Aluminium- und Kunststoffgehäuse

»Seit Jahresmitte spitzt sich die Situation zu«

8. Oktober 2021, 12:00 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Bopla
Kundenspezifische Gehäuse, ein strategisch wichtiges Standbein von Bopla.
© Bopla

Bopla steuert in diesem Jahr auf ein Rekordergebnis zu, kämpft aber ebenfalls mit Herausforderungen der Materialbeschaffung. »Inzwischen sind sogar bei C- und D-Teilen hohe Flexibilität und Kreativität gefragt«, berichten Ralf Bokämper und Mathias Bünte im Markt&Technik-Interview.

Markt&Technik: Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Geschäftsentwicklung im Jahr 2021?

Ralf Bokämper, Geschäftsführer: Nachdem wir bereits 2020 ein trotz Pandemie überraschend gutes Jahr hatten, wurden unsere Erwartungen 2021 noch einmal drastisch übertroffen. Mit zweistelligen – unvorhersehbaren und daher ungeplanten – Zuwachsraten arbeiten wir bei Bopla aktuell unter Volldampf und steuern auf ein Rekordergebnis zu. 

Wie schwierig ist es für Sie als Gehäusehersteller das Wachstum zu stemmen und insbesondere die notwendigen Teile und Rohstoffe zu beziehen?

Mathias Bünte, Business Development Manager: Bis ca. Mitte des Jahres konnten wir aufgrund unserer vorausschauenden Beschaffungspolitik noch recht entspannt die steigenden Bedarfe unserer Kunden termingerecht abdecken. Dies hat sich jedoch mit der teilweisen Stornierung bereits bestätigter Liefermengen durch unsere Zulieferer drastisch geändert.

Ralf Bokämper: Wir sind schwerpunktmäßig in den Bereichen Kunststoff und Aluminium unterwegs und insbesondere bei speziellen Kunststoffgranulaten wird die Geduld unseres Sourcing-Teams aktuell hart auf die Probe gestellt. Völlig unberechenbar ist die Situation in der Beschaffung von Elektronikkomponenten, die für Bopla eine immer wichtigere Rolle spielen. Inzwischen sind selbst bei C- und D-Teilen wie Schrauben und Kabelverschraubungen hohe Flexibilität und Kreativität gefragt.

Ralf Bokämper und Mathias Bünte
Ralf Bokämper, Geschäftsführer, und Mathias Bünte, Business Development Manager, sprechen im Interview über Probleme bei der Materialbeschaffung und über die Geschäftsentwicklung bei Bopla.
© Bopla

Was raten Sie also ihren Kunden?

Ralf Bokämper: Unsere Empfehlung ist: Planen Sie frühzeitig und vorausschauend, bestellen Sie rechtzeitig, planen Sie Verzögerungen ein, lassen Sie uns die aktuelle Situation gemeinsam lösen, „Drängeln“ hilft nicht…, Preisanpassungen werden sich nicht vermeiden lassen.  

Welche Erwartungen haben Sie diesbezüglich für die zweite Jahreshälfte bzw. welchen Ausblick können Sie ihren Kunden geben?

Ralf Bokämper: Wie erwarten – bzw. erhoffen uns – zumindest im Bereich der für uns relevanten Kunststoffgranulate, z.B. hinsichtlich Typen und Farben, eine Entspannung, weil unsere Zulieferer mit ihren extrem langen Prozesszyklen dann wieder im für uns passenden „Arbeitspunkt“ liegen sollten. Bis dahin aber haben wir – und unsere Kunden – noch einige „spannende“ Monate vor uns. 

Bopla hat im letzten Jahr sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Wo stehen Sie heute technologisch bzw. was sind ihre jüngsten Meilensteine?

Mathias Bünte: Wir haben uns sowohl organisatorisch als auch fertigungstechnisch fit gemacht für immer individuellere und aufwändigere Anforderungen unserer Kunden. Ein besonderer Meilenstein war dabei die enge Verzahnung der Aktivitäten unseres Schwesterunternehmens Kundisch. So profitiert Kundisch heute von der internationalen Bopla-Vertriebspower, während Bopla viele innovative Lösungen aus dem Bereich der gedruckten Elektronik zur Integration in die Gehäuse zur Verfügung stehen.

Was ist heute ihr wichtigstes Gehäuse bzw. ihre wichtigste Produktgruppe?

Ralf Bokämper: Bopla ist in den vergangenen Jahren besonders im Bereich der Systemintegration und des Customizings gewachsen. Das umfasst nach unserer Definition all die Lösungen, bei denen ein Kunde bei uns mehr als nur das Standard-Katalogprodukt kauft. Idealerweise bedienen wir uns bei solchen Systemen natürlich auch der Technologien von Kundisch und schaffen durch die projektspezifische Integration von Touchdisplays und Elektronikkomponenten eine durchgängige Komplettlösung.

Bocube
Gehäuse-Programm Bocube
© Bopla

Mathias Bünte: Auf das reine Gehäuse bezogen sehen wir bereits seit Längerem einen klaren Trend zu Produkten, welche für den Einsatzort „überall“ geeignet sind – also insbesondere über eine hohe Schutzart und Outdoorfähigkeit verfügen. Dies ist vor dem Hintergrund des IoT auch nicht verwunderlich. Da solche Gehäuse nicht nur funktionell sein müssen, sondern natürlich auch noch optisch ansprechend sein sollen, hat sich unser patentiertes Gehäuse „Bocube“ zu einem echten Renner entwickelt.

In welchen Bereich werden Sie künftig investieren, wo setzen Sie die Schwerpunkte?

Mathias Bünte: Wir werden uns zukünftig noch stärker auf die Realisierung kundenspezifischer Gehäuselösungen von der Idee bis zur Serienproduktion ausrichten und werden uns dazu sowohl organisatorisch als auch mit zusätzlichen Fertigungstechnologien verstärken. Aber selbstverständlich werden wir auch weiterhin unser Standardprogramm anhand der Bedarfe unserer Kunden ausbauen bzw. ergänzen.


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