffe als auch Verpackungsmaterial.

Probleme mit der Versorgung von Vorprodukten betreffen nicht nur die Kabelindustrie. Laut Ifo-Institut haben zuletzt knapp zwei Drittel der Elektrofirmen über Materialknappheit berichtet. In der Logistik sind inzwischen knappe und teure Frachtkapazitäten ein wesentlicher Faktor. Die Spediteure sind europaweit stark ausgelastet, weltweit sind Containerkapazitäten stark begrenzt. Die Blockade des Suezkanals und die anhaltenden Auswirkungen haben die Situation noch verschärft. Für Rohmaterialen aus Asien, insbesondere im Kunststoffbereich, bedeutet dies eine weitere erhebliche Störung. 

Bereits im Februar sagte Sebastian Glatz, Fachverbandsgeschäftsführer Kabel und isolierte Drähte im ZVEI, zur angespannten Situation am Kabelmarkt: »Die im ZVEI organisierten Kabel- und Leitungshersteller tun ihr Möglichstes zur Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit, aber ohne PVC kein Endprodukt.«

Diese Aussage trifft weiterhin zu, auch wenn jetzt zusätzlich noch andere Materialien betroffen sind. In diesem Zusammenhang weist der ZVEI in seiner Mitteilung darauf hin, dass staatliche Eingriffe die Lieferketten nicht resilienter machen würden, sondern eher protektionistische Tendenzen verstärken und Gegenreaktionen provozieren könnten.  
 

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