Quantencomputer für die Industrie

Wohin geht die Reise in Deutschland?

25. Oktober 2022, 10:22 Uhr | Karin Zühlke
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Christian Reinwald, reichelt elektronik
© reichelt elektronik

Weit voneinander entfernt und doch verbunden: Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing von reichelt, sieht in der Quantentechnologie viel Potenzial. Wie kann die Industrie profitieren?

Diese könnten mit ihrer enormen Rechenpower beispielsweise die Materialforschung revolutionieren oder Bauteile in verschiedenen Branchen optimieren. In Deutschland steht seit 2021 der erste Quantencomputer, der von IBM in den USA produziert wurde. Das ist ein erster wichtiger Schritt, um sich der Zukunftstechnologie zu nähern und das Know-how auf diesem Gebiet auszubauen. Die deutsche Industrie könnte davon profitieren – doch wo stehen wir in Deutschland überhaupt? Christian Reinwald, Head of Product Management & Marketing bei reichelt elektronik schätzt die Lage folgendermaßen ein:  

Was ist ein Quantencomputer?

Um die Vorteile eines Quantencomputers zu verstehen, ist es wichtig, zu wissen, wie dieser funktioniert. Die Abgrenzung zu einem herkömmlichen Computer kann dabei helfen: Während dieser nämlich klassische Bits verwendet, nutzt ein Quantencomputer als Rechner die Gesetze der Quantenmechanik. Bits kennen nur den Zustand 1 oder 0. Ein Quantencomputer arbeitet stattdessen mit Quantenbits. Ein Qubit (Kurzform für Quatenbits) ist die kleinste Rechen- und Informationseinheit, mit der ein Quantencomputer arbeitet. In dieser Form können im Gegensatz zu den Bits viel mehr Information gleichzeitig repräsentiert und verarbeitet werden. Dadurch ist es möglich, enorm große Datenmengen viel schneller zu verarbeiteten – das birgt großes Potenzial für die Industrie und kann zukünftig zu einer gesteigerten Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, die die Technologie einsetzen wollen, führen.
Ein Praxisbeispiel aus der Automobilbranche zeigt, wie die neuartigen Rechner schon heute ausgetestet werden. Automobilhersteller nutzen viele Bauteile von Zulieferern und sind auf eine einwandfreie Lieferung angewiesen. BMW testet seit 2021 den Quantencomputer der US-Firma Honeywell. In der aktuellen Testphase verfolgt BMW das Ziel, die Lieferkette in Echtzeit zu beobachten und die Fertigungsgeschwindigkeit zu optimieren. Dabei geht es speziell darum, herauszufinden, welche Komponenten der Münchner Automobilproduzent von welchem Zulieferer zu welchem Zeitpunkt kauft, um insgesamt niedrigere Kosten im laufenden Betrieb zu erzielen – der Computer muss die beste Option abwägen.

Bei all den Versuchen am Markt und auch in der Forschung, ist die größte Herausforderung aktuell noch, dass die Qubits sehr störungsanfällig sind: Auslöser wie Umgebungsgeräusche, Vibrationen und Temperaturschwankungen können innerhalb von 100 Mikrosekunden dazu führen, dass sie ihre Quanteneigenschaft verlieren. Bis ein Quantencomputer in ein herkömmliches Rechenzentrum einziehen kann, muss er dafür gerüstet und die Umgebung entsprechend präpariert sein – Ansätze zur Fehlerkorrektur zu identifizieren ist deshalb ein wichtiger Teil der Forscherteams.

 

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