Bürklin Elektronik zum Halbleiterengpass

„Halbleiter-Umsatz im ersten Quartal vervierfacht“

17. Mai 2022, 8:00 Uhr | Karin Zühlke
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Jürgen Lampert ist seit 1. Februar 2022 CEO von Bürklin Elektronik.
© Bürklin Elektronik

Viele Halbleiter sind dieser Tage Mangelware. Wer kurzfristige Halbleiter-Bedarfe decken will, braucht eine gute Spürnase. Ein Blick in den Webshop von Bürklin Elektronik lohnt sich: Dort sind auch Highrunner namhafter Hersteller sofort verfügbar. Ein Gespräch mit CEO Jürgen Lampert.

Zyklische Engpässe sind in der Elektronik-Industrie nicht neu. Der aktuelle Halbleiter-Engpass mit all seinen Facetten markiert allerdings eine ganz neue Dimension. Was sind die Ursachen?
Durch die fortschreitende Digitalisierung in allen Bereichen des Lebens in einer globalen Welt steigt die Nachfrage nach Halbleitern ständig an. Megatrends wie KI und eMobility verstärken diese Nachfrage zusätzlich. Hinzu kommen Engpässe und Lieferschwierigkeiten bei Rohstoffen wie etwa Kupfer, Zink, Aluminium, Silizium, Substrate und Wafern. Auch geopolitische Herausforderungen wie zwischen China und den USA aufgrund der Importzölle oder der Krieg in der Ukraine führen zu steigenden Preisen und destabilisieren den Markt.
Und nicht zu vergessen: Covid trägt heute noch erheblich dazu bei, dass die Lage am Markt sich nicht entspannen wird, beispielsweise der kürzliche Lockdown in Shenzhen in der Provinz Guandong, High-Tech-Standort von China. Dort befinden sich viele Entwicklungsabteilungen von Tech-Konzernen, aber auch Fertigung von Bauteilen. Hunderte Containerschiffe standen im April vor den geschlossenen chinesischen Häfen und warteten auf ihren Liegeplatz. Es wird immer schwieriger, Fracht nach China hinein oder von China heraus zu transportieren.
Des Weiteren sehen wir 2021 eine um mehr als 20 Prozent gestiegene Nachfrage an Halbleitern. Die Prognosen gehen von einem sich in den nächsten zehn Jahren nahezu verdoppelnden Markt aus. Das bedeutet: Die Nachfrage ist und wird auch in Zukunft sehr viel größer sein als der Markt, daraus resultiert die derzeitige Halbleiterkrise.

Welche Produktbereiche sind im Halbleiter-Segment besonders betroffen?
Im Grunde genommen der gesamte Bereich der Halbleiter, wie diskrete Bauelemente, Mikrocontroller, programmierbare Logik, Speicher ICs, Optoelektronik, um nur einige zu nennen.

Welche Industriezweige leiden am meisten unter der Knappheit und warum?
Generell betrifft die Knappheit die gesamte Wirtschaft, da Halbleiter praktisch überall eingebaut sind. Besonders Zulieferer im Bereich Industrie und Automotive, bei denen insbesondere 8-Zoll-Wafer verwendet werden, leiden stark. Hier mussten bereits viele Unternehmen Insolvenz bzw. Kurzarbeit anmelden. Die Hersteller von Halbleitern haben zudem ihre Produktion auf andere Bereiche und Abnehmer umgeshiftet, insbesondere 5G-Applikationen, Unterhaltungselektronik und Smartphones. Das bedeutet wiederum, dass die Halbleiterhersteller die Ressourcen und Prioritäten in der Halbleiterproduktion auf diverse Segmente aufteilen und dadurch wiederum Engpässe bei einem wachsenden Markt entstehen. Weil die Halbleiterproduktion kompliziert ist und mehrere Wochen dauern kann, ist eine Steigerung der Produktion nicht ohne Weiteres möglich.

Was bedeutet das für die Produktionsketten der Kunden?
Aktuell werden auch viele Produktionsstätten verlagert. Das bedeutet veränderte Produktionsketten, mögliche Produktionsstopps bis hin zu Produkten, die redesignt werden müssen. Dies ist nötig, weil Kunden, sowohl EMS wie ODMs, auf bestellte Ware warten.
Stand heute kann man nicht sagen, wann sich die Lage wieder entspannen wird. Prognosen gehen davon aus, dass sich die Situation gar noch weiter zuspitzt. Momentan gibt es keine Anzeichen für eine Stabilisierung der Verfügbarkeiten und der Preise. Manche sagen eine Verbesserung frühestens 2023 voraus, je nach Produktbereich aber sogar erst für 2024.
Aus unserer Sicht ist eine wichtige Strategie für die Zukunft die Aufstockung der Produktion in Europa. So kann man langfristig die Abhängigkeiten von der asiatischen Produktion reduzieren. Europa produziert bis dato weniger als 10 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Hierzu gibt es bereits erste Schritte: Intel baut für 17 Milliarden Euro zwei Chipfabriken in Magdeburg. Infineon hat 2021 eine neue High-Tech-Chipfabrik im österreichischen Villach für 1,6 Milliarden Euro eröffnet.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen drohen dem Markt aus Ihrer Sicht?
Die Gefahr von wirtschaftlichen Schäden ist groß. Oft bedingt eine steigende Nachfrage eine Verknappung am Markt und dadurch starke Preiserhöhungen. Auch das permanente Risiko von Produktionsstopps erhöht die Gefahr von Kurzarbeit. Hinzu kommen finanzielle Belastungen von produzierenden Firmen durch die langfristige Vorfinanzierung von Ware, Schadenersatzansprüche bzw. Konventionalstrafen bei Lieferverzögerungen. All das birgt eine erhöhte Insolvenzgefahr.

Was bedeutet die Situation für die Distribution?
Wir sehen massive Lieferschwierigkeiten bei Distributoren, die ihre Läger nicht rechtzeitig gefüllt haben. Es ist momentan nicht voraussehbar, wann vergriffene Produkte wieder verfügbar sein werden. Dadurch ist eine Dispo schwer zu planen, und es ergeben sich extreme Preisschwankungen. Manche Distributoren zeigen derzeit weder Preise noch Lieferzeiten an.
Nur wer sein Lager gut bevorratet hat und rechtzeitig die richtigen Produkte eingekauft hat, kann auch die aktuellen Bedarfe abdecken. Wir bei Bürklin Elektronik haben mehrere hundert Halbleiter von verschiedenen Herstellern in hohen Stückzahlen auf Lager.

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