Lieferengpässe belasten die Industrie

Einkaufsmanager-Index auf 20-Monatstief

5. Mai 2022, 14:36 Uhr | Karin Zühlke
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Deutschlands Hersteller sind schwächer ins zweite Quartal gestartet. Der Krieg in der Ukraine und die Lockdowns in China drückten im April die Nachfrage und störten die Lieferketten.

Aufgrund des Rückgangs der Neuaufträge sowie der weitverbreiteten Lieferverzögerungen schrumpften zudem die Produktionsraten. Deshalb sank der saisonbereinigte S&P Global/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) mit 54,6 Punkten im April auf ein 20-Monatstief nach 56,9 im März.

„Der EMI hat im April weiter Federn lassen müssen“, betonte Gundula Ullah, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME), am Donnerstag in Eschborn. Das gelte vor allem für den Teilindex Produktion, der erstmals seit Einführung der Corona-Restriktionen in der ersten Jahreshälfte 2020 wieder ins Minus abrutschte. Eine mögliche Erholung im Verarbeitenden Gewerbe der größten Volkswirtschaft Europas dürfte nach Frau Ullahs Einschätzung maßgeblich davon abhängen, ob und wie schnell der Ukraine-Krieg beendet werden könne. Auch die Corona-Krise sei noch längst nicht ausgestanden, wie die anhaltenden Lockdowns in China und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die globalen Lieferketten zeigten.

„Stagflation ist das aktuelle Thema“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Donnerstag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Offen sei nur noch die Frage in welchem Ausmaß die Inflation steigen und wie schwach das Wachstum sein werde. Dies hänge von zwei Faktoren ab: „Gibt es über die aktuellen Sanktionen hinaus auch noch ein Energieembargo und wann kommt es? In unserem Basisszenario gehen wir immerhin noch von einem Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes um 2,2 Prozent und einer Inflationsrate von sechs Prozent aus. Sollte es jedoch in wenigen Wochen zu einem umfassenden Lieferverbot von Öl und Gas kommen, würde unser Negativszenario mit einer Inflationsrate von mindestens zehn Prozent und einem deutlichen BIP-Rückgang in Kraft treten“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.

„Selbst mit den gegenwärtig aufgerufenen Sanktionen kann die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr etwas wachsen. Allerdings steht und fällt der Konjunkturausblick mit den sehr unsicheren geopolitischen Rahmenbedingungen“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Donnerstag dem BME.

„Der Krieg in der Ukraine und die harten Lockdowns in China setzen der deutschen Wirtschaft zu. Lieferengpässe, Preissteigerungen aber auch die Sorge um sichere Energieversorgung lassen nicht nur die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen einbrechen, sondern belasten die Weltkonjunktur insgesamt. Das sind trübe Aussichten, besonders für die exportorientierte Industrie“, teilte DIHK-Konjunkturexperte Dr. Jupp Zenzen am Donnerstag dem BME mit.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Donnerstag dem BME folgende Einschätzung: „Die knappe Marktversorgung bei den meisten Rohstoffen hält an. Auch im April kam es teilweise noch zu leichten Preisanstiegen; insgesamt gesehen war aber eher eine Seitwärtsbewegung zu verzeichnen. Bei etlichen börsennotierten Metallen waren in der zweiten Monatshälfte aufgrund von Rezessionssorgen nachgebende Preise zu beobachten. Ein Erdölembargo gegenüber Russland scheint mittlerweile eher zu verkraften sein, ein Erdgaslieferstopp hätte aber unverändert gravierende Folgen für die deutsche Industrie. Wir sehen insgesamt die Preise in den nächsten drei Monaten auf unverändert hohem Niveau. Bei Grobblech könnten sie sogar weiter anziehen: Zur Produktionseinstellung bei thyssenkrupp 2021 kommen nun ausbleibende Lieferungen aus der Ukraine und Russland, so dass dem Markt rund 30 Prozent des Volumens fehlen. Dies dürfte den Bau von Windtürmen – die überwiegend aus Grobblechen bestehen – erheblich verteuern. Kein gutes Zeichen für die Energiewende.“

 


  1. Einkaufsmanager-Index auf 20-Monatstief
  2. Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick

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Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)