Quantencomputer für die Industrie

Wohin geht die Reise in Deutschland?

25. Oktober 2022, 10:22 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Potenzial für Deutschland

Nichtsdestotrotz ist sich die Bundesrepublik der Wichtigkeit dieser Technologie bewusst und förderte noch unter Altkanzlerin Angela Merkel 2021 den Erwerb des ersten Quantencomputers für Deutschland. Mit der Forscherplattform „IBM Quantum System One“ wurde im baden-württembergischen Ehningen ein Gemeinschaftsprojekt der Fraunhofer Gesellschaft für anwendungsorientierte Forschung und IBM mit dem ersten von dem IT-Unternehmen entwickelten universellen Quantencomputer eingeführt. Forscher aus Wirtschaft und Wissenschaft können dadurch die Technologie testen. Für 11.621 Euro Monatsmiete kann der Quantencomputer mit seinen 27 Qubits auch von Unternehmen getestet werden. Und der Bund investiert weiterhin in die Technologie: Bis 2025 möchte er zusätzlich zwei Milliarden Euro dafür einsetzen.  
Außerdem gibt es ein Netzwerk aus Universitäten, Forschungsinstituten und Unternehmen – dem sogenannten „Munich Quantum Valley“. Zentrales Ziel des europaweit einzigartigen Netzwerks ist es, in den kommenden fünf Jahren ein Zentrum für Quantencomputing und Quantentechnologie (ZQQ) aufzubauen. Mit „Munich Quantum Valley“ soll nicht nur die Forschung hierzulande gefördert werden, sondern auch an Experten der Quantentechnologie ein klares Signal gesetzt werden, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb auf dem Gebiet eine entscheidende Richtung einschlägt.

Welches hohe Ansehen Quantentechnologie weltweit bereits als Forschungsgebiet genießt, macht die diesjährige Nobelpreisauszeichnung der Quantenphysiker Alain Aspect, John Clauser und Anton Zeilinger deutlich. Die Arbeiten der Nobelpreisträger gelten dabei als Grundlage für ein neues Zeitalter in dem Bereich.

Ein Quantum Ausblick

Im Rahmen einer europäischen Initiative werden sechs Quantencomputer in bestehende Supercomputer integriert, wodurch europaweit ein breites Netz abgebildet werden soll – einer davon wird in Deutschland stehen. Die neuen Quantencomputer werden voraussichtlich in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 zu Verfügung stehen. Diese Maschinen werden nur aus europäischer Hard- und Software bestehen und europäische Technologie benutzen, die im Rahmen von EU-finanzierten Quanteninitiativen, nationalen Forschungsprogrammen und privaten Investitionen entwickelt wurde. Damit kommt Europa zwar wieder dem Ziel einen Schritt näher, bis 2030 zu den Vorreitern der Quantenfähigkeit zu gehören. Bis Quantencomputer allerdings in der Breite für die deutsche Industrie eingesetzt werden können, wird wohl noch mehr als ein Quantensprung von Nöten sein.

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