Schwerpunkte

Kreativität findet Wege

Innovationen in Krisenzeiten

24. November 2020, 12:57 Uhr   |  Von Selina Doulah

Innovationen in Krisenzeiten
© Bild: irasolly | Shutterstock

Wir haben uns mit Mark Patrick von Mouser darüber unterhalten, wie Not erfindersich macht und damit sogar Innovationen einen kräftigen Schub geben können: Die gewonnene Zeit im Lockdown habe die Kreativität so einiger Tüftler und Ingenieure gefördert.

Wie hat sich die Arbeitsweise von Ingenieuren und Ingenieurinnen durch die beispiellose Situation mit dem Coronavirus verändert?

Not ist die Mutter der Innovation. Das Coronavirus ist ein Paradebeispiel dafür. Es gab einige wirklich einfallsreiche Kooperationen zwischen Maker Spaces, Ingenieurteams und sogar Unternehmen, die aus dem dringenden Bedarf an medizinischer Ausrüstung entstanden sind. Aus der Not heraus wurden ungeahnte Partnerschaften und unerwartete Kooperationen zwischen nicht-medizinischen Unternehmen geboren. Dies führte zu schnellen und effizienten Lösungen für die Nachfrage nach Beatmungsgeräten, PSA und einer großen Bandbreite an Hilfsmitteln wie Stationswagen. Menschen mit Fachwissen und Ingenieurskenntnissen traten ins Rampenlicht und verdeutlichten, über welches manchmal lebensrettende Wissen Ingenieure verfügen.

Zudem konnte Mouser eine Zunahme der Aktivitäten von Bastlern, Makern und Studenten feststellen. Während sich die Welt im Lockdown befand, nutzten Ingenieure ihre Zeit zu Hause produktiv, um mehr Neues zu gestalten als je zuvor.

Können Sie uns einige Beispiele dafür nennen, wie die Branche auf die schnellere und effektivere Arbeitsweise der Ingenieure und Ingenieurinnen reagiert hat?

Viele Ingenieure haben ihre Arbeitsplätze zu Hause eingerichtet und sind gelegentlich ins Büro gefahren, um Prüfgeräte zu verwenden. Die Unternehmen haben ihre Infrastruktur und Netzwerke neu gestaltet, um Telearbeit zu ermöglichen. Sie haben Geräte erworben, damit einzelne Mitarbeiter ihre Arbeit weiterhin zu Hause durchführen können. Ingenieure können vieles von zu Hause aus erledigen. Ich denke, sie sind dort sogar noch produktiver, da sie weniger häufig unterbrochen werden. Videoanrufe haben während des Lockdowns an Popularität gewonnen. Sie führten tendenziell zu mehr Effizienz und einer schnelleren Entscheidungsfindung. Offenbar ist es schneller und einfacher möglich, alle Beteiligten zu einem virtuellen Meeting zusammenzubringen!

Ich habe vor kurzem einen interessanten Artikel von Maurizio Di Paolo Emilio gelesen. Darin beschreiben Ingenieure auf der ganzen Welt ihre Erfahrungen mit der Arbeit zu Hause. Viele Ingenieure machten Fotos von ihren Arbeitsbereichen und beschrieben, welche Arbeiten sie gemacht haben. Der Artikel vermittelte ein Gefühl von Gemeinschaft und Energie. Er verdeutlichte, dass viele Ingenieure während des Lockdowns an eigenen Projekten gearbeitet haben. Andere haben sich mit ihrem 3D-Drucker einen PSA-Gesichtsschutz erstellt. All das zusätzlich zu ihren üblichen Arbeitsaufgaben. Dieser Artikel beschreibt sehr anschaulich, wie Ingenieure auf die Arbeit von zu Hause reagiert haben.

Mark Patrick  | Technical Marketing Manager für EMEA bei Mouser
© Bild: Mouser

Mark Patrick ist als Technical Marketing Manager für EMEA bei Mouser für das Erstellen und Verbreiten technischer Inhalte in der Region verantwortlich. Zuvor war er Teil des EMEA-Zulieferer-Marketing-Teams und wirkte beim Aufbau von Beziehungen zu wichtigen Produktionspartnern mit.

Wie haben die Lieferanten das innovative Handeln in dieser schwierigen Zeit unterstützt?

Eine der Stärken von Mouser ist es immer schon gewesen, Ingenieuren ein schnelleres und effektiveres Arbeiten zu ermöglichen. Wir mussten unsere Prozesse neu organisieren, um unsere Kunden auch während des Lockdowns zu unterstützen. Ganze Abteilungen arbeiteten von zu Hause aus, zudem mussten wir den Lagerbetrieb und Lieferungen aufrechterhalten, damit eine kontinuierliche Versorgung gewährleistet war. Wir haben alles getan, um auch während des Lockdowns schnell liefern zu können. Doch wir wollten nicht nur eine kontinuierliche Lieferung und Unterstützung gewährleisten. Daher haben wir verstärkt auch auf Tools, Inhalte und Ressourcen verwiesen, die Ingenieuren bei der Arbeit von zu Hause aus nützlich sein können. Wir wissen aus dem Feedback der Ingenieure, dass viele von ihnen mehr Zeit als gewöhnlich damit verbracht haben, sich selbst weiterzubilden und neue Kompetenzen zu erwerben. Mouser investiert viel Zeit und Mühe in die Bereitstellung nützlicher technischer Ressourcen für unsere Kunden. Uns ist bewusst, dass diese mehr denn je von unserer Community angenommen werden.

Darüber hinaus haben wir uns auf unseren Kundensupport konzentriert. Wir wollten den Ingenieuren in dieser schwierigen Zeit Unterstützung bieten, um die von ihnen benötigten Teile zu finden. So bekamen wir beispielsweise eine Anfrage von einer Maker-Gruppe in Madrid, die sich Makespace nennt. Das ist eine von mehreren Maker-Communities, die es sich bei Ausbruch der Pandemie zur Aufgabe gemacht hat, ein kostengünstiges Design für Beatmungsgeräte zu entwickeln. Das Team hatte Schwierigkeiten, Strömungssensoren und andere Bauelemente zu bekommen, da die Lieferketten vom Coronavirus betroffen waren. Als Mouser dies erfuhr, sprang das lokale Kundensupportteam in Spanien ein und stellte die notwendigen Bauelemente, um diese innovative Gruppe von Ingenieuren in ihrer Landessprache zu unterstützen.

Welches von Mouser unterstützte Innovationsprojekt verkörpert Ihrer Meinung nach den Innovationsgeist in diesen schwierigen Zeiten am besten?

Ich würde sagen, Makespace Madrid. Javier Fernández und sieben weitere Maker bauten auf einem Beatmungsgeräteprojekt des MIT auf und setzten sich zum Ziel, ein offenes Design für ein mit minimalem Einsatz realisierbares Beatmungsgerät zu entwickeln, das die Gesundheitsbedürfnisse von Covid-19-Patienten erfüllt. Makespace teilte seine Erkenntnisse während des gesamten Projektes mit der größeren Community. So konnte das Design verbessert und auf der ganzen Welt verwendet werden.

Das war im März / April, auf dem Höhepunkt der Krise. Die Gruppe arbeitete mit medizinischen Fachkräften zusammen und zog Experten aus verschiedenen Bereichen zurate, um das Design zu entwickeln. Ihr kollaboratives Engineering verkörpert echten Innovationsgeist.

Glauben Sie, dass die Öffentlichkeit durch die Pandemie eine neue Einstellung zur Bedeutung von Technik und Innovationen bekommen hat?

Die Nachrichtenkanäle auf der ganzen Welt berichten äußerst aktiv über technische Innovationen und Kooperationen. In der Presse erscheinen Berichte, beispielsweise über die gemeinsamen industriellen Bemühungen des Formel-1-Teams von Mercedes, aus einem patentfreien Beatmungsgerät eine Atemhilfe für Covid-19-Patienten zu entwickeln. Außerdem wurde über Tausende Maker berichtet, die mithilfe von 3D-Druckern PSA-Notfalllösungen hergestellt haben, so wie Scott Flower von Harwin. Dank dieser Berichte erfährt die Öffentlichkeit, wie groß das Potenzial in der Engineering-Community ist. Zudem wird deutlich, dass Technik – auf der ganzen Welt – einen Beitrag für das Gute leisten kann.

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